Nervengift

Gasaustausch bringt Quecksilber in die Ozeane

Robert Klatt

Das Nervengift Quecksilber gelangt zu großen Teilen über den Gasaustausch in die Ozeane. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass durch industrielle Emissionen verseuchter Regen die Hauptquelle ist.

Basel (Schweiz). Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass der Hauptteil des in den Ozeanen vorhandenen Quecksilbers dort über den Regen eingebracht wurde. Laut einer nun veröffentlichten Studie der Universität Basel ist diese Annahme jedoch falsch. Entdeckt wurde dies durch den Biogeochemiker Martin Jiskra, der die Quellen des Quecksilbers anhand von Isotopen untersuchte.

„Der Beitrag von Niederschlägen wird derzeit wohl überschätzt“, erklärt Jiskra. Laut der im Fachmagazin Nature publizierten Studie ist der Gasaustausch an der Luft-Wasser-Grenze deutlich wichtiger, als dies die aktuellen Erdsystemmodelle zeigten.

Isotopen zeigen Quelle des Quecksilbers

Laut den analysierten Proben aus dem Mittelmeer und dem Nordatlantik, die in Wassertiefen von bis zu 1.400 Metern gewonnen wurde, gelangen lediglich 42 Prozent des Quecksilbers über den Regen in die Meere. Die übrigen 58 Prozent stammen hingegen aus dem Gasaustausch. Global gesehen gehen die Forscher davon aus, dass sich der Eintrag durch Regen und Gasaustausch etwa in der Waage halten.

Die große Diskrepanz zwischen den Ergebnissen der aktuellen Studie und der vorherigen Annahmen kommt laut den Autoren dadurch zustande, weil der Eintrag durch Regen nur schwer quantifizierbar ist. Wie Jiskra erklärt, liegt dies daran, dass „es über dem Meer keine Auffangstationen für Niederschläge gibt“.

Quecksilbermenge durch den Menschen verdreifacht

Laut wissenschaftlichen Schätzungen haben die Aktivitäten der Menschen seit dem Beginn der Industrialisierung die Quecksilbermenge in den oberen Wasserschichten der Meere verdreifacht. Verantwortlich dafür sind hauptsächlich der Bergbau und Kohlekraftwerke. „Ein niedriger Eintrag von Quecksilber über Regen bedeutet, dass das Quecksilber anderweitig deponiert werden muss, da sich global gesehen die Emissionen und Einträge im Gleichgewicht halten“, erklärt Jiskra.

Es ist demnach wahrscheinlich, dass Pflanzen deutlich mehr Quecksilber als bisher angenommen aufnehmen und somit an Land ablagern. Die anthropogene Quecksilberemissionen würden also relativ stabil in den Böden gebunden werden und nicht mehr Teil des globalen Kreislaufs sein. Eine Reduktion der Emissionen könnte demnach schneller als bisher angenommen zu einem Rückgang des Quecksilbers in der Atmosphäre und in den Meeren führen.

Nature, doi: 10.1038/s41586-021-03859-8

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