Robert Klatt
Maßnahmen gegen Luftverschmutzung, etwa in China und beim Schiffstreibstoff, haben zu einem deutlichen Rückgang der Aerosole geführt. Weil dadurch weniger Sonnenlicht reflektiert wird, beschleunigt die bessere Luftqualität den Klimawandel.
Peking (China). In der Luft befinden sich nicht nur CO₂ und andere klimaaktive Gase wie Methan, sondern auch kleine schwebende Teilchen (Aerosole), die unter anderem beim Verbrennen von fossilen Brennstoffen entstehen. Aerosole haben ebenfalls einen Einfluss auf das Klima, weil sie die Wolkenbildung fördern und das einfallende Sonnenlicht streuen und reflektieren. Laut einer kürzlich publizierten Studie der University of Oxford und des University College London (UCL) sorgen allein die Aerosole der Kohlekraftwerke dafür, dass Solaranlagen rund 5,8 Prozent weniger Strom produzieren.
Forscher der Tsinghua University (THU) haben nun untersucht, ob und wie stark sich Aerosole auf den Klimawandel auswirken. Wie sie erklären, sind die globalen Aerosolemissionen zwischen 2013 und 2023 deutlich gesunken, während in dieser Zeit die Erderwärmung zugenommen hat. Diese lag von 1970 bis 2012 im Mittel bei 0,179 Grad Celsius pro Jahrzehnt und von 2013 bis 2023 bei 0,263 Grad Celsius.
Laut den Wissenschaftlern ist es äußerst komplex, zu ermitteln, wie stark die Maßnahmen gegen Luftverschmutzung, auf die der Rückgang der Aerosole zurückgeht, zur Erderwärmung beigetragen haben. Forscher des CICERO Center for International Climate Research (CICERO) haben jedoch bereits im Juli 2025 eine Studie publiziert, laut der die strengeren Umweltschutzvorschriften in China und anderen südostasiatischen Ländern die künstliche Sonnenschutzschicht aus Feinstaub und Schwefelpartikeln stark reduziert haben.
„Während Treibhausgasemissionen langfristig der dominierende Faktor bleiben, stellen Aerosole eine der unsichersten Komponenten im Klimasystem dar.“
Laut der nun veröffentlichten Studie haben Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität, darunter neue Regeln in China, die 2013 erlassen wurden, und eine Entscheidung der International Maritime Organization (IM), laut der Schiffstreibstoffe seit 2020 nur noch 0,5 Prozent statt zuvor 3,5 Prozent Schwefel enthalten dürfen, signifikant zum Klimawandel beigetragen. Die Reduzierung der Aerosole hat von 2013 bis 2023 zu einem Temperaturanstieg von 0,044 Grad Celsius geführt. Dies entspricht rund der Hälfte (52 %) der Differenz zwischen der Erderwärmung von 1970 bis 2012 und von 2013 bis 2023. Eine Simulation zeigt, dass der Anteil der besseren Luftqualität an der Erderwärmung 2050 bei etwa 0,078 Grad Celsius liegen wird.
Quellen:
Studie im Fachmagazin PNAS, doi: 10.1073/pnas.2534130123