Magic Mushrooms

Wirkung von Zauberpilzen im Gehirn entschlüsselt

Robert Klatt

Auf den Punkt gebracht
  • Psilocybin, ein psychoaktiver Stoff aus Zauberpilzen (Magic Mushrooms), wird zur Therapie psychiatrischer Krankheiten verwendet
  • Laut Magnetresonanzbildern beeinflusst die Droge die funktionelle Konnektivität im Gehirn
  • Dies ermöglicht Patienten neue Sicht- und Empfindungsweisen auf ihr Leben 

Psilocybin, ein psychoaktiver Stoff aus Zauberpilzen (Magic Mushrooms), wird zur Therapie psychiatrischer Krankheiten verwendet. Nun wurde entschlüsselt, wie die Droge ihre Wirkung auslöst.

London (England). Die Medizin nutzt Psilocybin, einen psychoaktiven Stoff aus Zauberpilzen (Magic Mushrooms) seit einigen Jahren zur Therapie unterschiedlicher psychiatrischer Krankheiten, etwa Depressionen, Zwangsstörungen und Suchterkrankungen. Bisher konnte die Wissenschaft trotz vieler Studien jedoch noch nicht genau verstehen, wieso die Droge sich positiv auf viele Krankheiten auswirkt.

Eine neue Untersuchung des Imperial College London zeigt nun, dass Psilocybin die Funktion der neuronalen Netzwerke im Gehirn neu ausrichtet, weil es die Verbindungen zwischen Hirnbereichen verändert. Laut der Publikation im Fachmagazin Nature Medicine haben die Wissenschaftler anhand von Magnetresonanzbildern von 59 Probanden aus zwei klinischen Studien analysiert, ob sich das Gehirn durch eine Behandlung mit Psilocybin verändert.

Magnetresonanzbilder im Vergleich

Die Hirnscans dieser Probanden verglichen die Forscher mit Hirnscans von Personen, die statt der Rauschdroge das Antidepressivum Escitalopram bekommen hatten. Sie konnten dabei feststellen, dass die funktionale Konnektivität der neuronalen Netzwerke durch die Therapie mit Psilocybin zunimmt. Diese Zunahme korrelierte laut den Autoren mit der Linderung der Symptome der Depression. Bei den Probanden, die das herkömmliche Medikament erhielten, konnten die Wissenschaftler keine Veränderung des Gehirns feststellen.

Bereits zuvor haben Studien zudem bewiesen, dass der Wirkstoff aus den Pilzen gegen Depressionssymptome schneller und nachhaltiger wirkt als gängige Medikamente. Auch dass der Pilz die funktionelle Konnektivität, also die Zusammenarbeit der Hirnareale, neu ausrichtet, haben Wissenschaftler zuvor vermutet.

Psychedelika beeinflussen funktionelle Konnektivität

Bei Menschen mit einer Depression geht die funktionelle Konnektivität stark zurück. Diesem Prozess scheinen Psychedelika wie Psilocybin entgegenzuwirken, indem sie neue Verknüpfungen zwischen Hirnnetzwerken auslösen. Laut den Autoren könnte dieser Prozess dazu führen, dass Patienten neue Sicht- und Empfindungsweisen erleben und ihre Situation anders betrachten.

„Die erhöhte funktionelle Verbindung könnte einer beschriebenen subjektiven erhöhten Flexibilität und emotionalen Entspannung entsprechen“, so Matthias Liechti. Laut ihm ist es überdies bemerkenswert, dass „die akute subjektive angenehme Wirkung von Psilocybin sehr gut mit dem therapeutischen Effekt korreliert“.

Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-022-01744-z

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