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England und Wales

Regionale Bio-Landwirtschaft führt global zu höheren CO2-Emissionen

Sollten England und Wales ihre Landwirtschaft vollständig auf Bio umstellen , würde dies die CO2-Emissionen in beiden Ländern deutlich senken. Global würden die Emissionen aufgrund der Umstellung aber deutlich steigen.

Cranfield (England). Laut einer erst kürzlich veröffentlichten Studie führt die ökologische Landwirtschaft je nach Region und angebauten Pflanzen aufgrund des höheren Flächenbedarfs zu bis zu 70 Prozent höheren CO2-Emissionen im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft. Dem gegenüber stehen jedoch Faktoren, die zum Schutz der Umwelt beitragen wie der Verzicht auf künstliche Düngemittel und Pestizide. Die Studienautoren haben daher nicht prinzipiell davon abgeraten ökologisch erzeugte Lebensmittel zu kaufen, sondern wollen mit ihren Ergebnissen vor allem Verbraucher informieren und sie so zu einem bewussteren Einkaufen zu bewegen.

Nun haben Wissenschaftler der Cranfield University erneut untersucht ob die positiven Faktoren der Bio-Landwirtschaft, wie zum Beispiel der Verzicht auf Stickstoffdünger und importiertes Sojafutter und die im Durchschnitt humushaltigeren Ackerböden, die mehr CO2 speichern können, die Nachteile wie die geringeren Flächenerträge ausgleichen können.

England und Wales untersucht

Laut der im Fachmagazin Nature Communications veröffentlichten Studie haben die Wissenschaftler dazu berechnet, welche Folgen ein vollständiger Umstieg auf ökologische Landwirtschaft der Länder England und Wales hätte. Das genutzte Modell zeigt, dass die lokalen CO2-Emissionen in den beiden Länder im Getreide- und Gemüseanbau um 20 Prozent und in der Nutztierhaltung um vier Prozent sinken würden.

Aufgrund der geringeren Flächenerträge der ökologischen Landwirtschaft würden die Erträge, bei gleichbleibend großen Anbauflächen, jedoch um etwa 40 Prozent sinken. Um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen wären also deutlich mehr Importe nötig, wenn sich das Konsumverhalten der nicht ebenfalls ändert.

Produktionsfläche im Ausland vergrößert sich

Konkret würde dies laut Adrian Williams, Co-Autor der Studie dazu führen, dass „die Flächen im Ausland, die zur Produktion von Nahrungsmittel für den Export nach England und Wales vorgesehen sind, sich um den Faktor fünf erhöhen würden.“ Geht man davon aus, dass ein Großteil dieser Flächen konventionell bewirtschaftet werden, würde dies dazu führen, dass die in England und Wales eingesparte CO2-Menge nun in anderen Länder emittiert wird.

Zusätzlich würden auch die längeren Transportwege zu neuen Emissionen führen. Außerdem berücksichtigt das Modell, dass in den Exportländern zur Deckung der neuen Nachfrage Wald- und Grünflächen in Ackerland umgewandelt werden würden, was ebenfalls zu CO2-Emissionen führt. Insgesamt rechnen die Wissenschaftler bei einem kompletten Umstieg auf Bio in den beiden Ländern damit, dass zur Versorgung nötige Landwirtschaft global 1,7 Mal mehr CO2 erzeugen würde.

Guy Kirk, Co-Autor der Studie konstatiert, dass „die Umstellung auf Ökolandbau regional gesehen zweifellos viele Vorteile, wie etwa mehr gespeicherter Kohlenstoff im Ackerboden, eine geringere Belastung mit Pestiziden und eine verbesserte Artenvielfalt, hat.“ Diesen Effekten muss aber der erhöhte Produktionsbedarf in anderen Ländern gegenübergestellt werden.

Ungewollte Konsequenzen oft nicht bedacht

Klaus Butterbach-Bahl vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), der nicht an der Studie beteiligt war, schreibt in einem Begleitkommentar, dass „Studien wie diese wichtig sind, weil sie zeigen, dass die Umstellung auf Ökolandbau durchaus ungewollte Konsequenzen haben kann und nicht zwangsläufig zu einer globalen Reduktion der Treibhausgas-Emissionen beiträgt.“

Laut den Studienautoren kann nur eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, wie zum Beispiel eine deutliche Reduzierung des Fleischkonsums, dazu führen, dass bei einem Umstieg auf eine ökologische Landwirtschaft die CO2-Emissionen nicht steigen. Außerdem sehen die Wissenschaftler Potenziale zur Einsparung von CO2 in der Landwirtschaft durch eine präzisere Düngung, angepasste Fütterung der Tiere und eine bessere Humusbodenbewirtschaftung.

Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-019-12622-7

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