Babyboomer

Die Gen Z gönnt sich etwas während der Rest den Gürtel enger schnallt

 Dennis Lenz

Die Gen Z gönnt sich etwas während der Rest den Gürtel enger schnallt
(Symbolbild) Während viele Verbraucher in der schwachen Konjunktur sparen, gibt eine Generation auffällig bereitwillig Geld aus. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie stark sich das Konsumverhalten zwischen den Altersgruppen unterscheidet. Besonders bei größeren Anschaffungen und beim Wunsch, sich etwas zu gönnen, driften die Generationen auseinander. Wer am meisten spart und wer sich am ehesten etwas leistet, ist dabei überraschend eindeutig. (Foto: © Forschung und Wissen)

Während die meisten Verbraucher in der schwachen Konjunktur den Gürtel enger schnallen, hebt sich eine Generation deutlich ab. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Gen Z trotz Krisenstimmung mit Abstand am ehesten bereit ist, sich bewusst etwas zu gönnen, während ältere Altersgruppen ihre Ausgaben zurückfahren. Der Riss verläuft dabei quer durch die Bevölkerung und fällt zwischen den Jüngsten und den Ältesten besonders stark aus. Dahinter steckt mehr als nur eine unterschiedliche Kassenlage, denn die Generationen bewerten Konsum, Sicherheit und Zukunft grundlegend verschieden.

Das Konsumverhalten gilt als empfindlicher Gradmesser für die Stimmung einer Volkswirtschaft, weil die privaten Ausgaben einen großen Teil der gesamten Wirtschaftsleistung ausmachen. In Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit halten viele Menschen ihr Geld zusammen, schieben größere Anschaffungen auf und beschränken sich auf das Nötigste. Doch dieser Reflex ist nicht bei allen gleich stark ausgeprägt. Gerade jüngere Verbraucher wägen anders ab, weil für sie Erlebnisse und der Moment oft schwerer wiegen als langfristige Rücklagen. Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die weit über die reine Kaufkraft hinausgeht: Wie unterschiedlich gehen die Generationen mit Geld um, wenn die wirtschaftliche Lage angespannt bleibt und die Zukunft ungewiss erscheint? Genau hier setzen aktuelle Verbraucherbefragungen an und liefern überraschend klare Antworten.

Eine international angelegte Untersuchung vergleicht die Stimmung der Verbraucher über mehrere europäische Länder hinweg und schlüsselt die Ergebnisse nach Altersgruppen auf. Sie erfasst nicht nur, wie optimistisch die Menschen in die Zukunft blicken, sondern auch, in welchen Bereichen sie mehr oder weniger ausgeben wollen und wie stark sie bereit sind, sich trotz angespannter Lage etwas zu leisten. Für Deutschland zeigt sich dabei ein zwiespältiges Bild, das die verbreitete Annahme, in der Krise sparten schlicht alle gleichermaßen, deutlich in Frage stellt. Stattdessen tritt ein klarer Generationenunterschied zutage, der sowohl für den Handel als auch für die Einschätzung der künftigen Konsumentwicklung von erheblicher Bedeutung ist und die Debatte über Geld und Verantwortung neu befeuert.

Warum die Gen Z trotz Krise ausgibt

Nach der Verbraucherstudie der Beratung McKinsey ist die Gen Z die mit Abstand ausgabefreudigste Generation. Rund 56 Prozent von ihnen planen, sich bewusst etwas zu gönnen, verglichen mit 39 Prozent bei den Millennials, 28 Prozent bei der Generation X und lediglich 21 Prozent bei den Babyboomern. Besonders bei Reisen sind die Jüngeren bereit, sich trotz Spardruck etwas zu leisten. Das Muster zeigt sich europaweit und ist in Deutschland klar erkennbar. Für die junge Generation steht offenbar der Wunsch nach Erlebnissen im Vordergrund, während der Aufbau von Rücklagen in den Hintergrund tritt, was sich deutlich vom vorsichtigen Verhalten der älteren Altersgruppen abhebt.

Wie vorsichtig der Rest bleibt

Bei der breiten Bevölkerung überwiegt dagegen die Zurückhaltung. Nur rund 21 Prozent der Deutschen blicken optimistisch auf die wirtschaftliche Entwicklung, ein Wert, der zuletzt sogar weiter gesunken ist. Rund 40 Prozent nennen wirtschaftliche Unsicherheit und Inflation als größte Herausforderung, und viele planen, bei größeren Anschaffungen wie Möbeln zu sparen. Zwar zählen die deutschen Verbraucher im europäischen Vergleich zu den stabilsten und sind am wenigsten geneigt, ihren Konsum drastisch zu kürzen, doch von echter Kauflust ist wenig zu spüren. Dass diese Vorsicht durchaus begründet ist, zeigt sich daran, dass Untersuchungen dem Bargeld einen erheblichen gesellschaftlichen Nutzen zuschreiben, wie eine Studie zum Wert des Bargelds verdeutlicht.

Was der Generationenriss beim Geld bedeutet

Der wachsende Unterschied im Konsumverhalten ist mehr als eine Randnotiz, denn er verschiebt langfristig die Gewichte im Handel. Mit steigender Kaufkraft der jüngeren Generationen gewinnen deren Vorlieben an Bedeutung, während die sparsameren Babyboomer bislang einen großen Teil der Nachfrage tragen. Für Unternehmen wird es damit entscheidend, die unterschiedlichen Erwartungen der Altersgruppen zu verstehen und Angebote gezielt darauf zuzuschneiden. Zugleich verändert sich, wie und wo bezahlt wird, denn jüngere Konsumenten sind besonders offen für neue Bezahl- und Handelsformen, was sich auch daran zeigt, dass immer mehr Einzelhändler digitale Zahlungen anbieten wollen. Der Generationenriss beim Geld dürfte den Konsum der kommenden Jahre damit stärker prägen als die konjunkturelle Großwetterlage allein.

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