Von: Dennis L.
Landsystemforschung

Die Welt kann auch ohne Massentierhaltung ernährt werden

Wiener Forscher belegen, dass die Massentierhaltung nicht notwendig ist, sondern lediglich der Gewinnoptimierung dient.

In der Massentierhaltung leider kein Einzelfall.
© ITamar K. / wikipedia.org

Wien (Österreich). Der Mensch prägt die Welt und das Zeitalter in dem er lebt - das Anthropozän. Doch nicht nur der Mensch beeinflusst seine Umwelt, sondern er wird auch selbst von seiner Umwelt beeinflusst. Diese Erkenntnis ist recht neu in der Wissenschaft und rückte erst um das Jahr 2000 in das Bewusstsein. So entstand die Landsystemforschung als neue Disziplin in der Wissenschaft, mitbegründet vom Südtiroler Ökologen Karlheinz Erb von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt in Wien.

Klimawandel und die Ernährung des Menschen

Die Landsystemforschung befasst sich mit den Wechselwirkungen von Naturparametern mit dem Menschen. Ein Beispiel dafür ist die vom Menschen beeinflusste Kohlenstoffdioxid-Konzentration, die wiederum durch Veränderung des Klimas Auswirkungen auf die Menschheit hat. Dies ist der Schwerpunkt in der Forschung von Erb, der die Ernährungssicherheit der Menschheit in Abhängigkeit vom Klimawandel betrachtet.

Die Zusammenhänge zwischen der Landnutzungsintensität und ihrer Auswirkungen auf die weltweite Ernährungssicherheit hat Erb in einem ERC Grant geförderten Projekt erforscht.

Höhere Erträge gegen höhere Umweltbelastung

Die Steigerung der Erträge pro Fläche hilft vermeintlich dabei die Ausweitung von landwirtschaftlich genutzter Flächen zu vermeiden und somit die Umwelt zu schonen. Tatsache ist jedoch, dass die intensivere Nutzung von Flächen die Umwelt stärker belastet, da der Aufwand zur Pflege von Monokulturen deutlich größer wird als bei einer ökologisch sinnvollen landwirtschaftlichen Nutzung.

Außerdem führt diese intensiv betriebene Landwirtschaft zu einem weiteren Problem: Zwar sinken die Preise durch die höheren Erträge, jedoch führt dies zu einem gesteigerten Konsum. Dieser hebt den Nutzen auf und eine Reduktion genutzter Flächen ist nicht möglich.

Zusätzlich steht die Massentierhaltung in Konkurrenz mit der menschlichen Ernährung. Wenn eiweißreiches Kraftfutter wie Soja, anstatt für effektivere Produktion tierischer Lebensmittel, für die menschliche Ernährung genutzt würde, müsste der Fleischkonsum um 50 Prozent reduziert werden, jedoch würden solche Pflanzen den Eiweißbedarf decken und die Umweltbelastungen würden deutlich sinken, behauptet Erb.

Gesteigerte Intensivierung der Landwirtschaft

Tatsache ist jedoch, dass die Landwirtschaft und somit die Ausbeutung der Natur nicht reduziert, sondern gesteigert wird. Dies hängt mit dem Streben nach höheren Gewinnen und fortschreitender Technisierung landwirtschaftlicher Betriebe zusammen, die überhaupt erst die Gewinnsteigerung ermöglicht.

In Deutschland bessert sich die Situation seit etwa 20 Jahren tatsächlich, jedoch liegt dies daran, dass günstigere Erzeugnisse wie Soja aus Brasilien zum Ausgleich importiert werden. Dadurch wird das Problem nicht gelöst, sondern verlagert und führt weiterhin zu Schäden an der Natur und zum Verlust von Biodiversität.

Was bleibt, ist die Frage ob die Ausbeutung der Natur für die Ernährungssicherheit nötig ist. Erb sagt, dass Massentierhaltung anstatt artgerechter Haltung lediglich den Gewinn steigert.

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