Fabrikautomation wächst

China setzt gegen den Fachkräftemangel auf 354.000 neue Roboter

 Dennis Lenz

China setzt gegen den Fachkräftemangel auf 354.000 neue Roboter
(Symbolbild, KI-generiert) Industrieroboter prägen Chinas Fabriken inzwischen in einer weltweit einmaligen Größenordnung. 2025 wurden rund 354.000 neue Systeme installiert, besonders viele in der Elektronikindustrie, Automobilindustrie und im Maschinenbau. Parallel schrumpft die Bevölkerung im klassischen Erwerbsalter, während staatliche Programme Robotik und intelligente Produktion weiter ausbauen. Der Automatisierungsschub verbindet damit technische Modernisierung, Industriepolitik und demografischen Wandel. (Foto: © Forschung und Wissen, KI-Bild)

China hat 2025 rund 354.000 neue Industrieroboter installiert und damit 59 Prozent aller weltweiten Neuinstallationen auf sich vereint. Die Zahl stieg binnen eines Jahres um 20 Prozent, während die Bevölkerung im klassischen Erwerbsalter erneut kleiner wurde. Besonders stark wuchs der Robotereinsatz in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Hinter dem Rekord steht nicht nur technischer Fortschritt, sondern ein langfristiger Umbau der chinesischen Produktion.

Nach Angaben der International Federation of Robotics wurden in China 2025 rund 354.000 Industrieroboter neu installiert. Das waren fast 60.000 Einheiten mehr als beim bisherigen Jahresrekord und 20 Prozent mehr als 2024. Weltweit kamen gut 603.000 neue Systeme hinzu, womit China allein deutlich mehr als die Hälfte aller Installationen stellte. Schon Ende 2024 arbeiteten nach IFR-Zahlen 2,027 Millionen Industrieroboter in chinesischen Fabriken.

Der Automatisierungsschub fällt in eine Phase, in der sich Chinas Altersstruktur schnell verändert. Das Nationale Statistikamt meldet für Ende 2025 insgesamt 851,36 Millionen Menschen im Alter von 16 bis 59 Jahren; ein Jahr zuvor waren es noch 857,98 Millionen. Gleichzeitig sank die Gesamtbevölkerung auf 1,40489 Milliarden Menschen, während die Zahl der über 60-Jährigen auf 323,38 Millionen stieg. Diese Entwicklung erklärt nicht jeden Roboterkauf, verschärft aber in vielen Produktionsbereichen den Druck, knapper werdende Arbeitskräfte effizienter einzusetzen.

354.000 Industrieroboter erhöhen Chinas Weltanteil auf 59 Prozent

Die Größenordnung wird im internationalen Vergleich sichtbar. Von weltweit gut 603.000 neuen Industrierobotern entfielen etwa 354.000 auf China, rund 38.500 auf die USA und gut 36.000 auf Japan. Damit war der chinesische Markt fast neunmal so groß wie der zweitgrößte Markt. Auch Robotik und KI als globale Forschungsschwerpunkte gewinnen weiter an Bedeutung, doch die industrielle Umsetzung erreicht in China eine besonders große Stückzahl.

Auch die heimischen Hersteller bauten ihre Stellung aus. Chinesische Anbieter installierten im eigenen Land etwa 195.000 Roboter und kamen damit auf einen Marktanteil von 55 Prozent. Der Anteil lag etwas unter dem Vorjahreswert von 57 Prozent, zugleich stieg die absolute Zahl der von chinesischen Produzenten gelieferten Systeme um 15 Prozent. Ausländische Anbieter legten noch stärker zu, sodass der wachsende Gesamtmarkt von beiden Gruppen getragen wurde.

96.400 Systeme gehen 2025 in Chinas Elektronikindustrie

Den größten Einzelbereich bildete die Elektronikindustrie mit rund 96.400 neu installierten Robotern. Das entsprach etwa 27 Prozent aller chinesischen Installationen und einem Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In der Automobilindustrie stieg die Zahl sogar um 38 Prozent auf rund 78.900 Einheiten. Im Metall- und Maschinenbau legten die Installationen um 44 Prozent auf etwa 78.700 Systeme zu.

