Persönlichkeit

Was passiert, wenn Männer sich nicht männlich genug fühlen?

 Robert Klatt

Männlichkeitsdruck hat gesellschaftliche und persönliche Auswirkungen )moc.sotohptisopedvadiraM(Foto: © 

Männer, die ihre Männlichkeit bedroht sehen, leiden unter Stress, Angst und Wut. Es kann dadurch zu kompensatorischem Verhalten kommen, etwa dem Unterdrücken von Emotionen, mehr Aggression und Diskriminierung.

Kaiserslautern (Deutschland). Vielen Männern ist es sehr wichtig, dass andere Personen sie als männlich ansehen. Forscher der University of California, Riverside (UCR) haben kürzlich eine Studie publiziert, laut der dieser sogenannte „Männlichkeitsdruck“ dazu führen kann, dass sie den Klimawandel herunterspielen, um nicht mit Charaktereigenschaften verknüpft zu werden, die gesellschaftlich als eher weiblich angesehen werden. Nun haben Forscher der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Universität Kassel eine Metastudie veröffentlicht, die untersucht, welche individuellen und gesellschaftlichen Auswirkungen entstehen, wenn Männer sich nicht männlich genug fühlen.

Die Metaanalyse umfasst 123 Experimente, in denen untersucht wurde, was passiert, wenn die Männlichkeit der 19.448 Probanden angezweifelt wird. Die Wissenschaftler haben dabei zwischen inneren Reaktionen wie dem Selbstbild und Emotionen sowie äußeren Reaktionen wie kompensatorischem Verhalten unterschieden und zudem untersucht, wann die Effekte besonders stark auftreten.

Männlichkeitszweifel verändern Verhalten

In allen analysierten Studien wurde festgestellt, dass Zweifel an der individuellen Männlichkeit das Verhalten der Probanden beeinflussen, aber nur moderat. Der Effekt ist am größten, wenn Männer selbst zu der Erkenntnis kommen, dass sie und ihre Persönlichkeit nicht dem typischen Männlichkeitsideal entsprechen. Soziale Situationen erhöhen ebenfalls den Männlichkeitsdruck und führen dazu, dass viele Männer ihre Männlichkeit zeigen möchten.

Laut den Wissenschaftlern belegt die Metaanalyse somit die sozialpsychologische Annahme der „prekären Männlichkeit“, laut der Männlichkeit ein gesellschaftlicher Status ist, der nicht grundsätzlich besteht, sondern permanent aufrechterhalten werden muss. Es kann dadurch leicht zu einer Verunsicherung führen, etwa wenn ein Mann der Ansicht ist, dass er von anderen Menschen nicht als ausreichend dominant angesehen wird, oder wenn er Aufgaben erledigen soll, die als eher weiblich gelten.

Stress, Angst und Wut

Die Studien zeigen, dass Männer, die sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen, mit Emotionen wie Stress, Angst und Wut reagieren. Diese Emotionen sind auch physiologisch messbar und führen unter anderem zu höheren Cortisolwerten und einer geänderten Herzratenvariabilität. Außerdem kommt es oft zu kompensatorischem Verhalten, etwa mehr Risikobereitschaft und einem aggressiveren Auftreten, um die eigene Männlichkeit gegenüber anderen Personen sichtbar zu machen. Das kompensatorische Verhalten kann mittelfristig gesundheitliche und soziale Nachteile auslösen.

Zudem gibt es gesellschaftliche Auswirkungen, die entstehen, weil betroffene Männer mit mehr Aggression und Diskriminierung reagieren und öfter autoritäre politische Positionen einnehmen. Ein hoher Männlichkeitsdruck ist also nicht nur individuell problematisch, sondern kann auch zu gesellschaftlichen Spannungen führen. Die Autoren sprechen sich deshalb dafür aus, Männlichkeit und Statusdenken möglichst zu trennen.

Quellen:

Studie im Fachmagazin Personality and Social Psychology Review, doi: 10.1177/10888683261433109

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