Energie & Lebensmittel

Inflation trifft Familien mit niedrigem Einkommen besonders stark

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Bei Familien mit niedrigem Einkommen lag in Deutschland im Mai 2022 die Inflation bei 8,9 Prozent
  • Der haushaltsspezifische Warenkorb von Singles mit hohem Einkommen verteuert sich in diesem Monat hingegen nur um 6,5 Prozent
  • Dies lag daran, dass vor allem Haushaltsenergie, Kraftstoffe und Lebensmittel teurer wurden

Die Inflation belastet aufgrund des haushaltsspezifischen Warenkorbs vor allem Familien mit niedrigem Einkommen, die einen Großteil ihres Geldes für Haushaltsenergie, Kraftstoffe und Lebensmittel ausgeben müssen.

Düsseldorf (Deutschland). Laut einer Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) des Statistischen Bundesamts (Destatis) werden Haushalte mit niedrigen Einkommen besonders stark durch die hohe Inflation belastet. Diese lag im Mai 2022 in Deutschland bei 7,9 Prozent. Der haushaltsspezifische Warenkorb für Familien mit niedrigem Einkommen verteuerte sich hingegen um 8,9 Prozent. Am geringsten war die Inflation mit 6,5 Prozent in diesem Zeitraum beim haushaltsspezifischen Warenkorbs für Singles mit hohem Einkommen.

Bei Singles mit höheren (7,6 %) und mittleren Einkommen (7,7 %) und niedrigem Einkommen (7,8 %) lag die Inflation des spezifischen Warenkorbs ebenfalls leicht unter dem Durchschnitt. Überdurchschnittlich stark trifft die allgemeine Preissteigerung neben Familien mit niedrigem Einkommen auch Alleinerziehende mit mittleren Einkommen (8,2 %) sowie Familien mit zwei Kindern und mittleren Einkommen (8,2 %). Unterdurchschnittlich stark war die Inflation neben Singles mit hohem Einkommen auch bei Familien mit höherem Einkommen (7,6 %) und kinderlosen Paaren mit mittlerem Einkommen (7,6 %).

Differenz von 2,4 Prozent

Wie der IMK Inflationsmonitor zeigt, existierte im Mai 2022 in Abhängigkeit von der Haushaltskonstellation und dem Einkommen bei der Inflation eine Differenz von 2,4 Prozent zwischen ärmeren Familien und wohlhabenden Singles. Die Differenz war damit im Mai dreimal so hoch wie im Februar 2022. Verantwortlich dafür sind die Preistreiber Haushaltsenergie, Kraftstoffe und Lebensmittel, für die Haushalte mit niedrigen Einkommen einen Großteil ihres Geldes ausgeben müssen. Bei Familien mit zwei Kindern und niedrigem Einkommen sind diese Produktkategorien für 6,6 Prozent der haushaltsspezifischen Inflationsrate von 8,9 Prozent verantwortlich. Bei Alleinstehenden mit hohem Einkommen entfallen von der haushaltsspezifischer Teuerung von 6,5 Prozent lediglich 3,5 Prozent auf diese Komponenten.

„Der Preisanstieg bei Wohnenergie belastet Haushalte mit geringeren Einkommen überproportional und auch die Verteuerung der Nahrungsmittel schlägt sich stärker nieder“, erklären IMK-Direktor Prof. Dr. Sebastian Dullien und Inflationsexpertin Dr. Silke Tober. In den kommenden Monaten wird sich diese Entwicklung laut den Ökonomen weiter verstärken.

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