Klimawandel

Chinas Luftreinhaltung hat globale Erwärmung beschleunigt

 Robert Klatt

Luftqualität in Shanghai )kcotS ebodAohokena(Foto: © 

In China und anderen südostasiatischen Ländern haben Umweltschutzvorschriften zu einer deutlichen besseren Luftqualität geführt. Die Maßnahmen haben jedoch eine künstliche Sonnenschutzschicht aus Feinstaub und Schwefelpartikeln beseitigt und dadurch die Erderwärmung beschleunigt.

Oslo (Norwegen). In den letzten 15 Jahren hat die Geschwindigkeit der globalen Erwärmung deutlich zugenommen. Die Wissenschaft hat entdeckt, dass dafür die Reduzierung von Schwefelemissionen im internationalen Schiffsverkehr mitverantwortlich war, weil sich dadurch weniger Partikel in der Atmosphäre befinden, die zuvor das Sonnenlicht reflektiert haben und dadurch dem Klimawandel entgegenwirkten. Diese Maßnahme kann allein den plötzlichen Anstieg der Temperaturen aber nicht erklären.

Forscher des CICERO Center for International Climate Research (CICERO) haben nun eine Studie publiziert, laut der die massiven Luftreinhaltungsmaßnahmen in China und anderen südostasiatischen Ländern die globale Erwärmung beschleunigt haben. Seit 2013 sind in Ostasien die Schwefeldioxidemissionen aufgrund von strengen Umweltschutzvorschriften um 75 Prozent gesunken. Der Rückgang der Emissionen fällt also in denselben Zeitraum, indem auch die globale Erwärmung zugenommen hat.

Luftverschmutzung kühlt die Erde

Wie die Wissenschaftler erklären, reflektieren Feinstaub und Schwefelpartikel das Sonnenlicht und bilden dadurch eine „künstliche Sonnenschutzschicht“, die die globale Erwärmung bremst. Wenn die Luftverschmutzung reduziert wird, um die Gesundheit des Menschen zu schützen, verschwindet dieser Effekt, der zuvor die direkte Erwärmung der Erdoberfläche gehemmt hat.

Die Forscher des CICERO haben deshalb im Rahmen ihrer aktuellen Studie mit acht globalen Klimamodellen analysiert, wie sich die Luftreinhaltung auf die Entwicklung der globalen Temperaturen auswirkt. Laut der Publikation im Fachmagazin Communications Earth & Environment zeigen die komplexen Simulationen, dass der Rückgang der Luftverschmutzung global zu einem zusätzlichen Temperaturanstieg von etwa 0,07 Grad Celsius geführt hat. Obwohl der Einfluss gering zu seien scheint, ist er ausreichend groß, um die Beschleunigung der Erderwärmung seit 2010 zu erklären.

Laut den Modellen wurde seit 2010 ein Temperaturanstieg von rund 0,23 Grad Celsius erwartet. Gemessen wurden jedoch rund 0,33 Grad Celsius. Die Differenz von etwa 0,1 Grad Celsius lässt sich zum Großteil durch die Reduktion ostasiatischer Luftverschmutzung erklären. Weitere Einflussfaktoren sind unter anderem veränderte Emissionen im Schiffsverkehr sowie ein beschleunigter Anstieg der Methankonzentrationen in der Atmosphäre.

Communications Earth & Environment, doi: 10.1038/s43247-025-02527-3

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