Geschlechter

Werden Frauen oder Männer als attraktiver empfunden?

 Robert Klatt

Frauen gelten im Durchschnitt als schöner )moc.sotohptisoped321oknevokai(Foto: © 

Frauen gelten seit Langem als das „schöne Geschlecht“, während Männer traditionell als das „starke Geschlecht“ bezeichnet werden. Nun wurde erstmals empirisch untersucht, ob Frauen oder Männer im Durchschnitt als attraktiver wahrgenommen werden.

Frankfurt am Main (Deutschland). In Europa ist im späten 17. Jahrhundert unter dem Einfluss höfischer Kultur der Begriff „das schöne Geschlecht“ entstanden. Es hat Frauen bezeichnet, die damals vor allem mit Schönheit, Anmut, Eleganz und Emotionalität verbunden waren, während Männer, die als „das starke Geschlecht“ bezeichnet wurden, mit Stärke und Vernunft assoziiert wurden. Die Wissenschaft untersucht deshalb schon seit Langem, wieso beim Menschen Frauen als schönes Geschlecht bezeichnet werden, obwohl bei den meisten anderen Tieren die Männchen typischerweise attraktiver und auffälliger sind.

Forscher des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) haben nun eine Studie veröffentlicht, die erstmals empirisch untersucht hat, ob Frauen oder Männer durchschnittlich als attraktiver empfunden werden. Dazu haben 28.500 Probanden aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen insgesamt über 1,5 Millionen Gesichter von Frauen und Männern anhand ihrer Attraktivität bewertet. Das umfassende Experiment zeigt, dass tatsächlich ein Gender Attractiveness Gap (GAP) besteht. Frauen werden demnach im Mittel sowohl von anderen Frauen als auch von Männern als optisch schöner angesehen.

„Besonders interessant ist, dass Frauen andere Frauen deutlich attraktiver bewerten als Männer, während männliche Gesichter von beiden Geschlechtern ähnlich – und insgesamt relativ niedrig – bewertet werden. Der Unterschied besteht also nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch innerhalb derselben Geschlechtsgruppe.“

Im Rahmen des Experiments haben die Probanden zudem ihre eigene Attraktivität bewertet. Dabei kam es zu keinen Unterschieden zwischen Männern und Frauen. Laut den Forschern ist dies ein deutlicher Hinweis darauf, dass Männer ihre Attraktivität im Mittel kritischer beurteilen.

Morphometrische Analysen der Gesichter

Die Forscher haben zudem morphometrische Analysen der Gesichter erstellt. Mit diesen Methoden zur Vermessung von Gesichtsstrukturen konnten sie objektiv ermitteln, wie weiblich oder männlich die jeweiligen Gesichter waren. Laut den dabei gewonnenen Daten lässt sich der GAP größtenteils durch die Differenzen der Gesichtsstrukturen erklären.

„Der GAP ist kein Artefakt oder statistischer Zufall, sondern ein robustes und breit beobachtbares Phänomen. Er lässt sich zum Teil durch Unterschiede in der Gesichtsstruktur erklären, geht in Summe aber darüber hinaus.“

Wie die Forscher erklären, zeigt die Studie somit, dass die empfundene Attraktivität nicht nur von den individuellen Vorlieben eines Menschen abhängt, sondern auch von biologischen Merkmalen und dem Umfeld beeinflusst wird.

Quellen:

Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA)

Studie im Fachmagazin Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, doi: 10.1098/rspb.2026.0362

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