Kombinierte Hitze-Dürre

Menschliche CO₂-Emissionen erhöhen Klimarisiken für ärmere Länder

 Robert Klatt

Kombiniertes Hitze-Dürre-Ereignis in Afrika )moc.sotohptisopedkcotseriW(Foto: © 

Die CO₂-Emissionen des Menschen sind hauptverantwortlich für kombinierte Hitze-Dürre-Ereignisse. Diese treffen vor allem Länder mit niedrigen Einkommen, die selbst nur geringe Pro-Kopf-CO₂-Emissionen verursachen und kaum zum Klimawandel beitragen.

Bremerhaven (Deutschland). Die CO₂-Emissionen des Menschen haben dazu geführt, dass sich in der Atmosphäre inzwischen 424 parts per million (ppm) CO₂ befinden, die höchste Konzentration seit zwei Millionen Jahren. Laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hat sich dadurch die Energiebilanz des Planeten stark verändert und der daraus resultierende Klimawandel sorgt immer öfter für Extremwetter.

Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben nun eine Studie publiziert, laut der parallele Hitze-Dürre-Extreme vor allem auf die anthropogenen Emissionen zurückgehen und die Auswirkungen des Klimawandels nicht alle Länder gleich stark treffen. Am stärksten leiden demnach Länder mit niedrigem Einkommen unter der Erderwärmung, obwohl diese nur geringe Pro-Kopf-CO₂-Emissionen verursachen.

„Diese beiden Extreme verursachen bereits für sich genommen enorme Schäden, wie zum Beispiel eine weniger produktive Landwirtschaft und Industrie, akute Wasserknappheit und eine erhöhte Sterblichkeit bei Mensch und Tier. Zusammengenommen führen Hitze-Dürre-Extreme zu Folgen, die über die Gesamtauswirkungen der einzelnen Ereignisse hinausgehen oder sich deutlich von ihnen unterscheiden.“

152 Simulationen aus acht CMIP6-Klimamodellen

Die Studie basiert auf 152 Simulationen aus acht CMIP6-Klimamodellen, die die Forscher des AWI mit sozioökonomischen Daten und Beobachtungsdaten verknüpft haben. Sie konnten so untersuchen, wie die Temperatur, die Regenmengen und die Dauer und Frequenz von kombinierten Hitze-Dürre-Ereignissen während der vorindustriellen Zeit, aktuell und in der Zukunft, bei einer Erderwärmung von 2,7 Grad Celsius sind. Anschließend haben die den Einfluss der CO₂-Emissionen berechnet und untersucht, wie stark die Extremereignisse die Weltbevölkerung treffen.

„Wir haben nicht nur die physikalischen Veränderungen dokumentiert, sondern auch analysiert, wie stark die Bevölkerung unter verschiedenen Erwärmungszielen von Hitze-Dürre-Ereignissen betroffen ist. Das Ziel war, nicht nur zu verstehen, wie sich diese kombinierten Extreme verstärken, sondern auch, wer am stärksten davon betroffen sein wird und wie sehr eine stärkere Klimapolitik die künftige Gefährdung verringern könnte.“

Erderwärmung führt zu Hitze-Dürre-Ereignissen

Die Analyse zeigt, dass die Zunahme der kombinierten Hitze-Dürre-Ereignisse vor allem auf die Erderwärmung zurückgeht, die wiederum primär durch die menschlichen CO₂-Emissionen und nicht durch natürliche Schwankungen im Klimasystem ausgelöst wurde. Die Daten zeigen zudem, dass der Anteil der Weltbevölkerung, der öfter von starken kombinierten Hitze-Dürre-Ereignissen getroffen wird, linear mit der Erderwärmung zunimmt. Sollte die aktuelle Geschwindigkeit der CO₂-Emissionen und der daraus resultierenden Erderwärmung beibehalten werden, würden bis 2100 rund 2,6 Milliarden Menschen unter schwereren Hitze-Dürre-Bedingungen leben.

„Wenn sich an der derzeitigen Klimapolitik nichts ändert, könnte fast ein Drittel der Weltbevölkerung bis zum Ende des Jahrhunderts häufigeren und schwereren Hitze-Dürre-Bedingungen ausgesetzt sein.“

Wie die Forscher erklären, treffen die Klimarisiken vor allem Menschen in tropischen und subtropischen Breitengraden, also ärmeren Ländern, in denen bereits eine geringe Erhöhung der Temperatur das Risiko für Extremereignisse deutlich erhöht. Es sind also vor allem Menschen, die aufgrund ihrer geringen Einkommen und des damit verbundenen Lebensstils kaum CO₂-Emissionen verursachen und somit nur geringfügig zum Klimawandel beitragen. Diese sogenannte Klimaungerechtigkeit ist besonders problematisch, weil Menschen in den betroffenen Regionen nur begrenzte Möglichkeiten dazu haben, sich an die höheren Temperaturen anzupassen.

„Unsere Studie zeigt den dringenden Bedarf an fairen und sofortigen Klimamaßnahmen, die diejenigen schützen, die am meisten gefährdet sind. Wir verbinden die physikalische Zuordnung, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel Hitze-Dürre-Ereignisse verstärkt, mit Daten zu nationalen Ungleichheiten und zur Exposition der Bevölkerung. Mit unserem Ansatz liefern wir Belege, die für die Bewertung des Klimarisikos in verschiedenen Regionen, für die Anpassungsplanung und für internationale Debatten über Klimagerechtigkeit direkt relevant sind.“

„Länder, die am wenigsten für die Emissionen verantwortlich sind, tragen möglicherweise einige der größten Risiken, was die Notwendigkeit von ehrgeizigeren Minderungsmaßnahmen, gezielter Anpassungshilfe und internationalen Klimafinanzierungsmechanismen unterstreicht. Die Ergebnisse zeigen auch, dass das Risiko jenseits von 1,5 Grad Celsius stark ansteigt, was die Vorteile einer stärkeren Abschwächung des Klimawandels und eines niedrigeren Erwärmungspfads hervorhebt.“

Quellen:

Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts (AWI)

Studie im Fachmagazin Geophysical Research Letters, doi: 10.1029/2025GL118822

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