Robert Klatt
Geoengineering könnte den Klimawandel bremsen, ist angesichts der großen Risiken aber in der Wissenschaft sehr umstritten. Ein neues Modell zeigt nun, dass Staaten bereits begonnene Geoengineeringmaßnahmen mit einer Methode, die einem industriellen Filtersystem ähnelt, deutlich abschwächen können.
Exeter (England). In der Wissenschaft ist solares Geoengineering ein sehr umstrittenes Thema. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass Geoengineeringmaßnahmen, etwa das Ausbreiten von Diamantstaub in der obersten Luftschicht der Atmosphäre, den Klimawandel verlangsamen könnten, falls das Reduzieren der CO₂-Emissionen nicht ausreicht. Kritiker der Maßnahmen warnen hingegen vor potenziellen Umweltrisiken, die laut einer Studie der Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM) schädlicher als der Klimawandel sein könnten, sowie vor neuen geopolitischen Konflikten, die durch Umstimmung darüber entstehen, wie das Klima beeinflusst wird.
In Anbetracht dieses potenziellen Konflikts haben Forscher der University of Exeter (UoE) untersucht, ob eine Regierung, ein Staatenbündnis oder eine andere Interessengruppe eine bereits laufende solare Geoengineering gezielt abschwächen kann. Die Studie hat zudem untersucht, ob Staaten mit der sogenannten Aerosolreinigung Geoengineeringmaßnahmen schrittweise beenden können, wenn diese nicht erforderlich sind und wenn sie unerwartete Nebenwirkungen ausgelöst haben.
„Die meisten Szenarien des solaren Geoengineerings gehen von globaler Zusammenarbeit aus. Wir stellen diese Annahme infrage und zeigen, dass Gegenmaßnahmen ein wirksames Instrument zur Destabilisierung sein könnten.“
Die Studie hat die Stratospheric Aerosol Injection (SAI), eine Geoengineeringmaßnahme, bei der Schwefeldioxid (SO₂) in die Stratosphäre freigesetzt wird, untersucht. Das Schwefeldioxid würde bei dieser Geoengineeringmaßnahme, die die Forscher lediglich simuliert haben, weil sie noch nicht real erprobt wurde, zu Sulfataerosolen reagieren. Die Sulfataerosole reflektieren das Sonnenlicht und würden dadurch die Erde abkühlen.
Wie die Forscher der UoE erklären, lässt sich diese Geoengineeringmaßnahme mit dem Stratospheric Aerosol Scrubbing (SAS) bekämpfen. Das SAS ähnelt einem industriellen Filtersystem, das Schadstoffe aus den Abgasen von Kraftwerken entfernt. Es funktioniert, indem man Kalzitpartikel in der Stratosphäre freisetzt. Die Kalzitpartikel sorgen dafür, dass die reflektierenden Aerosole wachsen und schneller absinken. Sie verbleiben also kürzer in den höheren Luftschichten und reflektieren dadurch weniger Sonnenlicht.
Laut dem komplexen Klimamodell würde das SAS die Kühlwirkung der Sulfataerosole in einem Zeitraum von 20 Jahren von minus 3,3 Watt pro Quadratmeter auf minus 2,3 Watt pro Quadratmeter (– 30 %) reduzieren. Die Menge der stratosphärischen Sulfataerosole würde durch die atmosphärische Reinigung um mehr als ein Drittel (– 40 %) zurückgehen.
Wie die Autoren erklären, liefert ihre Studie somit einen frühen Machbarkeitsnachweis dafür, dass bereits begonnene solare Geoengineeringmaßnahmen durch den Menschen beeinflusst werden können. Sie sprechen sich aber nicht für den praktischen Einsatz solcher Methoden aus, weil laut ihnen noch viele Unsicherheiten bestehen, etwa wie solche Prozesse auf die Chemie in der Atmosphäre und auf die Ozonschicht wirken.
Quellen:
Studie im Fachmagazin Atmospheric Chemistry and Physics, doi: 10.5194/acp-26-7589-2026