Fachkräftemangel

Deutsche MINT-Studenten scheitern häufig an Mathe

Robert Klatt

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Auf den Punkt gebracht
  • In Deutschland ist der MINT-Bereich bei Studienanfängern beliebt
  • Etwa die Hälfte der Erstsemester bricht ihr Studium aufgrund unzureichender mathematischer Kompetenzen jedoch ab
  • Dies wird den Fachkräftemangel in den kommenden Jahren deutlich verstärken

In Deutschland ist der MINT-Bereich bei Studienanfängern sehr beliebt. Viele Studenten scheitern jedoch an der Mathematik und brechen ihr Studium ab.

München (Deutschland). In Deutschland gab es im Oktober 2021 laut dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) 53.800 offene Arbeitsplätze für Informatiker. Der Branchenverband Bitkom e. V. erklärte Anfang 2022 sogar, dass 96.000 offene Stellen für IT-Fachkräfte existieren. In den kommenden Jahren könnte sich dieses Problem weiter verstärken. Eine Prognose der Boston Consulting Group (BCG) kam etwa kürzlich zu dem Ergebnis, dass in Deutschland bis 2030 rund 1,1 Millionen IT-Fachkräfte fehlen werden, weil Digitalisierung der Verwaltung, die verstärkte Homeoffice-Nutzung und neue digitale Geschäftsmodelle den Arbeitskräftebedarf rapide steigen lassen.

Das MINT Nachwuchsbarometer der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e. V. zeigt nun einen der Ursachen des Fachkräftemangels in der Bundesrepublik. Bei der Entscheidung zwischen einer Ausbildung oder einem Studium im IT-Bereich fällt die Entscheidung bei vielen jungen Menschen auf eine Universität oder Fachhochschule. Etwa die Hälfte der Studenten in MINT-Fächern bricht ihr Studium aufgrund „unzureichender mathematischer Kompetenzen“ jedoch wieder ab.

Zulassungsbeschränkungen in MINT-Studiengängen

„Viele MINT-Studiengänge haben keine Zulassungsbeschränkungen, so dass auch Abiturientinnen und Abiturienten mit erheblichen MINT-Defiziten ein Studium aufnehmen können“, heißt es in der Studie. In den kommenden Jahren werden die Abbruchquoten sehr wahrscheinlich laut den Autoren noch weiter steigen, „da Universitäten und Hochschulen ihre Prüfungsregelungen pandemiebedingt eher großzügiger gehandhabt haben und vermutlich mehr Studierende nicht prüfungsaktiv sind“.

Viele Studienanfänger im MINT-Bereich

Die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik haben an deutschen Hochschulen den zweitgrößten Anteil von Erstsemestern (37 %). Lediglich in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften beginnen noch mehr Menschen ein Studium. In den letzten Jahren sank die Anzahl der Neuanmeldungen in MINT-Studiengängen leicht.

Im Studienjahr 2020/2021 nahmen sechs Prozent weniger Erstsemester ein MINT-Studium auf als im Vorjahr. Dieser rückläufige Trend tritt aber auch bei anderen Fachbereichen auf. Mit mehr Studienanfängern im MINT-Bereich und in anderen Fächern ist erst in etwa zehn bis 15 Jahre zu rechnen, weil die kommenden Jahre noch von geburtenschwachen Jahrgänge geprägt sein werden.

Frauenanteil im MINT-Bereich weiterhin gering

Etwa die Hälfte der Studenten im MINT-Bereich immatrikuliert sich für ein ingenieurwissenschaftliches Fach. Die Informatik und die Naturwissenschaften haben jeweils einen Anteil von knapp 20 Prozent. Am wenigsten Erstsemester im MINT-Bereich schreiben sich für ein Mathematikstudium (10 %) ein. Auch der Frauenanteil bei Erstsemestern (33 %) und Absolventen (25 %) ist im MINT-Bereich weiterhin niedrig.

Eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands Bitkom aus dem März 2022 zeigt, dass auch der Frauenanteil in deutschen IT-Unternehmen noch immer niedrig ist. Die Branche ist daher „auf Frauen angewiesen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen und nachhaltiges Wachstum zu sichern“.

Qualifiziertes Lehrpersonal im MINT-Bereich

„Die viel diskutierten Herausforderungen, genügend qualifiziertes Lehrpersonal zu gewinnen sowie Mädchen und junge Frauen in MINT zu stärken, erfordern jetzt ein gemeinsames, abgestimmtes Handeln der Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft, Bildungspraxis und Wissenschaft. MINT-Bildung ist die Basis einer souveränen Gestaltung von technologischem Fortschritt und gesellschaftlichem Wandel“, heißt es dazu im MINT Nachwuchsbarometer.

Die gewählten Fächer der Lehramtsstudenten machen leider wenig Hoffnung. Von den insgesamt 13.000 Abiturienten, die im Wintersemester 2021/2022 ein Lehramtsstudium mit einem MINT-Fach begannen, hat sich nur ein kleiner Teil (4 %) für Informatik entschieden. Beliebt waren hingegen Mathematik (50 %) und Biologie (25 %). Es droht somit ein Mangel an Informatiklehrern.

Informatik als Pflichtfach in Schulen

Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, hat zuletzt das Saarland entschieden, ob dem Schuljahr 2023/2024 Informatik als Pflichtfach einzuführen. Die Wirtschaft und Politik erhoffen sich durch diesen Schritt, das Interesse von Frauen an den IT-Berufen zu wecken. Dieser Schritt wirft jedoch die Frage auf, wie der Bedarf an qualifiziertem Informatiklehrkräfte an Schulen gedeckt werden kann.

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