Endmontage

ITER-Kernfusionsreaktor bereit für Zusammenbau

von Dennis L.

Der Traum von sauberer und unabhängiger Energie rückt in greifbare Nähe. Mit dem Montagebeginn des vielversprechenden Kernfusionsreaktor ITER soll bald die Verschmelzung von Atomen möglich werden.

Saint-Paul-lès-Durance (Frankreich). Pressesprecher des ITER-Projekts Laban Coblentz berichtet: „Der französische Präsident Emmanuel Macron, sowie Politiker aus China, Korea, Russland, Indien, Japan und Europa sowie der USA erklären am 27.07.2020 um 10:00 Uhr Ortszeit den offiziellen Montagestart des größten Fusionsreaktors der Welt ITER. Um 11:00 Uhr halten die führenden Politiker die Zeremonie, um 12:30 Uhr folgt eine Pressekonferenz.“

Das Ganze wurde live auf YouTube übertragen. Dieser entscheidenden Phase vorweg, ging die Anlieferung der Komponenten aus allen Teilen der Welt. So kam am 03.07.2020 ein Teil, die über 1,2 Kilotonnen schwere Ringkernfeldspule, für den Unterbau des Vakuumbehälters des ITER-Reaktors, aus Japan und noch diese Woche kommt ein Vakuumbehälter, welcher in Korea gefertigt wurde, in Frankreich an. Damit erfüllen die Länder den 2006 geschlossenen Völkervertrag zum Bau des Reaktors.

Zukunftsweisende Technik

Ganz am Anfang des Periodensystems steht Wasserstoff. Im Plasma des Fusionsreaktors soll Wasserstoff zu Helium verschmolzen werden. Quasi das Gegenstück zur Kernspaltung, wo größere Atome in kleinere gespalten werden. Sowohl bei der Kernspaltung, als auch bei der Kernfusion werden große Mengen Energie frei. So groß, dass sich 35 Länder zusammengetan haben um am ITER zu forschen. Ziel ist es, die Fusionskraft der Sonne nachzubilden. Aber anders als bei der Kernspaltung fällt bei der Kernfusion kaum nuklearer Abfall an. ITER soll nicht nur sauber, sondern auch wirtschaftlicher sein und beweisen, dass Fusionsenergie auch kommerziell umsetzbar ist. Bisher gelang Kernfusion nur in kostspieligen Experimenten und stets ohne finanziellen Gewinn.

200 Megawatt elektrische Leistung im Dauerbetrieb sollen aus 500 Megawatt Wärmeleistung gewonnen werden. Das entspricht etwa der Leistung von 450 Windkraftwerken. Ausreichend für Zweihunderttausend Haushalte.

Große Hürden

Bereits im Jahr 2007 startete das ITER-Projekt. Seitdem kam es wiederholt zu Verzögerungen. Denn um Wasserstoffatome zu Helium zu fusionieren, braucht man enorm hohen Druck und hohe Temperaturen. Diese Parameter herrschen auf der Sonne natürlich vor, müssen allerdings auf der Erde künstlich nachgebildet werden. Zwar soll der Testbetrieb 2025 aufgenommen werden, jedoch rechnet man erst zehn Jahre später mit realistischen Experimenten zur Kernfusion. Zudem gab es wiederholt Stimmen, die das ITER-Projekt als Milliardengrab titulierten. So soll Europa bis zu 45 Prozent der Beiträge leisten, woraus sich Gesamtkosten von mehr als 20 Milliarden Euro ableiten ließen. Kritische Stimmen stellen den Beitrag der Kernfusion zur Energiewende infrage.

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