Hohe Erwartungen der Eltern

Jugendliche sind unglücklicher, desto reicher ihr Heimatland ist

Robert Klatt

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Auf den Punkt gebracht
  • Bei Erwachsenen steigt mit dem Einkommen auch die Zufriedenheit. In reichen Ländern wie Deutschland sind diese also im Mittel zufriedener als in ärmeren Ländern 
  • Paradoxerweise gilt bei Jugendlichen das Gegenteil. Sie sind also in Ländern mit geringeren Einkommen zufriedener
  • Laut den Autoren liegt das an den geringeren Erwartungen der Eltern und dem reduzierten Bildungsanforderungen 

Bei Erwachsenen nimmt die Lebenszufriedenheit mit dem Wohlstand zu. Paradoxerweise gilt bei Jugendlichen das Gegenteil. Sie sind also in wohlhabenden Ländern wie Deutschland also tendenziell weniger glücklick.

Seoul (Südkorea). Laut zahlreichen Studien sind Menschen in wohlhabenden Ländern mit hohen Einkommen wie Deutschland im Mittel zufriedener als Menschen als armen Ländern. Eine Studie der University of Pennsylvania zeigte zudem kürzlich, dass das Glücks fast linear mit dem Einkommen eines Menschen zunimmt. Robert Rudolf und Dirk Bethmann, zwei Ökonomen der Korea University haben nun überraschend entdeckt, dass dies auf Jugendliche nicht zutrifft.

Laut der im Journal of Happiness Studies sinkt bei Jugendlichen hingegen paradoxerweise die Lebenszufriedenheit, wenn das Pro-Kopf-Einkommen in dem Land, in dem sie leben, zunimmt. Jugendliche sind also umso unglücklicher, desto wohlhabender ihr Heimatland ist. Die Untersuchung basiert auf Daten von rund einer halben Millionen 15-Jährige aus 72 Ländern, die bei einer Schülerbefragung im Rahmen der Pisa-Studie im Jahr 2018 erhoben wurden.

Höhere Erwartungen in reichen Ländern

Als Grund für dieses Paradoxon nennen die Ökonomen die Erwartungen der Eltern, die zunehmen, umso wohlhabender ein Land ist. Zuvor war dieser Zusammenhang in der Wissenschaft nicht bekannt.

„Die Investitionen der Eltern in die Bildung ihrer Kinder ist in Ländern mit hohem Einkommen am höchsten, ebenso wie die Erwartungen der Lehrer und Eltern an die kognitiven Anstrengungen der Kinder.“

Außerdem ist die Lernintensität der Jugendlichen in wohlhabenden Ländern deutlich höher als in ärmeren Ländern. Laut den Autoren sind die Bildungsanforderungen in Staaten mit mittleren „tendenziell gering“, was dazu führt, dass die dort lebenden Jugendlichen ein „hohes Maß an Wohlbefinden“ erleben.

Arme Länder nicht erfasst

Wie die Autoren erklären, zeigt die Studie jedoch nicht, dass in armen Staaten Jugendliche am glücklichsten sind. Dies liegt daran, dass die Studie lediglich Daten von Ländern mit mittleren und hohen Einkommen umfasst. Wirklich arme Länder mit sehr geringer Wirtschaftskraft wurden also nicht berücksichtigt, weil diese in der Schülerbefragung fehlten.

Journal of Happiness Studies, doi: 10.1007/s10902-022-00595-2

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