Strom und Co.

Gesellschaftlicher Rückhalt der Energiewende sinkt in Deutschland

 Robert Klatt

Energiewende hat an Rückhalt verloren )moc.sotohptisopedatxul(Foto: © 

In Deutschland produzieren erneuerbare Energien mehr als die Hälfte des Stroms. Trotzdem ist der gesellschaftliche Rückhalt der Energiewende, vor allem in Ostdeutschland und bei Wählern von zwei Parteien, stark gesunken.

München (Deutschland). In Deutschland schreitet die Energiewende immer mehr voran und erneuerbare Quellen wie die Wind- und Solarkraft produzieren laut Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA) und des Bundeskartellamts (BKartA) bereits über die Hälfte des deutschen Stromverbrauchs. Die BMW Foundation Herbert Quandt hat nun Ergebnisse einer Umfrage, die das Institut für Demoskopie Allensbach – Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung mbH (IfD) durchgeführt hat, publiziert, laut denen der gesellschaftliche Rückhalt der Energiewende trotz dieser positiven Entwicklung deutlich abgenommen hat.

„Energie ist ein dominanter Faktor in der Geopolitik und zugleich ein begrenzender Faktor im globalen KI-Wettlauf. Eine echte „Zeitenwende“ kann nur mit einer konsequenten Energiewende gelingen. Dafür ist gesellschaftliche Unterstützung erforderlich. Es geht um bezahlbare, sichere und saubere Energie. Dies erfordert eine diversifizierte Energiestrategie, den Ausbau effizienter Netze und eine gezielte Unterstützung der Gesellschaft. Wer Deutschland schützen will, muss die Energiewende verteidigen.“

Laut dem Energiewende Zukunftsmonitor 2026 ist weniger als die Hälfte der Deutschen (43 %) der Ansicht, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Atomausstieg richtig sind, während es 2012 noch fast drei Viertel waren (73 %). Besonders gering ist die Zustimmung zur Energiewende in Ostdeutschland (33 %) und bei Wählern der AfD und FDP und besonders hoch bei Wählern der SPD und der Grünen. Bei Wählern der CDU und CSU gibt es fast gleich viele Befürworter (40 %) und Kritiker (36 %).

Risiken oder Chancen für Deutschland?

Die Antworten der 1.209 Befragten ab 16 Jahren aus dem Zeitraum zwischen dem 22. November und dem 4. Dezember 2025 zeigen, dass erstmals die Mehrheit der Deutschen die Energiewende vor allem mit Risiken statt mit Chancen verbindet, etwa mit höheren Energiepreisen, einer geringeren Versorgungssicherheit und negativen Veränderungen des Landschaftsbildes, etwa durch Solar- und Windparks.

Mehr als drei Viertel rechnen damit, dass der Umbau des Energiesystems zu einer höheren Belastung für Privathaushalte und Unternehmen führen wird und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sinkt, während nur ein kleiner Teil sinkende Strompreise oder ökonomische Vorteile erwartet.

Ein Großteil der Befragten ist jedoch sehr besorgt (33 %) oder besorgt (40 %) über den Klimawandel und seine Folgen für Deutschland. Die Umfrage kommt somit zu dem Ergebnis, dass sich die Bevölkerung eine Energiewende wünscht, die klimapolitisch sinnvoll ist, aber auch sicherheits- und wirtschaftspolitische Faktoren berücksichtigt. Eine Energiepolitik, die in Deutschland mehrheitsfähig ist, muss somit Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit sichern und parallel dazu, die CO₂-Emissionen reduzieren.

Quellen:

Pressemitteilung der BMW Foundation Herbert Quandt

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