Wärmeproblem

Bei über 25 Grad beginnt der E-Auto-Akku schneller zu altern

 Dennis Lenz

Bei über 25 Grad beginnt der E-Auto-Akku schneller zu altern
(Symbolbild) Über Reichweitenverluste von Elektroautos im Winter wird seit Jahren diskutiert, dabei richtet der Sommer den größeren Schaden an. Während Kälte die Batterie nur vorübergehend ausbremst, beschleunigt anhaltende Hitze die chemische Alterung der Zellen dauerhaft. Flottendaten von mehr als 22.000 Fahrzeugen und eine Modellstudie über 300 Städte zeigen nun, wie stark der Effekt auf den E-Auto-Akku wirklich ist und welche Angewohnheit der Fahrer ihn zusätzlich verschärft. (Foto: © Forschung und Wissen)

Wenn Elektroautos im Winter Reichweite verlieren, ist die Aufregung traditionell groß, doch der eigentliche Feind des E-Auto-Akkus ist die Sommerhitze. Denn während Kälte die Batterie nur vorübergehend schwächt, hinterlassen hohe Temperaturen bleibende Schäden in den Zellen. Flottendaten von 22.700 Fahrzeugen beziffern den Effekt nun erstmals präzise und benennen zugleich einen Faktor, der die Alterung noch deutlich stärker antreibt. Eine Modellstudie über 300 Städte weltweit zeigt außerdem, welche Fahrzeuggenerationen besonders gefährdet sind.

Nahezu alle aktuellen Elektroautos speichern ihre Energie in Lithium-Ionen-Akkus, deren Chemie ausgesprochen temperaturempfindlich ist. Am wohlsten fühlt sich ein E-Auto-Akku bei etwa 15 bis 25 Grad Celsius. Steigt die Temperatur darüber, laufen in den Zellen unerwünschte Nebenreaktionen beschleunigt ab: Der flüssige Elektrolyt zersetzt sich allmählich, an den Elektroden wachsen Deckschichten, die aktives Lithium dauerhaft binden, und die nutzbare Kapazität der Batterie sinkt unumkehrbar. Als Faustregel der Elektrochemie gilt, dass sich die Geschwindigkeit solcher Reaktionen mit jeder Erwärmung um rund 10 Kelvin ungefähr verdoppelt. Ein Fahrzeug, das im Hochsommer stundenlang in der prallen Sonne steht und dessen Innenraum sich auf über 50 Grad Celsius aufheizt, setzt seine Batterie deshalb einem regelrechten Zeitraffer der Alterung aus, selbst wenn es gar nicht bewegt wird.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zum Winter. Bei Kälte bewegen sich die Lithium-Ionen träger durch den Elektrolyten, wodurch Reichweite und Ladeleistung spürbar einbrechen, doch dieser Effekt verschwindet wieder, sobald die Batterie auf Betriebstemperatur kommt, weshalb die Forschung vor allem an besserem Laden bei Kälte arbeitet und nicht an Kälteschäden. Hitze wirkt dagegen über die sogenannte kalendarische Alterung, die unabhängig von der Fahrleistung allein durch Zeit und Temperatur voranschreitet. Besonders ungünstig ist die Kombination aus starker Sommerhitze und einem dauerhaft hohen Ladestand nahe 100 Prozent, weil die Zellspannung die zerstörerischen Nebenreaktionen zusätzlich befeuert. Moderne Fahrzeuge wirken dem mit aktiver Flüssigkeitskühlung entgegen, die den Akku auch beim Parken und Laden im optimalen Temperaturfenster hält.

