Soziale Ungleichheit

Hohe Energiepreise belasten besonders Menschen mit niedrigen Einkommen

Robert Klatt

Die deutlich höheren Energiepreise in Deutschland belasten vor allem Haushalte mit niedrigen Einkommen. Je höher das Einkommen ist, desto geringer ist die relative Mehrbelastung.

Köln (Deutschland). In Deutschland waren Benzin und Diesel noch nie so teuer wie aktuell. Auch Strom, Gas und Fernwärme sind in den letzten Monaten deutlich teurer geworden. Je nach Energieträger stiegen die Preise von Januar bis März 2022 um etwa 25 Prozent. Am höchsten sind mit 80 Prozent die Preise für Heizöl gestiegen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. (IW) hat nun untersucht, welche Haushalte durch die höheren Energiepreise besonders stark belastet werden.

Laut der Analyse des IW müssen ärmere Singlehaushalte mit einem Nettoeinkommen zwischen 1.200 und 1.600 Euro im Mittel pro Monat aktuell 51 Euro mehr für Energie- und Kraftstoffe ausgeben als zu Beginn des Jahres. Die Mehrkosten entsprechen somit 3,6 Prozent des Einkommens. Bei Singles mit Einkommen zwischen 4.000 und 4.500 pro Monat liegt die Belastung durch die höheren Energiepreise bei 92 Euro. Dies entspricht 2,2 Prozent des Einkommens.

Energiepreise belasten Familien

Diese Ungleichheit ist bei Familien mit zwei Kindern ähnlich. Liegt deren Nettoeinkommen zwischen 3.000 und 3.500 Euro liegen die monatlichen Mehrkosten bei 131 Euro (4 %). Bei einem Einkommen zwischen 7.000 und 7.500 Euro fallen 150 Euro Mehrkosten (2,1 %) an.

Neben den Preissteigerungen berücksichtigt die Analyse des IW auch den durchschnittlichen Energieverbrauch der unterschiedlichen Einkommenssichten. Die Wissenschaftler gehen von der Annahme aus, dass der Energieverbrauch sich trotz der höheren Preise nicht ändert.

Tankrabatt nicht sinnvoll

Den Tankrabatt, den Finanzminister Christian Lindner (FPD) kürzlich ins Spiel brachte, bezeichnen die Wissenschaftler des IW als  „nicht zielgenau“. Dies begründen sie damit, dass neben Benzin, Diesel, Strom und Gas in Deutschland noch viele weitere Produkte in den letzten Monaten deutlich teurer wurden. „Vorschläge wie der Tankrabatt kommen zunächst vielleicht gut an, helfen aber nicht weiter. Was wir jetzt brauchen, sind zielgenaue unbürokratische Entlastungen, die dort helfen, wo es eng wird“, erklären die IW-Ökonomen Martin Beznoska und Christoph Schröder.

Sie empfehlen daher eine Heizkostenpauschale, die die Regierung im Rahmen des Wohngelds an Haushalte mit geringen Einkommen auszahlen könnte. Zudem könnte ein pauschales „Energiegeld“, das an alle Haushalte ausgezahlt wird, die Situation entspannen. Damit niedrigen Einkommensgruppen besonders vom Energiegeld profitieren, könnte dies bei der Einkommensteuer angerechnet werden.

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