Solche Roboter übernehmen vor allem wiederholbare, präzise oder körperlich belastende Arbeiten wie Schweißen, Montieren, Lackieren, Bestücken und Materialhandhabung. In hoch automatisierten Fertigungslinien können sie rund um die Uhr in gleichbleibenden Bewegungsabläufen arbeiten. Welche Tätigkeiten automatisiert werden, hängt stark von Produkt, Taktzeit und Wirtschaftlichkeit ab. Die Frage, ob Roboter menschliche Fachkräfte ersetzen, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten; in vielen Fabriken verändern sie vor allem Aufgabenprofile und den Bedarf an Bedienern, Programmierern und Instandhaltern.

851,36 Millionen Menschen im Erwerbsalter verändern die Fabrikplanung

Das Nationale Statistikamt Chinas weist für Ende 2025 eine Bevölkerung von 1,40489 Milliarden Menschen aus. Die Zahl der 16- bis 59-Jährigen sank binnen eines Jahres um 6,62 Millionen. Gleichzeitig lebten 323,38 Millionen Menschen im Alter von mindestens 60 Jahren im Land, was 23 Prozent der Bevölkerung entsprach.

Ein Zusammenhang zwischen Alterung und Automatisierung ist auch außerhalb Chinas gut dokumentiert. Daron Acemoglu und Pascual Restrepo zeigen in ihrer Untersuchung Demographics and Automation, dass Länder mit schneller alternder Erwerbsbevölkerung im Durchschnitt stärker in Industrieroboter investieren. In ihrer länderübergreifenden Analyse erklärte Alterung rund 35 Prozent der Unterschiede beim Robotereinsatz. Das ist kein Beweis, dass jeder chinesische Roboter wegen der Demografie gekauft wird, stützt aber die Einschätzung der IFR, dass Arbeitskräfteknappheit zu den langfristigen Treibern der Automatisierung gehört.

Chinas Roboterdichte soll sich gegenüber 2020 verdoppeln

Der Ausbau ist seit Jahren Teil der Industriepolitik. Ein von Chinas Industrieministerium gemeinsam mit 16 weiteren Behörden beschlossener Aktionsplan „Robotics+“ setzte das Ziel, die Roboterdichte in der Fertigung bis 2025 gegenüber 2020 zu verdoppeln. Roboterdichte bezeichnet die Zahl eingesetzter Industrieroboter je 10.000 Beschäftigte in der Fertigung. Sie erlaubt einen Vergleich der Automatisierungsintensität, ist aber nur dann sinnvoll, wenn dieselbe Beschäftigtenbasis verwendet wird.

Die IFR hat ihre chinesische Roboterdichte inzwischen mit aktualisierten Beschäftigtendaten neu berechnet. Deshalb lassen sich ältere Werte und neuere Kennzahlen nicht direkt gegeneinanderstellen. Für die Entwicklung wichtiger ist der Trend: China kombiniert hohe jährliche Installationen mit einer wachsenden heimischen Robotikindustrie und einer breiten staatlichen Förderung der Automatisierung. Parallel entstehen neue Systeme jenseits klassischer Industrieroboter, darunter humanoide Maschinen; Forschung und Wissen berichtete bereits darüber, wie ein humanoider Roboter in China in die Serienfertigung gehen soll.

Der Fünfjahresplan 2026 bis 2030 macht Robotik zum Schwerpunkt

Auch der 15. Fünfjahresplan für 2026 bis 2030 hält an diesem Kurs fest. Der Plan nennt Robotik ausdrücklich als strategische Zukunftsindustrie und verbindet sie mit intelligenter Fertigung, künstlicher Intelligenz und dem Ausbau moderner Produktionssysteme. Die Regierung will neue Anwendungen schneller in reale Produktionsumgebungen bringen und die Digitalisierung klassischer Industriezweige weiter vorantreiben.

Für die Fabriken bedeutet das, dass Automatisierung nicht nur als Antwort auf einzelne Engpässe verstanden wird, sondern als Bestandteil einer breiteren Modernisierungsstrategie. Das Tempo bleibt hoch: Die IFR erwartet global weiter steigende Installationen und nennt demografischen Wandel, widerstandsfähigere Lieferketten sowie Fortschritte bei KI, maschinellem Sehen und Sensorik als wichtige Treiber. Chinas 354.000 neue Industrieroboter stehen damit am sichtbarsten Punkt eines Umbaus, der in den Fertigungshallen längst begonnen hat.

International Federation of Robotics, World Robotics 2026

National Bureau of Statistics of China, National Economy Pushed Forward with Innovation-led and High-quality Development and Expected Targets Achieved Successfully in 2025

The Review of Economic Studies, Demographics and Automation; doi:10.1093/restud/rdab031

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