Osteoporose und Getränke

Zehn Jahre Teetrinken zeigen sich messbar im Hüftknochen

 Dennis Lenz

Zehn Jahre Teetrinken zeigen sich messbar im Hüftknochen
(Symbolbild) Die Studie of Osteoporotic Fractures begleitete 9.704 Frauen ab 65 Jahren über rund zehn Jahre und erfasste dabei wiederholt sowohl die Trinkgewohnheiten als auch die Knochendichte an Hüfte und Oberschenkelhals. Eine Auswertung der australischen Flinders University fand bei Teetrinkerinnen eine geringfügig höhere Knochendichte an der gesamten Hüfte. Für Kaffee zeigte sich insgesamt kein Zusammenhang, erst oberhalb von fünf Tassen täglich deutete sich eine niedrigere Dichte an. (Foto: © Forschung und Wissen)

Kaffee oder Tee ist für viele eine reine Geschmacksfrage, doch eine Langzeitauswertung mit fast 10.000 Frauen findet einen messbaren Unterschied im Knochen. Wer Tee trank, hatte über zehn Jahre hinweg eine leicht höhere Knochendichte an der Hüfte. Für Kaffee zeigte sich insgesamt kein Nachteil, allerdings mit einer Einschränkung oberhalb einer bestimmten Tagesmenge. Die Zahlen verlangen zugleich eine nüchterne Einordnung.

Osteoporose gehört zu den folgenschwersten Alterserkrankungen. Nach der Menopause sinkt der Östrogenspiegel, und der Knochenabbau beschleunigt sich, weshalb rund jede dritte Frau über 50 im Lauf ihres Lebens einen osteoporosebedingten Bruch erleidet. Besonders gefürchtet ist der Oberschenkelhalsbruch, der häufig eine Operation, den Verlust der Selbstständigkeit und eine lange Rehabilitation nach sich zieht. Als Maß für das Bruchrisiko dient die Knochenmineraldichte, die mit einem speziellen Röntgenverfahren an definierten Stellen gemessen wird, vor allem an der gesamten Hüfte und am Oberschenkelhals. Weil sich Ernährungsgewohnheiten leicht ändern lassen, sucht die Forschung seit Jahren nach Alltagsfaktoren, die diesen Abbau bremsen könnten. Kaffee und Tee stehen dabei seit Langem im Verdacht, in beide Richtungen zu wirken.

Bisherige Untersuchungen kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen, was vor allem an ihrer Anlage lag: Meist wurden Trinkgewohnheiten und Knochendichte nur einmal erfasst. Ein Team der australischen Flinders University um Ryan Yan Liu und Enwu Liu wählte deshalb einen anderen Weg und griff auf die Study of Osteoporotic Fractures zurück, eine große amerikanische Langzeituntersuchung mit 9.704 Frauen ab 65 Jahren. Deren Kaffee- und Teekonsum wurde über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren mehrfach per Fragebogen abgefragt, und parallel dazu wurde die Knochendichte wiederholt gemessen. Diese wiederholte Erfassung beider Größen ist der eigentliche methodische Gewinn, weil sich damit Verläufe statt Momentaufnahmen auswerten lassen.

Der Unterschied beträgt drei Tausendstel

Bei Teetrinkerinnen fand sich eine höhere Knochendichte an der gesamten Hüfte, wie die Auswertung in der Fachzeitschrift Nutrients berichtet. Konkret lagen die Werte bei 0,718 gegenüber 0,715 Gramm pro Quadratzentimeter, ein Unterschied von 0,003 Gramm pro Quadratzentimeter, der statistisch abgesichert war. Zur Einordnung: Über den gesamten Untersuchungszeitraum sank die durchschnittliche Hüftdichte aller Teilnehmerinnen von etwa 0,76 auf 0,73 Gramm pro Quadratzentimeter, der Alterseffekt ist also rund zehnmal größer als der Teeeffekt. Für eine einzelne Frau liegt der gemessene Unterschied unterhalb dessen, was klinisch als bedeutsam gilt. Über große Bevölkerungsgruppen hinweg, so das Argument des Studienleiters, könnten selbst kleine Verschiebungen dennoch zu weniger Brüchen führen.

Beim Kaffee kommt es auf die Menge an

Für Kaffee ergab die Hauptauswertung keinen statistisch bedeutsamen Zusammenhang mit der Knochendichte, weder am Oberschenkelhals noch an der Hüfte. Erst eine feinere Analyse, die den Zusammenhang über den gesamten Mengenbereich abbildete, zeigte ein Muster: Oberhalb von etwa fünf Tassen täglich deutete sich eine niedrigere Knochendichte an. Wer moderat Kaffee trinkt, muss demnach nach dieser Datenlage nichts ändern. Diese differenzierte Botschaft passt zu anderen Untersuchungen, die dem Getränk auch günstige Effekte zuschreiben, etwa dass Kaffeetrinker weniger Bauchfett und mehr Muskeln aufweisen. Entscheidend bleibt die Menge, nicht das Getränk an sich.

Warum eine Beobachtungsstudie keine Ursache beweist

Die wichtigste Einschränkung liegt im Studiendesign. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, die Zusammenhänge beschreibt, aber keine Ursachen belegt. Die Autoren haben zwar für Alter, Körpergewicht, Rauchen, Begleiterkrankungen und Medikamente gerechnet, doch Teetrinkerinnen unterschieden sich auch in anderer Hinsicht von Nichttrinkerinnen: Sie nahmen etwas mehr Eiweiß zu sich, tranken weniger Alkohol und rauchten seltener. Ob also der Tee wirkt oder das Lebensmuster dahinter, lässt sich aus diesen Daten nicht trennen. Hinzu kommt, dass der Konsum per Selbstauskunft erfasst wurde, was Ungenauigkeiten mit sich bringt, und dass ausschließlich ältere Frauen untersucht wurden. Für Männer und jüngere Menschen gelten die Ergebnisse nicht.

Was tatsächlich gegen Knochenschwund hilft

Wer seine Knochen schützen will, findet in der Getränkewahl deshalb höchstens einen Randfaktor. Belegt wirksam sind eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D, regelmäßige Bewegung mit Belastung des Skeletts wie Gehen, Treppensteigen oder Krafttraining, der Verzicht auf das Rauchen sowie ein maßvoller Alkoholkonsum. Bei erhöhtem Risiko kommen Messungen der Knochendichte und gegebenenfalls Medikamente hinzu. Wie stark körperliche Belastung wirkt, zeigen Untersuchungen, wonach bereits zwei Stunden Krafttraining pro Woche das Sterberisiko senken. Die Teetasse ersetzt das nicht, sie schadet aber nach dieser Auswertung auch nicht.

Nutrients, Longitudinal Association of Coffee and Tea Consumption with Bone Mineral Density in Older Women; doi:10.3390/nu17233660

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