Kondensstreifen

Klimaeffekt von Flugzeugen lässt sich ohne neue Technik halbieren

 Robert Klatt

Kondensstreifen verursachen großen Klimaeffekt )moc.sotohptisopedwoN2gnidraoB(Foto: © 

Flugzeuge verursachen nicht nur über ihre CO₂-Emissionen, sondern auch über Kondensstreifen einen starken Klimaeffekt. Nun wurde entdeckt, dass dieser sich durch minimale Veränderungen der Flughöhe deutlich reduzieren lässt.

Cambridge (England). Die Luftfahrt verursacht etwa zwei bis drei Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Ihr Klimaeffekt ist jedoch deutlich größer, weil auch die Kondensstreifen, die entstehen, wenn heiße Abgase auf kalte und feuchte Luft treffen, zur Erderwärmung beitragen. Diese künstlichen „Wolken“ halten die Sonneneinstrahlung in der Atmosphäre fest. Sie entstehen, wenn heiße Abgase auf kalte und feuchte Luft treffen, wodurch der Wasserdampf zu Eiskristallen gefriert.

Wissenschaftler der University of Cambridge haben nun eine Studie publiziert, laut der bereits kleine Anpassungen der Flugroute oder sogar nur der Flughöhe die Entstehung von Kondensstreifen stark reduzieren können. Der Anteil der Luftfahrt am anthropogenen Klimawandel könnte also deutlich gesenkt werden, ohne dass dafür neue Techniken erforderlich sind.

"Die Vermeidung von Kondensstreifen kann oft so einfach sein wie eine Anpassung der Flugroute. Oft ist es sogar noch einfacher, es reicht, etwas höher oder niedriger zu fliegen, um die Bereiche der Atmosphäre zu umgehen, in denen Kondensstreifen entstehen.“

Klimabilanz der Luftfahrt

Die Studie basiert auf Modellen, die zeigen, wie sich Höhenanpassungen auf die Klimabilanz von Flugzeugen auswirken. Laut den Ergebnissen würde ein Programm zur Vermeidung von Kondensstreifen, das im Zeitraum von 2035 bis 2045 umgesetzt wird, etwa neun Prozent des verbleibenden Temperaturspielraums, der bis zur Grenze von zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau verbleibt, sichern.

Wenn die Luftfahrtindustrie nicht handelt und die Flugrouten und -höhen nicht so anpasst, dass vermeidbare Kondensstreifen nicht mehr auftreten, würden diese bis 2050 die globale Erwärmung um etwa 0,054 Grad Celsius erhöhen, also rund 36 Prozent mehr als die CO₂‑Emissionen der Luftfahrt im selben Zeitraum.

Was mich überrascht hat, war, wie schnell sich diese Temperaturersparnis erzielen. Innerhalb eines Jahrzehnts kann man einen großen Teil der Erwärmungswirkung der Luftfahrt deutlich reduzieren. Das ist ungewöhnlich, da Veränderungen im Klimabereich normalerweise sehr lange dauern.“

Laut einem Modell, das die Temperaturentwicklungen in 10.000 Szenarien simuliert hat, wären die Effekte der angepassten Flugrouten bis 2050 um 78 Prozent höher, wenn die Maßnahmen 2035 und nicht erst 2045 umgesetzt werden. Es ist also entscheidend, zeitnah entsprechende Änderungen einzuführen.

„Mit anderen Worten: Ein Jahrzehnt zu warten hat in etwa den gleichen Effekt, als würde man das Programm fast fünfmal weniger effizient machen.“

Höherer Kerosinbedarf durch optimierte Flugrouten

Die Berechnungen zeigen zudem, dass die optimierten Flugrouten zu einem leicht höheren Kerosinbedarf führen. Die zusätzlichen CO₂-Emissionen würden aber deutlich geringer zur Erderwärmung beitragen als die dadurch vermiedenen Kondensstreifen.

Wie die Wissenschaftler erklären, müssten die Fluggesellschaften und Fluglotsen die Routen der Flugzeuge dynamisch an das Wetter anpassen, um die Kondensstreifen zu minimieren. Dies könnte automatisch durch Systeme erfolgen, die bereits aktuell Flugzeuge umleiten, etwa um Turbulenzen zu vermeiden.

Es handelt sich um eine operative Veränderung, nicht um eine technologische. Flugzeuge müssen nicht umgebaut werden. Es geht lediglich darum, den Betrieb entsprechend anzupassen. Die notwendigen Abläufe existieren bereits, denn Piloten führen solche Manöver ständig durch. Deshalb sehen wir hier mehr Potenzial als bei anderen Maßnahmen wie nachhaltigen Flugkraftstoffen, die große Herausforderungen bei Infrastruktur und Versorgung haben.“

Quellen:

Pressemitteilung der University of Cambridge

Studie im Fachmagazin Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-026-68784-8

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