Sparplan für Deutschland

Ökonomin möchte Renteneintritt an Lebenserwartung koppeln

Robert Klatt

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Eine Ökonomin möchte das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung koppeln, weil die Menschen in Deutschland immer älter werden. Die CDU erarbeitet aktuell ein neues Grundsatzprogramm, das eine ähnliche Regelung beinhaltet.

Berlin (Deutschland). Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) zeigte kürzlich, dass die Lebenserwartung der Menschen in Deutschland im westeuropäischen Vergleich überraschend gering ist. Die Lebenserwartung in Deutschland ist trotzdem deutlich höher als 1889, dem Jahr, als mit der Verabschiedung des „Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Altersversicherung“ die Grundlage der heutigen gesetzlichen Rentenversicherung geschaffen wurde.

In den letzten Jahren wurde zunehmend deutlich, dass das Renteneintrittsalter von 65 Jahren nicht länger zu finanzieren ist. Die Altersgrenze ohne Rentenabschläge wurde deshalb schrittweise auf 67 Jahre angehoben.

Koppelung des Renteneintritts an die Lebenserwartung

Laut der Ökonomin Veronika Grimm, die zum Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Wirtschaftsweisen) gehört, ist dieser Schritt aber nicht ausreichend. Grimm plädiert deshalb dafür, das Renteneintrittsalter an die zunehmende Lebenserwartung zu koppelt und damit automatisch anzuheben.

„Man sollte die Regelaltersgrenze für den Renteneintritt an die Lebenserwartung koppeln. Die Formel in Zukunft könnte sein: Nimmt die Lebenserwartung um ein Jahr zu, so würden zwei Drittel des zusätzlichen Jahres der Erwerbsarbeit zugeschlagen und ein Drittel dem Ruhestand.“

Obwohl zahlreiche Studien, darunter auch eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), belegen, dass ein höheres Renteneintrittsalter die psychische und physische Gesundheit negativ beeinflusst, sieht Grimms Vorschlag lediglich Ausnahmen bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor.

Deutschland braucht ein höheres Rentenalter

Grimm äußerte zudem Besorgnis über den Anstieg an vorgezogenen Ruheständen. Um dem Mangel an Fachkräften in Deutschland, der laut Daten von Bitkom e. V. besonders im IT-Bereich sehr hoch ist, entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass auch ältere Personen weiterhin im Berufsleben aktiv bleiben. Sie betonte, dass Maßnahmen ergriffen werden sollten, um Menschen zu motivieren und zu befähigen, länger zu arbeiten und so den Eintritt in den Ruhestand zu verzögern. Das wachsende Phänomen der vorzeitigen Pensionierung sollte gestoppt werden.

CDU erarbeitet Grundsatzprogramm

Die CDU erarbeitet aktuell ein neues Grundsatzprogramm, das ebenfalls eine Koppelung der Lebenserwartung an das Renteneintrittsalter vorsieht. Die Ampelkoalition und der Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lehnen eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalter hingegen ab.

„Ich bin der festen Überzeugung, dass wir es jetzt nicht mehr nötig haben, das Renteneintrittsalter immer weiter anzuheben. Wer jetzt mit 17 die Schule verlässt, hat fünf Jahrzehnte Arbeit vor sich. Ich finde, das ist genug. Wenn jemand länger arbeiten wolle, solle er das tun können, aber nicht, weil er muss, sondern weil er oder sie kann.“

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