Robert Klatt
Wohlhabende Menschen, etwa ein Großteil der Deutschen, erzeugen überdurchschnittlich hohe CO₂-Emissionen und sind damit hauptverantwortlich für den Klimawandel. Nun wurde entdeckt, dass sie sich zudem öfter gegen eine globale Emissionsreduktion entscheiden und stattdessen lokale Maßnahmen bevorzugen, von denen nur sie profitieren.
Bologna (Italien). Daten der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) haben kürzlich gezeigt, dass die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre bei 424 parts per million (ppm), also dem höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren, liegt. Es wird somit deutlich, dass der Klimawandel nur mit einer globalen Lösung, durch eine starke Reduzierung der CO₂-Emissionen, gebremst werden, kann. Regierungen, Unternehmen und wohlhabende Privatpersonen können jedoch auch in Maßnahmen investieren, die die lokalen Auswirkungen der Erderwärmung begrenzen. Es ist dabei entscheidend, das passende Gleichgewicht bei den Investitionen zu finden.
Forscher der Universität Bologna haben nun eine Studie publiziert, die untersucht , welche Faktoren beeinflussen, ob sich Menschen eher für globale oder lokale Maßnahmen gegen den Klimawandel entscheiden. Dazu haben sie eine komplexe Simulation mit 7.504 Personen aus 34 sehr unterschiedlichen Ländern, darunter Kolumbien, Dänemark, Südafrika und Indien, durchgeführt.
Die Probanden wurden in Gruppen mit jeweils vier Personen unterteilt, von denen zwei Personen ein wohlhabendes Land und zwei Personen ein eher armes Land repräsentiert haben. In der Simulation mussten die Teilnehmer dann entscheiden, wie sie ihre Ressourcen einsetzen, um eine Katastrophe zu vermeiden. Sie könnten sich dabei zwischen privaten und öffentlichen Lösungen entscheiden. Im Falle des Klimawandels wäre eine öffentliche Lösung eine Maßnahme zur Emissionsreduktion und eine private Lösung etwa eine neue Bewässerungsanlage, die Ernteausfälle durch höhere Temperaturen und häufigere Dürren verhindern würde.
Das Experiment zeigt deutlich, dass Personen mit mehr Ressourcen deutlich öfter eine lokale, private Maßnahme wählen als eine globale Maßnahme, von der auch Menschen in anderen Ländern profitieren würden.
„Teilnehmende, denen zu Beginn des Spiels mehr Ressourcen zugewiesen wurden, investierten doppelt so häufig in private Lösungen wie jene, die mit weniger Ressourcen starteten, und trugen verhältnismäßig weniger zur gemeinsamen Investition in die öffentliche Lösung bei. Dies ist eine echte private Lösungsfalle, die den Fortschritt hin zu einer globalen Antwort verlangsamt und Länder mit weniger Ressourcen sowie verletzlichere Bevölkerungsgruppen größeren Risiken aussetzt.“
Laut den Wissenschaftlern führt die Priorisierung von privaten Maßnahmen gegenüber öffentlichen Maßnahmen beim Kampf gegen den Klimawandel dazu, dass die Wirksamkeit der globalen Maßnahmen abnimmt. Die sogenannte „private solution trap“ führt dazu, dass die soziale Ungleichheit zunimmt und Menschen in ärmeren Ländern stärker unter dem Klimawandel leiden als Personen in reicheren Ländern, die sich lokale Maßnahmen leisten können.
Das Experiment zeigt zudem, dass die Entscheidungen für und gegen lokale und globale Maßnahmen nicht nur von den finanziellen Verhältnissen abhängen, sondern auch von der kulturellen Herkunft der Menschen. Personen aus Ländern mit einem starken Leistungsprinzip bevorzugen demnach eher private Lösungen und Personen aus Ländern mit einem starken Gemeinschaftssinn eher öffentliche Maßnahmen.
„Trotz dieser kulturellen Unterschiede neigen langfristig alle dazu, in die private Lösungsfalle zu geraten. Es gibt jedoch ein ermutigendes Signal. Gruppen, die früh und geschlossen in die öffentliche Lösung investierten, erreichten häufig das gemeinsame Ziel und machten private Alternativen weniger attraktiv.“
Quellen:
Pressemitteilung der Universität Bologna
Pressemitteilung der University of Warwick
Pressemitteilung des King's College London (KCL)
Studie im Fachmagazin PNAS, doi: 10.1073/pnas.2504632123