Antarktische Eisbohrkerne

CO₂-Konzentration steigt schneller als in den letzten 50.000 Jahren

Robert Klatt

Eisbohrkern aus der Antarktis offenbart historische CO₂-Konzentration )ytisrevinU etatS nogerO /gnilletS enirehtaK(Foto: © 

Die CO₂-Konzentration der Erdatmosphäre nimmt durch menschliche Aktivitäten aktuell schneller zu als in den letzten 50.000 Jahren.

Corvallis (U.S.A.). Das natürliche CO₂ in der Atmosphäre der Erde löst den Treibhauseffekt aus und trägt damit zur Erwärmung bei. In den Epochen der Erdgeschichte unterlag die CO₂-Konzentration, die laut einer Studie der American Meteorological Society (AMS) kürzlich den höchsten Wert seit einer Million Jahre erreicht hat, starken Schwankungen. Besonders die Eiszeitzyklen haben in der vorindustriellen Zeit die CO₂-Konzentration stark beeinflusst, während dies heute vor allem durch die menschlichen Emissionen geschieht.

Forscher der Oregon State University (OSU) um Kathleen Wendt haben nun untersucht, wie sich die historische Zuwachsrate der CO₂-Konzentration verändert hat. Ältere Studien lieferten bereits Daten, laut denen die Kohlendioxidwerte während der letzten Eiszeit, die vor etwa 10.000 Jahren endete, in mehreren Perioden besonders stark zunahmen. Laut Wendt waren die Messdaten der Studien aber nicht detailliert genug, um die schnellen klimatischen Veränderungen vollständig verstehen zu können.

„Man würde wahrscheinlich nicht erwarten, das mitten in der letzten Eiszeit zu sehen. Aber unser Interesse war geweckt, und wir wollten zu diesen Perioden zurückkehren und detailliertere Messungen durchführen, um herauszufinden, was geschah.“

Eiskerne aus dem Eisschild der Antarktis 

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin PNAS haben die Forscher deshalb Proben aus dem Eisschild der Antarktis untersucht, mit denen sie rekonstruieren konnten, wie sich die Kohlendioxidwerte während der letzten Eiszeit verändert haben. Dabei haben sie ein Muster identifiziert, laut dem globale Klimaveränderungen mit großen CO₂-Sprüngen und nordatlantische Kälteperioden, die in der Wissenschaft als Heinrich-Ereignisse bezeichnet werden, parallel auftreten.

„Diese Heinrich-Ereignisse sind wirklich bemerkenswert. Wir denken, dass sie durch einen dramatischen Zusammenbruch des nordamerikanischen Eisschildes verursacht werden. Dies setzt eine Kettenreaktion in Gang, die Änderungen der tropischen Monsune, der südlichen Westwinde und dieser großen CO₂-Ausbrüche aus den Ozeanen umfasst.“ 

14 Teile pro Million (ppm) in 55 Jahren

Die Analyse der Eiskerne zeigt, dass der CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre während der letzten Eiszeit um etwa 14 Teile pro Million (ppm) in einem Zeitraum von 55 Jahren zugenommen hat. Derzeit nimmt die CO₂-Konzentration durch die hohen Emissionen des Menschen etwa alle 5 bis 6 Jahre um 14 ppm zu.

„Unsere Forschung hat die schnellsten Raten des natürlichen CO₂-Anstiegs in der Vergangenheit identifiziert, und die heutige Rate, die weitgehend durch menschliche Emissionen verursacht wird, ist zehnmal höher.“

Die Studie zeigt somit, dass die heutige Rate des Anstiegs von Kohlendioxid in der Atmosphäre zehnmal schneller als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 50.000 Jahren ist.

PNAS, doi: 10.1073/pnas.2319652121

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