Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

Vitaminpräparate scheinen den Alterungsprozess leicht zu bremsen

 Robert Klatt

Vitaminpräparate reduzieren Alterung bei Senioren )moc.sotohptisopedkitsnor(Foto: © 

Ein kombiniertes Vitamin- und Mineralstoffpräparat bremst laut epigenetischen Markern mehrere biologische Alterungsprozesse des Menschen messbar.

Boston (U.S.A.). Die Umsätze der Nahrungsergänzungsmittelindustrie nehmen kontinuierlich zu, obwohl die Wirkung der meisten Präparate bisher noch nicht durch die Wissenschaft belegt wurde. Forscher des Mass General Brigham (MGB) haben nun eine Studie publiziert, die erstmals belegt, dass die regelmäßige Einnahme von Vitaminpräparaten bei Senioren die natürliche Alterung leicht bremst. Die zusätzlich zugeführten Vitamine führen demnach dazu, dass bestimmte biologische Alterungsprozesse langsamer ablaufen.

„Viele Menschen nehmen ein Multivitaminpräparat ein, ohne unbedingt zu wissen, welche Vorteile es haben könnte. Je mehr wir über seine möglichen gesundheitlichen Vorteile erfahren können, desto besser. Im Rahmen von COSMOS haben wir das Glück und freuen uns darauf, auf einer umfangreichen Sammlung von Biomarkerdaten aufzubauen, um zu untersuchen, wie zwei Interventionen das biologische Altern verbessern und altersbedingte klinische Folgen verringern könnten.“

Im Rahmen der Studie wurde untersucht, ob ein Nahrungsergänzungsmittel (NEM) mit 30 Vitaminen und Mineralstoffen, die jeweils hundert Prozent der empfohlenen Tagesdosis abdecken, und ein NEM mit einem Kakaoextrakt, das Flavanole enthält, den Alterungsprozess beeinflussen. Die knapp eintausend Probanden waren im Mittel 70 Jahre alt und nahmen über einen Zeitraum von zwei Jahren eines der NEM, beide NEM oder ein Placebo ein.

Geringere Alterungsrate durch Multivitaminpräparat

Die Analyse der epigenetischen Marker für das Altern zeigt, dass zwei von fünf Alterungsraten bei Probanden, die das kombinierte Vitamin- und Mineralstoffpräparat eingenommen haben, signifikant langsamer abgelaufen sind als bei der Kontrollgruppe. Bei drei der fünf epigenetischen Marker wurden hingegen keine messbaren Unterschiede durch das Multivitaminpräparat entdeckt. Das Kakaoextrakt hat keinen der fünf epigenetischen Marker beeinflusst.

„Heute besteht großes Interesse daran, Wege zu finden, nicht nur länger zu leben, sondern auch besser zu leben. Es war spannend zu sehen, dass die Vorteile eines Multivitamins mit Markern des biologischen Alterns in Verbindung stehen. Diese Studie eröffnet die Möglichkeit, mehr über zugängliche und sichere Maßnahmen zu erfahren, die zu einem gesünderen Altern und zu einer höheren Lebensqualität im Alter beitragen.“

Bei Personen, die das Vitamin- und Mineralstoffpräparat für zwei Jahre täglich eingenommen hatten, liefen das PCPhenoAge und PCGrimAge, die in der Medizin als Indikatoren für das Sterblichkeitsrisiko gelten, langsamer ab. Die Zunahme des biologischen Alters ist laut PCGrimAge 1,4 Monate und laut PCPhenoAge 2,6 Monate pro Jahr langsamer abgelaufen. Am stärksten war die Wirkung bei Probanden, die zu Studienbeginn überdurchschnittlich schnell biologisch gealtert sind. Bei ihnen ist die Alterung laut PCGrimAge um 2,8 Monate pro Jahr gesunken.

Positive Auswirkungen auf das biologische Alter

Die Wissenschaftler erklären, dass ihre Studie darauf hindeutet, dass die tägliche Einnahme eines Multivitamin- und Multimineralstoffpräparats einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess des Menschen hat, vor allem bei Menschen mit einer schnellen biologischen Alterung. Weil der Beobachtungszeitraum mit zwei Jahren relativ kurz war und fast nur nicht-hispanische, weiße Personen an der Studie teilgenommen haben, wollen sie eine größere Folgestudie mit einem längeren Beobachtungszeitraum und Probanden aus mehr Bevölkerungsgruppen durchführen.

„Wir planen Folgeforschung, um festzustellen, ob die Verlangsamung des biologischen Alterns, beobachtet anhand dieser fünf epigenetischen Uhren sowie zusätzlicher oder neuer, auch nach dem Ende der Studie anhält.“

Quellen:

Pressemitteilung des Mass General Brigham (MGB)

Studie im Fachmagazin Nature Medicine, doi: 10.1038/s41591-026-04239-3

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