Klimawandel

7,3 Milliarden Euro Mehrkosten durch Tempo 100

Robert Klatt

Ein generelles Tempolimit würde hohe Mehrkosten für die deutsche Wirtschaft verursachen und ist aus Kosten-Nutzen-Sicht auch unter Beachtung der Klimaschutzgründe und der geringeren Anzahl Verkehrstoter laut einer Studie daher kaum zu rechtfertigen.

Kiel (Deutschland). Der deutsche Verkehrssektor muss 55 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente einsparen, um die Klimaziele 2030 einhalten zu können. Laut dem Umweltbundesamt (UBA) ist dies nur durch ein generelles Tempolimit auf allen Autobanen möglich. Eine kürzlich veröffentlichte Studie des UBA zeigt, dass ein Tempolimit von 130 km/h die Treibhausgasemissionen  um 1,9 Millionen Tonnen reduzieren würde, ein Tempolimit von 100 km/h könnte sogar 5,4 Millionen Tonnen  Treibhausgasemissionen vermeiden.

Dirk Messner, der Präsident des UBA erklärt dazu, dass „ein Tempolimit auf Autobahnen weitgehend kostenlos ist und kurzfristig wirkt.“ Laut Messner „befürchtet das UBA, dass der Verkehrssektor ohne die Einführung eines Tempolimits seine Emissionsziele nach dem Klimaschutzgesetz in den nächsten Jahren deutlich verfehlen wird.“

Hohe volkswirtschaftliche Kosten

Eine nun veröffentlichte Studie des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) des Ökonomen Ulrich Schmidt widerspricht dem UBA deutlich. Laut Schmidt hätte ein generelles Tempolimit „bedeutende volkswirtschaftliche Kosten“ und kann deshalb keinesfalls als kostenneutraler Beitrag zum Klimaschutz angesehen werden.

Verantwortlich dafür ist laut Schmidt, dass das UBA ignoriert hat, dass „der langsamere Verkehr zu Zeitverlust und damit Kosten für die Fahrenden führt.“ Die Berechnung von Schmidt basiert auf den angenommenen jährlichen Fahrleistungen des UBA und den höheren Fahrzeiten durch das Tempolimit. Den daraus entstehenden Zeitverlust hat der Ökonom mit einem üblichen Stundenlohn multipliziert. Laut den Ergebnissen dieser Berechnung würde ein Tempolimit von 130 km/h 1,3 Milliarden Euro Kosten verursachen, ein Tempolimit von 100 km/h sogar von 7,3 Milliarden Euro.

716 bis 1382 Euro je Tonne CO2

In Bezug auf die laut dem UBA möglichen CO2-Einsparungen würden die Mehrkosten durch den Zeitverlust pro Tonne CO2 einen Preis von 716 bis 1382 verursachen. Im europäischen Emissionshandelssystems kostet eine Tonne CO2 aktuell 25 Euro. Laut Schmidt „lässt sich allein aus Klimaschutzgründen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen aus Kosten-Nutzen-Sicht deshalb nicht rechtfertigen.“

Weniger Verkehrstote

Neben den CO2-Einsparungen, die positiv auf den Klimawandel wirken sollen, würde ein generelles Tempolimit von 130 km/h laut einer Modellrechnung des SPIEGEL-Datenteams pro Jahr bis zu 140 Todesfälle im Straßenverkehr verhindern. Unter Berücksichtigung des Wertes eines Menschenlebens, den das UBA bereits in einem anderen Zusammenhang mit vier Millionen Euro angegeben hat, liegen die Kosten der Volkswirtschaft bei einem generellen Tempolimit von 130 km/h bei 6,7 Milliarden Euro, bei einem Tempolimit von 100 km/h bei 990 Millionen Euro.

Schmidt konstatiert daher, dass auch unter Berücksichtigung der Verkehrstoten „ein generelles Tempolimit zwischen 100 und 130 km/h als Maßnahme für den Klimaschutz aus volkswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Sicht daher abzulehnen ist.“

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