Starkregen und Co.

In Europa kommt es durch den Klimawandel öfter zu Superzellen-Gewittern

 Robert Klatt

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Superzellen-Gewitter sind selten, verursachen aber einen Großteil aller Gewitterschäden. Komplexe Klimasimulationen zeigen nun, dass die Extremwetterereignisse durch den Klimawandel in Europa deutlich öfter auftreten werden, vor allem in den Alpen.

Bern (Schweiz). Superzellen-Gewitter verursachen starke Stürme, große Hagelkörner und Extremregen. Obwohl sie nur einen minimalen Anteil aller Gewitter ausmachen, sind sie deshalb für einen Großteil der Gewitterschäden verantwortlich. In Europa entstehen Superzellen-Gewitter, wenn feuchte, warme Luft aufsteigt und dadurch rotierende Auf- und Abwinde auslöst. Weil die Radarnetzwerke der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) und der übrigen Länder noch nicht vollständig miteinander verknüpft sind und keinen identischen technischen Standard haben, wurden Superzellen-Gewitter bisher nicht systematisch auf dem gesamten Kontinent erfasst.

Forscher der Universität Bern haben deshalb mit komplexen Klimasimulationen untersucht, in welchen Regionen und mit welcher Häufigkeit Superzellen-Gewitter auftreten. Die Auflösung der Karte ist mit 2,2 Kilometern sehr hoch. Als Basis der Klimasimulationen wurden laut der Publikation im Fachmagazin Science Advances aktuelle Klimadaten sowie ein Klima, bei dem die Durchschnittstemperatur durch den Klimawandel um drei Grad Celsius höher als im vorindustriellen Zeitalter ist, verwendet.

Klimasimulationen und reale Wetterdaten

Um die Genauigkeit der Klimasimulationen zu prüfen, haben die Forscher die Ergebnisse mit realen Gewitterstürmen aus dem Zeitraum von 2016 bis 2021 verglichen.

„Die Simulation stimmt gut mit der Realität überein, zeigt jedoch etwas weniger Gewitter an als tatsächlich registriert.“

Laut den Forschern unterschätzen die Modellsimulationen somit das Auftreten von Superzellen-Gewitterstürmen.

„Das liegt daran, dass das Modell nur solche Superzellen-Gewitter darstellen kann, die eine Ausdehnung von mehr als 2,2 Kilometern aufweisen und länger dauern als eine Stunde. Manche Stürme sind aber kleiner und dauern weniger lang.“

Sowohl die realen Wetterdaten als auch die Klimasimulationen zeigen, dass in Europa aktuell mehrere hundert Superzellen-Gewitter in jedem Sommer auftreten, vor allem in Regionen mit einer komplexen Topografie wie den Alpen. In den Südalpen, wo laut einer Studie der Universität Innsbruck auch die Anzahl der Blitze durch den Klimawandel stark zugenommen hat, kommt es demnach zu 61 Superzellen-Gewittern pro Saison. In den flachen Gebieten des Kontinents und über den Meeren sind Superzellen-Gewitter hingegen eher selten.

„Das absolute Häufigkeitsmaximum liegt entlang der Südalpen.“

Klimawandel beeinflusst Luftströmungen

Das Modell zeigt zudem, dass der Klimawandel das Auftreten von Luftströmungen, die die Superzellen-Gewitter verursachen, deutlich erhöht. Wenn das Drei-Grad-Erwärmungsszenario erreicht wird, nehmen Superzellen-Gewitter in den südlichen Alpen (+ 82 %) und den nördlichen Alpen (+ 52 %) stark zu. Außerdem kommt es bei diesem Szenario in Zentral- und Osteuropa und im Baltikum öfter zu Superzellen-Gewittern, während diese in Südfrankreich, in Spanien und in Portugal seltener auftreten. Im gesamteuropäischen Durchschnitt nehmen Superzellen-Gewitter durch den Klimawandel jedoch deutlich zu (+ 11 %).

„Diese regionalen Unterschiede machen deutlich, wie unterschiedlich sich der Klimawandel in Europa auswirken kann. Je besser wir verstehen, unter welchen Umständen diese Stürme entstehen, desto besser können wir uns dagegen wappnen.“

Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.adx0513

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