Einkommensschichten

Wohlhabende Menschen sind während der Covid-Pandemie vorsichtiger

Robert Klatt

Menschen mit hohem Einkommen haben ihr Verhalten während der Covid-Pandemie stärker angepasst als Personen mit geringem Einkommen. Die Einstellung gegenüber Maßnahmen wie Social Distancing ist hingegen in allen Einkommensschichten nahezu gleich.

Baltimore (U.S.A.). Laut einer Studie der Johns Hopkins University (JHU) haben Menschen mit einem hohen Einkommen während der Covid-19-Pandemie häufiger ihr Verhalten geändert als Menschen mit einem mittleren oder geringen Einkommen. Dies äußerte sich unter anderem darin, dass diese Personen stärker auf Hygienemaßnahmen und Social Distancing geachtet haben.

Befragt wurden für die im Journal of Population Economics publizierte Studie eintausend Menschen aus vier US-Bundesstaaten (Texas, Florida, Kalifornien und New York) sowie Menschen aus China, Großbritannien, Italien, Japan und Südkorea.

Fragebogen zum Verhalten während der Pandemie

Die Probanden der Studie beantworteten einen Fragebogen zu ihren Wohn- und Arbeitsverhältnissen und dem Haushaltseinkommen. Außerdem stellten die Wissenschaftler Fragen zur Verhaltensänderung der Studienteilnehmer und ihrer Meinung zu den Maßnahmen. Insgesamt enthielt der Fragebogen 15 Verhaltensweisen, die das Infektionsrisiko eines Menschen beeinflussen, wie zum Beispiel Besuche der Familie, das Händewaschen, eine gesunde Ernährung und die Arbeit im Home-Office.

Verhalten während der Covid-Pandemie vom Einkommen abhängig

Laut den Ergebnissen der Umfrage hängt das Verhalten während der Covid-Pandemie stark vom Einkommen ab. Menschen im obersten Quintel des Einkommens haben ihr grundsätzliches Verhalten 13 Prozent häufiger geändert als der Durchschnitt. Sie achten zu 30 Prozent häufiger auf das Tragen von Masken und das regelmäßige Händewaschen und zu 32 Prozent häufiger auf Social Distancing.

Maßnahmen wie zum Beispiel Social Distancing, die das Ansteckungsrisiko reduzieren sollen, werden unabhängig vom Einkommen aber von 97 Prozent der Umfrageteilnehmer als sinnvoll eingestuft. Zu einer tatsächlichen Änderung des Verhaltens führt diese positive Einstellung gegenüber den Maßnahmen aber vor allem bei Menschen mit hohen Einkommen.

Ursache: Wohn- und Arbeitsverhältnisse der unteren Einkommensschichten

Als Grund dafür sehen die Forscher vor allen die schlechteren Wohn- und Arbeitsverhältnissen von Menschen mit geringem Einkommen. Diese haben zum Beispiel deutlich seltener die Option im Home-Office zu arbeiten. Menschen, die im Home-Office arbeiten, achten im Allgemeinen jedoch zu 24 Prozent häufiger auf das Social Distancing als Personen, die diese Möglichkeit nicht haben.

Hinzukommt, dass Menschen, die im Home-Office arbeiten können, im Mittel bessere Wohnverhältnisse haben. Sie verfügen häufiger über einen Garten oder einen Balkon, der einen Aufenthalt im Freien ermöglicht, ohne dabei mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Personen mit eigenem Garten oder Balkon achten laut der Umfrage deshalb zu 20 Prozent häufiger als Social Distancing.

Widerspruch bei Personen mit Vorerkrankungen

Ähnlich widersprüchliche Ergebnisse zeigt die Umfrage auch bei Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, die das Sterberisiko bei Covid-19 stark beeinflussen. Auch diese Personen achten weniger stark auf Social Distancing, obwohl eine Infektion deutlich höhere Risiken birgt.

Journal of Population Economics, doi: 10.1007/s00148-020-00818-x

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