Robert Klatt
Göteborg (Schweden). In Nordeuropa treten in den Sommermonaten nur vereinzelt Stürme auf, in den Übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst etwas häufiger und in den Wintermonaten am häufigsten und stärksten. Forscher der Universität Göteborg haben nun eine Studie publiziert, laut der sich der jahreszeitliche Rhythmus der Stürme durch den Klimawandel zunehmend verschiebt. Ereignisse wie der Sturm „Dave“, der während des Osterwochenendes gewütet hat, sind demnach keine Ausnahme mehr, sondern treten immer öfter auf.
Wie die Wissenschaftler erklären, hat die Forschung bisher hauptsächlich untersucht, wie die Erderwärmung sich auf Stürme in der Haupt- und Nebensaison auswirkt, also die Winter- und Sommermonate. Die aktuelle Studie hat deshalb anhand historischer Daten analysiert, ob die Häufigkeit und Intensität von Stürmen in den Frühlings- und Herbstmonaten auf der Nordhalbkugel sich seit den 1940er-Jahren ebenfalls verändert hat.
Die Wetterdaten aus dem Zeitraum 1940 bis 2024 zeigen, dass sich über dem Nordatlantik vor allem im Frühling, aber auch im Herbst, heute deutlich mehr Stürme bilden als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Stürme sind zudem deutlich stärker und breiten sich über größere Regionen aus.
„Wir können erkennen, dass sich die Stürme über dem Nordatlantik, dem Nordpazifik und dem Arktischen Ozean während des Frühjahrs und Herbsts sehr deutlich verändert haben. Ein so starker und langlebiger Sturm wie Dave war im April früher recht selten, doch inzwischen beobachten wir solche Ereignisse häufiger, und sie legen längere Strecken zurück. Früher lösten sich viele Frühlingsstürme über den Britischen Inseln auf, heute erreichen sie teilweise sogar Skandinavien.“
Die Daten zeigen, dass Frühlingsstürme vor allem in der Arktis nördlich des 65. Breitengrades stärker werden, länger bestehen und weitere Distanzen zurücklegen. Zudem kommt es über dem Nordatlantik im Frühling zu deutlich mehr Stürmen als früher, während es im Nordpazifik im Herbst zu intensiveren und längeren Stürmen kommt. Laut den Forschern ist der Klimawandel hauptverantwortlich für die starken Veränderungen, vor allem das deutliche Abschmelzen der Arktis.
„Ein Faktor, der zur Entstehung von mehr Stürmen beitragen könnte, ist die Abnahme des arktischen Meereises. Offenes Wasser kann mehr Wärme und Feuchtigkeit an die Atmosphäre abgeben als eine von Eis bedeckte Meeresoberfläche. Das schrumpfende Meereis bedeutet außerdem, dass Stürme neue Wege über die arktischen Ozeane nehmen können.“
Wie die Autoren erklären, zeigt die neue Studie somit klar, dass sich der jahreszeitliche Rhythmus der Stürme auf der Nordhalbkugel durch den Klimawandel merklich verändert hat. Die neuen Ergebnisse können unter anderem dabei helfen, bessere Wetterprognosen zu erstellen und Schutzmaßnahmen in bedrohten Regionen zu erhöhen.
„Im Allgemeinen beobachten wir eine deutliche Veränderung der Sturmlandschaft auf der Nordhalbkugel. Unsere Studie schließt eine Wissenslücke darüber, wie sich Stürme während des Übergangs vom Winter zum Sommer verhalten; es handelt sich um bedeutende Veränderungen, die bisher übersehen wurden. Das ist entscheidend, wenn wir bessere Wettervorhersagen entwickeln und wirksame Anpassungen an ein sich wandelndes Klima planen wollen.“
Quellen:
Pressemitteilung der Universität Göteborg
Studie im Fachmagazin JGR Atmospheres, doi: 10.1029/2025JD044894