Gesundheitsrisiken

Warnung vor multiresistenten Bakterien in Hundefutter

Robert Klatt

Rohes tiefgekühltes Hundefutter enthält sehr oft multiresistente Bakterien, die auch auf den Menschen überspringen können.

Porto (Portugal). Wissenschaftler der Universität Porto haben 55 Proben von 25 gängigen Hundefuttermarken auf resistente Bakterien untersucht. Bei 14 der 55 Proben handelte es sich um Futter aus Lachs, Gans, Pute, Rind, Lamm und anderen Fleischsorten sowie Gemüse, das roh gefroren wurde. Laut ihrer Publikation im International Journal of Food Microbiology enthielten alle tiefgekühlten Futterproben antibiotikaresistente Enterokokken. Es handelt sich dabei um kugelförmige Bakterien, die bei zahlreichen Säugetieren, darunter auch dem Menschen zur normalen Darmflora gehören, die aber auch schwere Infektionen der Harnwege auslösen können, wenn sie außerhalb des Darmbereichs auftreten.

In vielen gefrorenen Futterproben wurden außerdem Bakterien gefunden, die gegen das Antibiotikum Linezolid eine Resistenz entwickelt haben. Es handelt sich dabei um den Wirkstoff, der bei Enterokokken eingesetzt wird, wenn alle anderen Antibiotika bei der Behandlung versagt haben. Überdies entdeckten die Wissenschaftler in einzelnen Proben von Nassfutter ebenfalls resistente Bakterien.

Stärkeres Bewusstsein für Gesundheitsrisiken

Die Wissenschaftler warnen deshalb davor, dass„der Trend, Hunde mit rohem Futter zu füttern, die Ausbreitung von resistenten Bakterien begünstigen könnte.“ Die europäischen Behörden sollten laut den Studienautoren demnach ein stärkeres Bewusstsein für die von rohem Hundefutter ausgehenden Gesundheitsrisiken entwickeln. Um das Ansteckungsrisiko zu minieren, empfehlen die Forscher nach dem Füttern von Hunden oder dem Einsammeln von Hundekot die Hände gründlich mit Seife zu waschen.

Ansteckungsrisiko für Hundebesitzer

Eine auf dem European Congress of Clinical Microbiology & Infectious Diseases vorgestellte Studie belegt überdies, dass eine Übertragung multiresistenter Keime zwischen Hunden und ihrem Besitzer prinzipiell möglich ist. Untersucht wurden im Rahmen der Studie der Universität Lissabon 126 Menschen und ihre 102 Hunde auf Bakterien, die gegen das Antibiotikum Colistin resistent sind. Es handelt sich dabei um eine Reserveantibiotikum, das nur zur Behandlung eingesetzt wird, wenn andere Antibiotika keine Erfolge brachten.

Dabei entdeckten die Wissenschaftler bei vier Menschen und ihren Hunden tatsächlich das Bakterium. Eine genetische Analyse zeigte, dass die Erreger bei Mensch und Hund identisch waren. Es ist demnach, obwohl nicht nachgewiesen werden kann, ob sich der Mensch oder der Hund zuerst ansteckte, wahrscheinlich, dass die Erreger vom Tier auf den Menschen übertragen wurden. Katzen, die in der Studie ebenfalls untersucht wurden, waren davon nicht betroffen.

International Journal of Food Microbiology, doi: 10.1016/j.ijfoodmicro.2021.109284

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