Eltern aufgepasst

Strenge Kindererziehung kann zu kleineren Gehirnen führen

Robert Klatt

Wenn ein Kind oft angeschrien, geschlagen oder geschüttelt wird, kann das schwerwiegende Folgen für die Entwicklung haben. Dies ist vielen bereits bekannt. Doch eine Studie hat nun herausgefunden, dass eine harsche Erziehung auch zu kleineren Gehirnstrukturen führen kann, die sogar durch Röntgenbilder nachweisbar sind.

Montreal (Kanada). Das eigene Kind mit strengen Vorsätzen zu erziehen ist immer noch gang und gäbe in fast allen Ländern. Dazu gehört auch, dass die Eltern manchmal etwas lauter werden und das eigene Kind sogar anschreien oder schlagen. Das eine solche Erziehung vielen Kindern eher schadet, statt sie gut auf ihr späteres Leben vorzubereiten, wurde bereits einige Male bewiesen. Besonders die sozialen und emotionalen Kompetenzen leiden meist unter einer strengen Erziehung.

Auch wurde bereits ein Zusammenhang zwischen Kindesmissbrauch und der Gehirnentwicklung der betroffenen Opfer festgestellt. Junge Erwachsene die als Kind sexuell, psychisch oder emotional missbraucht wurden, besitzen einen kleineren präfrontalen Cortex und eine kleinere Amygdala. Diese beiden Gehirnbereiche spielen eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Emotionen und dem Auftreten von Angststörungen oder Depressionen.

Strenge Erziehung hat ähnlichen Effekt

Auch bei Jugendlichen und jungen Menschen, die in ihrer Kindheit keinen schweren Missbrauch, sondern nur eine harsche Erziehung erfuhren, waren die betroffenen Regionen kleiner als bei anderen Gleichaltrigen. Eine 2019 veröffentliche Studie hatte bereits gezeigt, dass strengere Erziehungsmaßnahmen einen Effekt auf die Gehirnfunktionen von Kindern hatten. Die nun im Fachmagazin Development and Psychology der Cambridge Universität veröffentlichte Studie zeigt, dass das Gehirn von betroffenen Kindern nicht nur anders agiert, sondern auch anders strukturiert ist.

Kinder wurden seit der Geburt überwacht

Um die Studie durchzuführen, wurden mehrere Kinder seit ihrer Geburt in den frühen 2000ern überwacht. Zwischen dem zweiten und neunten Lebensjahr wurden die untersuchten Kinder jährlich auf Angstlevel und Entwicklungsstörungen untersucht. Gleichzeitig wurden die Erziehungsmaßnahmen der jeweiligen Eltern evaluiert. Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt, je nachdem ob sie eine strenge oder eher entspannte Erziehung erfuhren. Zwischen dem 12en und 16en Lebensjahr wurden die dann Jugendlichen erneut umfangreichen Untersuchungen unterzogen. Mehrere MRT-Scans konnten dann analysiert werden, um den Zusammenhang zwischen strenger Erziehung und kleineren Gehirnbereichen herzustellen.

Kindeserziehung wird sich weiter ändern

Vergangene Studien haben dazu beigetragen, dass sich Erziehungsmaßnahmen in den letzten Jahrzehnten von Gewalt hin zu Gesprächen entwickelt haben. Während das Züchtigen von Kindern den 70er und 80er-Jahren noch in vielen Familien zum Alltag gehörte, hat sich die öffentliche Wahrnehmung in den letzten Jahrzehnten stark geändert. 1973 trat zudem in Deutschland das Gewaltverbot für Lehrer in Kraft, nach welchem Lehrer bei Schülern in keiner Form mehr handgreiflich werden können. Diese Gesetzte im öffentlichen Raum übertrügen sich auch in viele private Haushalte. Mit der neuen Studie erhoffen sich die beteiligen Forscher, dass die Gewalt an Kindern weiter zurückgehen wird. Zudem werden die untersuchten Jugendlichen weiterhin beobachtet, um festzustellen, ob sie im Erwachsenenalter öfter unter Burn-Outs und Depressionen leiden.

Development and Psychology, doi: 10.1017/S0954579420001716

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