Der Wechsel zu grüner Energie galt jahrzehntelang als teures Opfer für das Klima. Eine neue Bilanz stellt diese Sicht auf den Kopf. Mehr als 90 Prozent der 2025 weltweit neu gebauten Erneuerbaren-Kapazität war günstiger als die billigste neue fossile Alternative. Allein dadurch ersparten Wind- und Solaranlagen der Welt geschätzt 480 Milliarden US-Dollar an Brennstoffkosten. Die Zahlen stammen aus dem jährlichen Kostenbericht der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien und markieren einen ökonomischen Wendepunkt.
Ob eine Stromquelle günstig ist, misst die Energiewirtschaft an den sogenannten Stromgestehungskosten, also den Gesamtkosten pro erzeugter Kilowatt- oder Megawattstunde über die gesamte Lebensdauer einer Anlage. Diese Kennzahl macht Kraftwerke unterschiedlicher Art vergleichbar, vom Gaskraftwerk bis zum Windpark. Lange sprach dieser Vergleich klar für fossile Energieträger, weil Kohle und Gas billig und die Technik ausgereift war, während Wind- und Solaranlagen als teure Nischentechnologie galten. Dieses Verhältnis hat sich in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten grundlegend gewandelt. Sinkende Herstellungskosten, größere Produktionsmengen und technische Fortschritte drückten die Preise für erneuerbare Anlagen dramatisch. Zugleich verteuerten sich fossile Kraftwerke, unter anderem durch schwankende Brennstoffpreise und in einzelnen Märkten durch Lieferengpässe bei Turbinen. Der Kostenvorteil hat sich damit umgekehrt, und genau dieser Umschwung schlägt sich nun in globalen Zahlen nieder.
Der Bericht der Internationalen Agentur für erneuerbare Energien, kurz IRENA, wertet die weltweit im Jahr 2025 neu installierten Anlagen aus. Demnach lagen die Stromgestehungskosten von Photovoltaik im Mittel bei 44 US-Dollar je Megawattstunde und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Windkraft an Land wurde noch günstiger und fiel um 4 Prozent auf 33 US-Dollar je Megawattstunde, Windkraft auf See sank um 3 Prozent auf 78 US-Dollar. Bei neuen Gaskraftwerken hingegen kletterten die Kosten, in Märkten mit hohen Gaspreisen wie Deutschland, Italien und Japan bis in die Nähe von 100 US-Dollar je Megawattstunde. Damit sind erneuerbare Energien in den meisten Märkten schlicht die günstigste Quelle für neuen Strom geworden, ein Befund, der die wirtschaftliche Grundlage der Energiedebatte verschiebt.
Die eingesparten 480 Milliarden US-Dollar an Brennstoffkosten ergeben sich daraus, dass jede mit Wind oder Sonne erzeugte Kilowattstunde eine teurere fossile Kilowattstunde ersetzt, deren Brennstoff eingekauft werden müsste, wie die IRENA in ihrer Mitteilung darlegt. Für Länder, die noch stark von Öl und Gas abhängen, bedeutet jede zusätzliche Erneuerbaren-Anlage damit einen doppelten Gewinn, denn sie senkt nicht nur die Stromkosten, sondern schützt auch vor schwankenden Brennstoffpreisen auf dem Weltmarkt. Diese Absicherung gewinnt in Zeiten geopolitischer Krisen an Bedeutung, weil sie Verbraucher, Unternehmen und Staatshaushalte unabhängiger von Preisschocks macht. Ähnliche Effekte zeigen sich auch national, denn Solarstrom hat auch Deutschland bereits Milliardenkosten erspart.
Neben den finanziellen Ersparnissen vermieden die erneuerbaren Energien 2025 nach Angaben der Agentur auch rund 8,4 Gigatonnen Kohlendioxid, was ihre doppelte Rolle als günstige Stromquelle und Klimaschutzinstrument unterstreicht. Einordnend ist wichtig, dass die genannten Werte Durchschnitte sind und regional stark schwanken, denn in Ländern mit guten Wind- und Sonnenbedingungen wie China, Indien oder Brasilien liegen die Kosten deutlich niedriger als etwa bei Offshore-Windkraft in den USA. Zudem beziehen sich die Zahlen auf neu gebaute Anlagen, nicht auf die Gesamtkosten des Stromsystems, zu dem auch Netze und Speicher gehören. Dennoch belegt der Bericht, dass der Ausbau erneuerbarer Energien längst keine rein klimapolitische Entscheidung mehr ist, sondern zunehmend die wirtschaftlich naheliegende. Damit rückt eine Zukunft näher, in der saubere Energie nicht trotz, sondern wegen ihres Preises gewählt wird.