Kabel und Stecker

Brände an Solaranlagen nehmen um 133 Prozent zu

 Dennis Lenz

Brände an Solaranlagen nehmen um 133 Prozent zu
(Symbolbild) In Großbritannien hat eine Auswertung von Feuerwehrdaten einen deutlichen Anstieg der Brände an Solaranlagen offengelegt. 2025 zählten die Einsatzkräfte 212 solcher Fälle, mehr als doppelt so viele wie drei Jahre zuvor. Als häufigste Ursache gelten dabei nicht die Module selbst, sondern fehlerhafte Kabel und Steckverbindungen. Auch Batteriespeicher mit Lithium-Ionen-Zellen rücken zunehmend in den Blick. Für den einzelnen Haushalt bleibt das Risiko dennoch statistisch gering. (Foto: © Forschung und Wissen)

Brände an Solaranlagen geraten zunehmend in den Blick, seit ein großer Versicherer neue Zahlen aus Großbritannien vorgelegt hat. Dort ist die Zahl der Feuer mit Beteiligung einer Photovoltaikanlage binnen vier Jahren um 133 Prozent gestiegen, während die Zahl der Anlagen im selben Zeitraum nur um gut die Hälfte zunahm. Besonders auffällig ist, welche Bauteile am häufigsten hinter den Bränden stecken. Denn es sind meist nicht die Module selbst. Auch für den deutschen Markt sehen Fachleute darin ein Warnsignal.

Grundlage der Auswertung ist eine Erhebung des globalen Industrieversicherers QBE, der über Anfragen nach dem britischen Informationsfreiheitsgesetz Daten bei den Feuerwehren des Landes eingeholt hat. Danach rückten die Einsatzkräfte im Jahr 2025 zu 212 Bränden aus, bei denen eine Solaranlage beteiligt war, gegenüber 91 Fällen im Jahr 2022. Das entspricht einem Anstieg um 133 Prozent innerhalb von vier Jahren. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der installierten Anlagen lediglich um 52 Prozent, von rund 1,27 auf etwa 1,93 Millionen. Die Zahl der Brände steigt damit mehr als doppelt so schnell wie der Ausbau der Photovoltaik. Genau diese Schere zwischen rasantem Zubau und noch schneller wachsenden Brandzahlen ist es, die den Versicherer aufhorchen lässt und die Frage nach der Qualität von Installation und Wartung in den Vordergrund rückt.

Wichtig für die Einordnung ist, dass die Statistik Brände erfasst, an denen eine Solaranlage beteiligt war, nicht zwingend solche, die von ihr ausgelöst wurden. Ob die Anlage tatsächlich die Ursache war oder nur zufällig auf einem brennenden Gebäude saß, lässt sich aus der reinen Meldung nicht immer ablesen. Dennoch ist der Trend eindeutig, und er trifft auf einen Markt, der auch hierzulande stark wächst. In Deutschland sind längst Millionen Photovoltaikanlagen auf Dächern montiert, viele davon in den vergangenen Jahren im Zuge der Energiewende. Da die technischen Bauteile und die typischen Fehlerquellen überall ähnlich sind, halten Fachleute die britischen Ergebnisse für ein Signal, das auch deutsche Betreiber betrifft. Umso wichtiger ist der Blick darauf, wo die Brände konkret entstehen und wie hoch das Brandrisiko für die einzelne Anlage wirklich ist.

Warum die Zahl der Brände an Solaranlagen so stark steigt

Der Anstieg lässt sich nicht allein mit dem Zubau erklären, denn sonst müssten Installationen und Brände im Gleichschritt zunehmen. Stattdessen wachsen die Brandzahlen deutlich schneller, was auf zusätzliche Faktoren jenseits der reinen Menge hindeutet. Ein Teil davon ist das steigende Alter vieler Anlagen, deren Kontakte und Kabel über Jahre der Witterung und ständigen Lastwechseln ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass in einem schnell wachsenden Markt nicht jede Montage mit derselben Sorgfalt ausgeführt wird. Auch die Schwere der Vorfälle nahm zu: Die Zahl der Brände, die sich über die eigentliche Anlage hinaus auf das Gebäude ausbreiteten, stieg von 33 im Jahr 2022 auf 88 im Jahr 2025. Die vollständige Auswertung hat der Versicherer in einer offiziellen Mitteilung zu den steigenden Brandzahlen veröffentlicht.

