Kommt bald die Krebsimpfung?

Wissenschaftler entwickeln Impfstoff gegen Hirntumore

D. Lenz

Heidelberger Krebsforscher entwickeln derzeit einen Impfstoff gegen Hirntumore, der schon bald am Menschen getestet werden soll.

Heidelberg (Deutschland). Gliome sind bösartige, unheilbare Hirntumore, an denen jährlich mehrere hunderttausend Menschen erkranken und ähnlich viele sterben. In den meisten Fällen liegt die Lebenserwartung unter einem Jahr. Der Tumor führt oftmals zu einem raschen Tod – zumindest bis jetzt. Denn Heidelberger Krebsforscher konnten nun einen Impfstoff entwickeln, der bei Mäusen das Tumorwachstum stoppte. Das Universitätsklinikum Heidelberg ist zuversichtlich, dass die Tumorimpfung auch für den Menschen kommen wird. Eine klinische Studie wird momentan geplant.

Tumorimpfungen sind nur dann möglich, wenn sich die Proteinstruktur der Tumorzellen von der Struktur gesunden Zellen unterscheidet. Im Fall der Gliome (mutierte Stützzellen des zentralen Nervensystems) ist man darauf gestoßen, dass in den meisten Fällen ein und die selbe Mutation vorliegt. Das Enzym Isocitrat-Dehydrogenase (kurz: IDH1) wird dabei an genau einer bestimmten Stelle verändert, was die Mutation der Krebszelle hochspezifisch macht und den Immunologen hervorragend in die Hände spielt.

Keine andere Tumorart zeigt in solcher Häufigkeit die selbe spezifische Mutation, wie die Gliome. Das veränderte Protein ist auf allen Zellen eines Tumors vorhanden, was bedeutet, dass eine Impfung gegen das mutierte IDH1 gegen einen Großteil der Gliome immun machen würde, erklärt Michael Platten von der Uniklinik Heidelberg. Die Studie wurde im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Wie funktioniert die Tumor-Impfung?

Ziel ist es letztendlich, eine Immunität gegen die Krebszellen zu schaffen. Das gelang den Hirnforschern dadurch, dass sie ein Peptid kreierten, dass genau die spezifische Mutation des IDH1 enthielt und mit MHC-Molekülen kompatibel ist (die für Immunreaktionen im menschlichen Organismus zuständig sind). Und tatsächlich: Nach der Injektion des Peptids bildeten sich Antikörper und das Tumorwachstum wurde innerhalb kurzer Zeit gestoppt. Die gesunden, nicht mutierten IDH1-Zellen blieben dabei wie erwartet unversehrt.

Um sicherzustellen, dass die Methode auch beim Menschen funktioniert, pflanzten sie den Mäusen vorab menschliche MHC-Moleküle ein.

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