„Fit mit Rollator“

Trainingsprogramm mit Rollator verbessert Gesundheit von Senioren

Robert Klatt

Ein Rollator erhöht die Mobilität von Senioren )moc.yabaxipsainartnA(Foto: © 

Das Trainingsprogramm „Fit mit Rollator“ erhöht die Mobilität von Senioren im Alltag und sorgt für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes.

Erlangen/Nürnberg (Deutschland). Die Forschung hat bereits mit zahlreichen Studien belegt, dass neben einer ausgewogenen Ernährung vor allem ausreichend Bewegung essenziell für die Gesundheit des Menschen ist. Studienergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass bereits drei Spaziergänge pro Woche in der Natur das Stresslevel und das Risiko an Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken deutlich reduzieren können. Besonders ältere Menschen, deren Mobilität stark eingeschränkt ist, versuchen sich deshalb oft mit einem faltbaren Rollator im Alltag zu helfen.

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben außerdem ein Mobilitätstraining für Rollatornutzer (PDF) entwickelt, das speziell für Senioren konzipiert wurde. Als Grundlage des Projekts „Fit mit Rollator“ diente den Wissenschaftler das im Jahr 2010 vorgestellte Mobilitätsmodell von Webber. Die Zielgruppe des Trainingsprogramms sind Rollatornutzer, die entweder selbstständig in der eigenen Wohnung oder bereits im betreuten Wohnen leben. Außerdem dürfen die Senioren keine starken kognitiven Einschränkungen haben und müssen ihren Rollator noch selbstständig verwenden können.

Ziele des Trainingsprogramms

Das Ziel des Trainingsprogramms für Rollatornutzer ist die Beeinflussung von physischen, kognitiven und psychosozialen Faktoren, die schlussendlich zu einer höheren Mobilität im Alltag führen sollen. Es soll so erreicht werden, dass die Senioren sich öfter bewegen, ihre Muskulatur erhalten oder gegebenenfalls sogar stärken und so das Risiko für Herz-Kreislauf- sowie Muskel- und Skeletterkrankungen verringern.

Um Verletzungen durch Stürze zu verhindern, haben die Wissenschaftler außerdem Maßnahmen zur Sturzprävention konzipiert. Diese umfassen eine Anleitung der Senioren für die korrekte Nutzung eines Rollators und eine Aufklärung über typische Sturzrisiken in ihrer Umgebung.

Aufbau des Trainingsprogramms

Das Trainingsprogramm besteht aus zwanzig Übungseinheiten, die zweimal pro Woche für jeweils 90 Minuten durchgeführt werden sollen. Eine typische Trainingseinheit besteht zum Beispiel aus diesen Modellen:

  • Blitzlicht und Heimaufgabe Teil I 10 Minuten
  • Erwärmung 10 Minuten
  • Krafttraining 20 Minuten
  • Gleichgewichtstraining 10 Minuten
  • Rollatorschulung und Sturzprävention 20 Minuten
  • Entspannung 10 Minuten
  • Blitzlicht und Heimaufgabe Teil II 10 Minuten

Während des Trainings werden die Rollatorübungen von einem Trainingsleiter an einem Modell vorgeführt. Teilnehmer müssen einen eigenen Rollator kaufen, den sie auch abseits des Trainings im Alltag nutzen können.

Praxisstudie „Rollator macht mobil“

Um die Wirkung des Trainingsprogramms zu evaluieren, wurde inzwischen eine Studie durchgeführt. Laut der Veröffentlichung im wissenschaftlichen Magazin PflegePraxis waren die 28 Probanden zwischen 68 und 91 Jahre alt. Personen mit Demenz, Muskelproblemen, starkem Übergewicht und Senioren, die ihren Rollator nicht mehr selbstständig nutzen konnten, wurden gemäß der Vorgaben des Trainingsprogramms nicht in der Studie berücksichtigt.

Es zeigte sich dabei, dass das Trainingsprogramm bei Rollatornutzern „mittlere bis starke Effekte“ auslösen kann. Auch die Machbarkeit des Trainings wurde durch die Studienautoren als gut bewertet. Generalisierbar sind die Ergebnisse jedoch nicht, weil 25 der 28 Probanden Frauen waren. Die Studienautoren legen es daher nahe, weitere Studien mit einem größeren Probandenkreis durchzuführen.

PflegePraxis, doi: 10.1007/s00058-016-2324-z

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