Robert Klatt
Nanjing (China). In vielen Ländern kommt es durch den Klimawandel immer öfter zu intensiven Hitzewellen. Die hohen Lufttemperaturen führen beim Menschen unter anderem zu einem schlechten Schlaf, mehr Stress und einer höheren Reizbarkeit. Forscher der Tulane University haben bereits 2025 eine Studie publiziert, laut der dadurch innerfamiliäre Gewalttaten deutlich öfter auftreten. Sie haben damit erstmals den direkten Zusammenhang zwischen langanhaltenden Hitzewellen und häuslicher Gewalt bewiesen.
Forscher der Nanjing University of Information Science and Technology (NUIST) haben nun eine Studie veröffentlicht, die untersucht hat, ob sich höhere Temperaturen und Hitzewellen auch auf Polizeigewalt auswirken oder ob dadurch nur die allgemeine Gewalt zunimmt. In der Studie ist Polizeigewalt definiert als tödliche Gewalt gegenüber einer Zivilperson durch einen Polizisten im Dienst oder außerhalb des Dienstes, unabhängig davon, ob sie gerechtfertigt war oder nicht.
Die Studie basiert auf Daten zu Todesfällen durch Polizeigewalt von Mapping Police Violence (MPV), einem Projekt, das Todesfälle im Zusammenhang mit Polizeieinsätzen in den U.S.A. erfasst. Die Datenbank umfasst den Zeitraum von 2013 bis heute und enthält Details zu den Vorfällen, etwa demografische Informationen. Die Wissenschaftler haben 13.381 Datensätze aus dem Zeitraum Januar 2013 bis Dezember 2024 verwendet und diese mit Klimadaten verknüpft.
Laut der Analyse nimmt tödliche Polizeigewalt in den U.S.A. zu, wenn die Temperatur 20,3 Celsius überschreitet. In Regionen mit über fünf Millionen Einwohnern sind die Todesfälle durch Polizeigewalt um 2,01 Prozent pro Grad Celsius oberhalb des Schwellenwerts gestiegen. In trockenen Gebieten mit unter 50 mm monatlichem Niederschlag hat ein Temperaturanstieg von einem Grad Celsius über dem Schwellenwert zu 2,06 Prozent mehr tödlicher Polizeigewalt geführt.
„Unsere Forschung zeigt den Zusammenhang zwischen Temperaturschwankungen und dem Risiko von Polizeigewalt auf und unterstreicht den dringenden Bedarf an gezielten Interventionsstrategien in der polizeilichen Praxis, insbesondere unter Bedingungen hoher Umgebungstemperaturen.“
In Anbetracht der Ergebnisse erklären die Forscher, dass die Studie deutlich zeigt, dass hohe Umgebungstemperaturen das Verhalten des Menschen beeinflussen können.
Quellen:
Studie im Fachmagazin PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0345523