Wo die häufigsten Brandursachen liegen

Am aufschlussreichsten ist die Aufschlüsselung nach den Verursachern. Von den 212 Bränden des Jahres 2025 ließen sich 127 einer von vier Hauptursachen zuordnen. Mit Abstand am häufigsten war die Gleichstromverkabelung samt Steckverbindungen betroffen, auf die allein 49 Fälle entfielen, gegenüber 26 im Jahr zuvor. Erst danach folgten die Solarmodule selbst mit 36 Fällen, die Batteriespeicher mit 23 und die Wechselrichter mit 19 Fällen. Die zentrale Botschaft lautet damit, dass die eigentliche Gefahr meist nicht vom Panel auf dem Dach ausgeht, sondern von der Elektrik dahinter. Lose Klemmen, beschädigte oder falsch verbundene Stecker erzeugen Übergangswiderstände, an denen sich Hitze staut und im schlimmsten Fall ein Lichtbogen entsteht. Genau solche Schwachstellen gelten als klassische Brandursache in elektrischen Anlagen und lassen sich durch fachgerechte Montage und regelmäßige Kontrolle weitgehend vermeiden.

Warum Batteriespeicher besonders im Blick stehen

Ein wachsendes Risiko sieht der Versicherer bei den Batteriespeichern, die heute in vielen neuen Anlagen mitinstalliert werden. Die verbreiteten Lithium-Ionen-Zellen können bei Beschädigung, Überladung oder einem inneren Defekt in einen thermischen Runaway geraten, eine sich selbst verstärkende Überhitzung. Ein solcher Brand entwickelt sich rasch, ist schwer zu löschen und kann selbst nach scheinbarer Löschung erneut aufflammen, ein Verhalten, das von Bränden an Elektrofahrzeugen bereits bekannt ist. Besonders heikel wird es, wenn die Speicher in schlecht zugänglichen oder schlecht belüfteten Räumen wie Dachböden oder Abstellkammern stehen. Fachleute empfehlen deshalb gut belüftete, jederzeit erreichbare Aufstellorte. Zugleich wird an sichereren Alternativen gearbeitet, etwa an Zellen ohne Lithium, wie sie inzwischen sogar im ersten Serienauto mit Natrium-Ionen-Batterie zum Einsatz kommen.

Wie hoch das Brandrisiko für einzelne Anlagen wirklich ist

Bei aller Aufmerksamkeit für die steigenden Zahlen lohnt der nüchterne Blick auf die Größenordnung. Gemessen an fast zwei Millionen Anlagen in Großbritannien bleibt die Zahl der Brände absolut niedrig, rechnerisch entfallen weniger als 0,07 Fälle auf tausend Systeme. Auch Auswertungen aus Deutschland zeichnen ein beruhigendes Bild: Nach Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme verursachen nur rund 0,006 Prozent der Photovoltaikanlagen einen Brand mit größerem Schaden, das entspricht etwa einem Fall auf 16.000 Anlagen. Untersuchungen von TÜV Rheinland und Fraunhofer verteilen die Ursachen grob zu je einem Drittel auf fehlerhafte Komponenten, Planungsfehler und Installationsfehler. Fachgerecht installierte Anlagen gelten damit als nicht gefährlicher als andere elektrische Hausinstallationen. Das eigentliche Problem sind weniger die Solaranlagen an sich als vielmehr das Sparen bei Montage und Wartung sowie eine in Deutschland lückenhafte, teils veraltete Datenlage.

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