GREIX

Wohnimmobilien sind real weniger wert als vor einem Jahr

 Dennis Lenz

Wohnimmobilien sind real weniger wert als vor einem Jahr
(Symbolbild) Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland steigen nominal weiter, allerdings deutlich langsamer als in den Quartalen zuvor. Rechnet man die Inflation heraus, kehrt sich das Bild um. Grundlage der neuen Auswertung sind notariell beglaubigte Kaufverträge aus 25 Städten und Regionen. Für Eigentümer, Käufer und Verkäufer verschiebt sich damit die Lage am Markt spürbar. (Foto: © Forschung und Wissen)

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland sind im zweiten Quartal 2026 nur noch moderat gestiegen. Eigentumswohnungen verteuerten sich gegenüber dem Vorquartal nominal um 0,3 Prozent, Einfamilienhäuser um 1,8 Prozent, während Mehrfamilienhäuser 0,9 Prozent günstiger gehandelt wurden. Rechnet man die Inflation heraus, liegen im Jahresvergleich jedoch alle drei Marktsegmente im Minus. Gemessen in aktueller Kaufkraft ist Wohneigentum damit heute weniger wert als vor einem Jahr.

Das zeigt das jüngste Update des GREIX, eines Kaufpreisindex, den die Gutachterausschüsse für Grundstückswerte gemeinsam mit dem Kiel Institut für Weltwirtschaft berechnen. Anders als viele Marktberichte, die auf Angebotspreisen aus Inseraten beruhen, basiert der GREIX ausschließlich auf notariell beglaubigten Transaktionsdaten aus den Kaufpreissammlungen lokaler Gutachterausschüsse. Er bildet die tatsächliche Preisentwicklung in 25 Städten und Regionen ab und gilt damit als eines der verlässlichsten Barometer des deutschen Immobilienmarkts. Die Auswertung erfolgt mit modernen statistischen Verfahren, die Unterschiede in Lage, Größe und Zustand der verkauften Objekte herausrechnen, und alle Daten sind frei zugänglich. Die aktuelle Ausgabe dokumentiert nun einen Markt, der nach der Erholungsphase der vergangenen Quartale sichtbar an Schwung verliert.

Entscheidend für die Einordnung ist der Unterschied zwischen nominalen und realen Preisen. Nominal bezeichnet den Betrag, der tatsächlich auf dem Kaufvertrag steht, real dagegen die Kaufkraft, die dieser Betrag nach Abzug der Inflation repräsentiert. Steigt ein Hauspreis um ein Prozent, während die allgemeinen Preise um mehr als ein Prozent zulegen, verliert das Objekt real an Wert, obwohl die Zahl auf dem Papier wächst. Wie stark die gefühlte und die tatsächliche Kaufkraft auseinanderlaufen können, zeigte zuletzt eine Befragung, nach der knapp 60 Prozent der Menschen ihre Kaufkraft deutlich schlechter einschätzen als die amtlichen Daten es nahelegen. Beim Wohneigentum ist der reale Blick nun keine Gefühlsfrage mehr, sondern messbar.

Warum Wohnimmobilien real an Wert verlieren

Im Jahresvergleich liegen Eigentumswohnungen nominal 0,4 Prozent über dem Vorjahresniveau und Einfamilienhäuser 1,9 Prozent, Mehrfamilienhäuser kosten dagegen nominal 3,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Da die Inflation diese Zuwächse übersteigt, rutschen inflationsbereinigt alle drei Segmente ins Minus. Nach Einschätzung von GREIX-Projektleiter Jonas Zdrzalek hat der Preisauftrieb sichtbar an Schwung verloren, entscheidend sei der Blick auf die Kaufkraft. Bemerkenswert ist, dass der Markt zugleich lebendiger wird, denn die Zahl der Verkäufe von Eigentumswohnungen stieg im ersten Quartal 2026 um 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, das Transaktionsvolumen sogar um 12,1 Prozent, wie das Kiel Institut in seiner Auswertung berichtet. Es wird also wieder mehr gekauft, aber zu Preisen, die mit der allgemeinen Teuerung nicht Schritt halten.

Was Inserate über die kommenden Monate verraten

Einen Ausblick auf die weitere Entwicklung liefert eine Kennzahl aus Inseratsdaten, nämlich die Frage, wie stark Anbieter im Lauf einer Vermarktung von ihrer ursprünglichen Preisvorstellung abrücken. Über 45 Quartale seit 2015 zeigt sich ein stabiles Muster. Nehmen die Preisnachlässe in Inseraten im Vergleich zum Vorjahr zu, fällt das Preiswachstum im darauffolgenden Quartal meist schwächer aus, flauen die Nachlässe ab, zieht die Dynamik häufig wieder an. Gerade an Wendepunkten der Preisentwicklung hat sich dieser Frühindikator in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen. Aktuell werden Angebotspreise wieder häufiger nach unten korrigiert, was für eine weiter nachlassende Preisdynamik in den kommenden Monaten spricht. Verkäufer müssen ihre Erwartungen demnach realistischer ansetzen, während Käufer erstmals seit Längerem wieder in einer Position verhandeln, in der die Zeit nicht zwangsläufig gegen sie arbeitet. Ob daraus eine längere Phase reiner Seitwärtsbewegung wird, dürften die nächsten Quartalsdaten zeigen.

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