Robert Klatt
Erneuerbare Energien stehen oft in der Kritik, weil die Versorgungssicherheit durch sie abnehmen soll. Nun wurde eine Studie publiziert, laut der die Stromversorgung in Deutschland auch ohne Grundlastkraftwerke wie Gas- und Kernkraftwerke sicher funktionieren kann.
München (Deutschland). In Deutschland produzieren erneuerbare Energien laut Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA) und des Bundeskartellamts (BKartA) bereits mehr als die Hälfte des Bruttostromverbrauchs. Kritiker der Wind- und Solarkraft vertreten jedoch oft die Ansicht, dass dadurch die Versorgungssicherheit abnimmt und Deutschland weiterhin Grundlastkraftwerke, darunter vor allem Gas-, Kohle- und Kernkraftwerke, betreiben soll, weil diese permanent Strom liefern können.
Forscher der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e. V. (acatech) haben nun eine Studie veröffentlicht, die untersucht hat, ob Grundlastkraftwerke, die aufgrund ihrer hohen Investitionskosten fast durchgehend in Betrieb sein müssen, tatsächlich für eine sichere Stromversorgung erforderlich sind. Dabei kamen sie zudem Ergebnis, dass Grundlastkraftwerke für eine sichere Stromversorgung nicht zwingend erforderlich sind, diese aber trotzdem auch in Zukunft eine Rolle spielen können.
Die Studie hat im Detail analysiert, ob der Betrieb von grundlastfähigen, aber CO₂-armen Kraftwerke wie Erdgaskraftwerken mit CO₂-Abscheidung, Kernkraftwerken und Geothermieanlagen Vorteile für die deutsche Stromversorgung bringt. Laut dem verwendeten Modell ist eine Kombination aus Wind- und Solarkraftwerken mit großen Energiespeichern und einem flexiblen Stromverbrauch, jedoch ohne Grundlastkraftwerke, ausreichend.
„Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien sowie der europäischen Strom- und Wasserstoffnetze ließe sich voraussichtlich der Strombedarf und der größte Teil des Wasserstoffbedarfs innerhalb Europas decken.“
Die Wissenschaftler erklären, dass Grundlastkraftwerke aufgrund ihrer hohen Investitionskosten problematisch sind, weil die Betreiber sie deshalb nahezu durchgehend in Betrieb halten müssen, um rentabel arbeiten zu können. Grundlastkraftwerke sollen laut der Studie in Zukunft somit noch deutlich geringere Kapazitäten vorhalten, die die erneuerbaren Energien ergänzen. Wenn der zusätzliche Strom der Grundlastkraftwerke nicht benötigt wird und die Solar- und Windkraft ausreichend Strom produzieren, könnte der überschüssige Strom zur Produktion von Wasserstoff genutzt werden.
„Ihr Strom könnte in Zeiten schwacher Nachfrage zur Elektrolyse genutzt werden und so Wasserstoffimporte reduzieren.“
Zudem zeigt die Studie, dass ein Großteil des zukünftigen Investitionsbedarfs nicht auf die Stromproduktion, sondern auf den Netzausbau entfallen wird. Dieser ist unter anderem nötig, weil der Strombedarf in vielen Regionen durch die Umstellung auf Wärmepumpen und Elektroautos deutlich zunimmt. Es ist für die Gesamtkosten somit von geringer Bedeutung, ob der Strom mit regenerativen Energien oder Grundlastkraftwerken gewonnen wird.
„Damit Grundlastkraftwerke zu einer substanziellen Kostensenkung führen, müssten ihre Kosten erheblich unter das heute prognostizierte Niveau fallen. Tatsächlich schätzen wir Risiken für Kostensteigerungen und Verzögerungen bei Grundlasttechnologien tendenziell sogar höher ein als beim weiteren Ausbau der Solar- und Windenergie.“
Quellen:
Pressemitteilung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e. V. (acatech)