Realrendite

Nur die reichsten zehn Prozent der Sparer machen noch reale Gewinne

 Dennis Lenz

Nur die reichsten zehn Prozent der Sparer machen noch reale Gewinne
(Symbolbild) Das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland liegt bei fast 9,5 Billionen Euro, doch nach Abzug der Inflation bleibt für die meisten Sparer davon immer weniger übrig. Die aktuelle Auswertung der Bundesbank zeigt, dass die reale Rendite derzeit nur bei einer kleinen Gruppe positiv ausfällt. Entscheidend ist dabei nicht das Sparverhalten, sondern die Wahl der Anlageform. Genau daran scheitert ein Großteil der Bevölkerung seit Jahren. (Foto: © Forschung und Wissen)

Die Deutschen gelten als Volk der Sparer, doch für die große Mehrheit lohnt sich das Sparen derzeit real nicht. Nach aktuellen Zahlen der Deutschen Bundesbank erzielten im ersten Quartal 2026 nur die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte insgesamt noch eine positive reale Rendite auf ihr Geldvermögen. Alle übrigen verloren nach Abzug der Inflation Geld, obwohl das gesamte Finanzvermögen bei 9.490 Milliarden Euro liegt. Der Grund für die Schieflage ist erstaunlich banal.

Als Geldvermögen zählt die Bundesbank alles, was private Haushalte an finanziellen Werten besitzen: Bargeld, Giro- und Sparguthaben, Versicherungs- und Pensionsansprüche, Anleihen, Aktien und Fondsanteile. Entscheidend für den tatsächlichen Wohlstand ist dabei nicht der nominale Kontostand, sondern die Realrendite, also der Ertrag nach Abzug der Inflation. Steigen die Preise schneller, als das Ersparte Zinsen und Kursgewinne abwirft, verliert das Vermögen an Kaufkraft, selbst wenn die Zahl auf dem Kontoauszug wächst. Genau dieser schleichende Verlust bleibt für viele Sparer unsichtbar, weil er nie als Abbuchung auftaucht. Die Bundesbank berechnet deshalb quartalsweise, wie sich die reale Gesamtrendite des Finanzportfolios entwickelt, und schlüsselt die Ergebnisse seit einiger Zeit auch nach Vermögensgruppen auf.

Grundlage dafür sind die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung und die sogenannte verteilungsbasierte Vermögensbilanz, mit der die Notenbank das Geldvermögen entlang der Vermögensverteilung aufteilt. Das erste Quartal 2026 bot dabei ein besonders raues Umfeld: Der Krieg im Nahen Osten verunsicherte die Finanzmärkte, ließ Energiepreise und kurzfristige Inflationserwartungen steigen und trieb die Zinserwartungen nach oben. Vor allem kapitalmarktnahe Anlagen wie Aktien und Fondsanteile gerieten dadurch unter Druck. Für die Frage, wer in Deutschland real noch Geld verdient und wer verliert, wirkte das Quartal wie ein Brennglas, denn es traf die einzelnen Vermögensgruppen höchst unterschiedlich.

Warum die meisten Sparer real Geld verlieren

Insgesamt sank das Geldvermögen der privaten Haushalte im ersten Quartal um 28 Milliarden auf 9.490 Milliarden Euro. Zwar legten die Haushalte per saldo 94 Milliarden Euro neu zurück, doch Bewertungsverluste von 122 Milliarden Euro machten diesen Zufluss mehr als zunichte. Wie die Bundesbank in ihrer Pressenotiz zur Geldvermögensbildung ausführt, hält die vermögensärmere Hälfte der Bevölkerung ihr Geld fast ausschließlich in Einlagen und Versicherungsansprüchen. Diese Anlageformen sind risikoarm, werfen aber so geringe Zinsen ab, dass die reale Rendite nach Abzug der Inflation negativ ausfällt. Zusätzlich stockten die Haushalte ihre Bestände an Bargeld und Sichteinlagen um weitere 6 Milliarden Euro auf, also ausgerechnet jene Positionen, die real am zuverlässigsten an Wert verlieren.

Die Reichsten profitieren vom Kapitalmarkt

Am oberen Ende der Verteilung sieht das Bild anders aus. Die vermögendsten 10 Prozent der Haushalte halten einen erheblichen Teil ihres Geldvermögens in Aktien und Investmentfonds, deren langfristige Erträge die Inflation übertreffen. Nur diese Gruppe erzielte im ersten Quartal insgesamt noch eine positive Realrendite, wenngleich auch sie durch die Kursrückgänge deutlich schrumpfte. Über alle Haushalte hinweg lag die aggregierte reale Gesamtrendite auf Jahressicht noch bei etwa 0,6 Prozent, getragen fast allein vom Wertpapierbesitz der Wohlhabenden. Die Vermögensschere öffnet sich damit nicht in erster Linie durch unterschiedliche Sparbeträge, sondern durch die Anlageform. Bemerkenswert ist zugleich, wie stark die gefühlte Lage von den Daten abweicht, denn viele Bürger schätzen ihre Kaufkraft ohnehin deutlich schlechter ein, als amtliche Statistiken nahelegen.

Sicherheit hat einen unsichtbaren Preis

Ökonomen lesen aus den Zahlen vor allem eine Lehre: Die vermeintlich sichere Anlage auf dem Konto ist über längere Zeiträume die teuerste, weil die Inflation Jahr für Jahr an der Substanz zehrt. Wer dagegen breit gestreut in den Kapitalmarkt investiert, trägt zwar Kursschwankungen wie im vergangenen Quartal, wurde dafür historisch mit real positiven Erträgen entschädigt. Dass ausgerechnet die Haushalte mit den geringsten Reserven die renditeschwächsten Anlageformen wählen, erklären Fachleute mit fehlendem Finanzwissen, geringen Sparbeträgen und einem hohen Sicherheitsbedürfnis. Am entgegengesetzten Ende der Risikoskala experimentieren Anleger derweil mit hochvolatilen Alternativen wie Bitcoin, das gerade gegen künftige Quantencomputer gewappnet wird. Wie sich die Lücke zwischen Arm und Reich weiterentwickelt, zeigt die nächste Quartalsauswertung der Bundesbank im Herbst.

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