Zunehmende Zerstörung

Nur 3 % aller Ökosysteme an Land sind weltweit noch intakt

Conny Zschage

Seit es Menschen gibt, verliert die Natur zunehmend an Einfluss. Regenwälder werden für Palmölplantagen gerodet, Ozeane und Strände mit Plastikabfällen verschmutzt und Bergwiesen durch Autobahnen verdrängt. Eine neue Studie zeigt nun wie viel bereits zerstört wurde und wie wenig noch übrig ist.

Cambridge (England). Die Serengeti Savanne im Norden Tansanias ist eines der letzten intakten Ökosysteme weltweit. Sie sieht größtenteils noch genauso aus wie vor hunderten von Jahren. Riesigen Herden von Gnus, insgesamt mehr als eine Million, streifen noch immer durch die Savanne. Ihre Population wird kontrolliert durch Löwen und Hyänen, wodurch die einheimische Vegetation erhalten bleibt. In den Bäumen und Büschen tummeln sich Vögel und Käfer. Bienen bestäuben Blumen und Büsche, welche an anderen Stellen neu wachsen, um Gnus als Nahrung zu dienen. Alle Lebewesen beeinflussen und kontrollieren sich gegenseitig und alles bleibt im Gleichgewicht.

Zu diesem Ökosystem gehören auch Menschen, aber ihr Einfluss ist in diesem Teil der Erde nur sehr gering, weshalb die Natur nicht gestört wird. Die Serengeti ist somit eines der letzten intakten Ökosysteme der Welt. Denn eine neue Studie, welche in der Fachzeitschrift Frontiers veröffentlicht wurde, fand heraus, dass rund 97 % aller Ökosysteme an Land bereits zerstört wurden.

Der Verlust einer Spezies kann der Untergang eines ganzen Systems sein

In den letzten 500 Jahren haben fast alle Ökosysteme mindestens eine, oder sogar mehrere Spezies verloren. Da ein Ökosystem voller Wechselwirkungen ist, bei denen sich alle Bestandteile der Flora und Fauna gegenseitig kontrollieren, kann das Wegfallen einer einzigen Art bereits das Ende des gesamten Ökosystems bedeuten. Dieses Verschwinden einer Spezies kann die direkte Folge von gezieltem Jagen von z.B. Trophäenjägern sein, aber auch die indirekte Folge z.B. bei Verlust von Lebensraum durch Waldrodung.

Beispiele für das Verschwinden von Arten gibt es genug: Der letzte Dodo wurde 1662 gesichtet, der letzte tasmanische Tiger starb 1936 in Gefangenschaft und jedes Jahr sterben zahlreiche Arten aus oder werden für ausgestorben erklärt. Auch die zunehmende Globalisierung stellt eine Gefahr für einheimische Ökosysteme dar. Ein anschauliches Beispiel hierfür ist das amerikanische Grauhörnchen, welches über die Schifffahrt nach Europa kam und dort das heimische Eichhörnchen langsam verdrängt.

Nordische Gebiete besonders wenig bedroht

Bei der Studie wurden zudem Gebiete auf jedem Kontinent auf Intaktheit ihrer Ökosysteme geprüft. Dabei wurde festgestellt, dass sehr nördliche Gebiete in Kanada, Grönland und Teilen Russlands am wenigsten bedroht sind. Aber auch in Brasilien und Chile gibt es noch vollständig intakte Regenwälder, welche in den letzten Jahrhunderten nicht von Menschen beeinflusst worden. All dies kann sich aber sehr schnell ändern. Die Studie fand nämlich auch heraus, dass sich nur etwa 11 % der noch intakten Umwelt in geschützten Gebieten befinden.

Was gilt als intaktes Ökosystem?

Für die Studie wurden alle Gebiete, welche seit 1500 mindestens eine einzige Spezies verloren, als nicht intaktes Ökosystem gewertet. Auch Gebiete mit hohem menschlichem Einfluss z.B. Städten oder Plantagen zählten als nicht intakt. Dies traf nur auf etwa 97% der Landfläche der Erde zu. Somit ergab sich die 3 % Landfläche, welche noch über intakte Systeme verfügt. Doch es ist noch nicht alles verloren. Andere Studien zeigen, dass sich Ökosysteme durchaus von dem Verlust einer Spezies erholen können. Zudem gibt es zunehmend Projekte, welche versuchen eigentlich verschwundene Arten wieder in ein Ökosystem zu integrieren. Im Yellowstone National Park wurden 1995 z.B. Wölfe aus Kanada ausgesetzt. Das Ergebnis war ein besser funktionierendes und stabileres Ökosystem.

Frontiers in Forests and Global Change, doi: 10.3389/ffgc.2021.626635

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