Daten von 22.700 Fahrzeugen zeigen was Hitze dem E-Auto-Akku antut

Wie groß der Hitzeeffekt im realen Betrieb ausfällt, zeigt die bislang umfangreichste Flottenanalyse des Telematikanbieters Geotab, der laut seiner Auswertung von 22.700 Elektrofahrzeugen im Januar 2026 einen klaren Klimaeffekt beziffert. Fahrzeuge in heißen Regionen, definiert über mehr als 35 Prozent der Tage mit über 25 Grad Celsius, verlieren demnach pro Jahr rund 0,4 Prozentpunkte mehr Kapazität als Fahrzeuge in gemäßigtem Klima. Bei einer durchschnittlichen Alterung von etwa 2,3 Prozent pro Jahr summiert sich der Hitzeaufschlag über acht Jahre auf rund drei zusätzliche Prozentpunkte Kapazitätsverlust. Überraschend entspannt fällt dagegen die Bilanz beim Ladestand aus: Ein strenges Einhalten des oft empfohlenen Fensters zwischen 20 und 80 Prozent ist im Alltag kaum nötig, solange das Fahrzeug nicht dauerhaft nahezu voll oder nahezu leer abgestellt wird.

Schnellladen treibt die Alterung noch stärker an als das Klima

Der größte Alterungsfaktor ist der Analyse zufolge allerdings nicht das Wetter, sondern das Ladeverhalten. Fahrzeuge, die überwiegend an Gleichstromsäulen mit mehr als 100 Kilowatt geladen wurden, verloren mit bis zu 3,0 Prozent pro Jahr etwa doppelt so viel Kapazität wie Fahrzeuge, die vor allem langsam mit Wechselstrom luden. Der Grund liegt wiederum in der Temperatur, denn die hohen Ströme beim Schnellladen erhitzen die Zellen von innen, und trifft diese Eigenerwärmung im Sommer auf ohnehin aufgeheizte Batterien, verstärken sich beide Effekte gegenseitig. Wie empfindlich Batteriezellen generell auf Überhitzung reagieren, zeigt sich auch daran, dass die Industrie parallel an neuer Batterietechnik gegen Hitzebrände arbeitet, die das unkontrollierte Durchgehen einzelner Zellen bei extremen Temperaturen unterbinden soll.

Neue Batteriegenerationen stecken die Hitze deutlich besser weg

Wie stark der technische Fortschritt das Problem bereits entschärft hat, zeigt eine Studie der University of Michigan, die laut ihrer Veröffentlichung in Nature Climate Change die Batteriealterung für 300 Städte weltweit unter fortschreitender Klimaerwärmung modelliert hat. Erwärmt sich der Planet um 2 Grad Celsius, verlieren Batterien der Baujahre 2010 bis 2018 im Schnitt 8 Prozent ihrer Lebensdauer, in den heißesten Regionen sogar bis zu 30 Prozent. Bei Batterien der Generation 2019 bis 2023, gerechnet an verbreiteten Modellen wie dem Tesla Model 3 und dem VW ID.3, schrumpft der Verlust dagegen auf durchschnittlich 3 und maximal 10 Prozent. Verbesserte Zellchemie, robustere Elektrolyte und leistungsfähigeres Thermomanagement fangen den Hitzestress demnach zu großen Teilen ab.

Für Fahrer eines aktuellen Elektroautos ist die Sommerhitze damit kein Grund zur Panik, aber ein guter Grund für einfache Gewohnheiten. Wer bei Hitzewellen im Schatten oder in der Tiefgarage parkt, das Fahrzeug nicht tagelang voll geladen in der Sonne stehen lässt und häufiges Schnellladen an heißen Tagen vermeidet, nimmt der kalendarischen Alterung ihre größten Hebel. Besitzer älterer Modelle ohne Flüssigkeitskühlung sollten diese Regeln umso ernster nehmen, weil ihre Batterie der Hitze weitgehend schutzlos ausgeliefert ist. Wie sich die Speichertechnik von Elektroautos generell weiterentwickelt, von neuen Zellchemien bis zu hitzefesten Elektrolyten, zeigt der ständig wachsende Forschungsstand rund um den Akku in seiner ganzen Breite.

Nature Climate Change, Technological improvements in EV batteries offset climate-induced durability challenges; doi:10.1038/s41558-026-02579-z

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