Graue Hirnsubstanz

Schnarchen kann bei Kindern Verhaltensstörungen auslösen

Robert Klatt

Bei Kindern die häufig schnarchen ist die graue Hirnsubstanz des Frontallappens im Mittel dünner. Dies führt zu Konzentrationsproblemen, Lernstörungen und impulsiven Verhalten.

Baltimore (U.S.A.). Gesunde Kinder sollten je nach Alter zwischen sieben und 13 Stunden pro Tag schlafen, um sich während der vier bis sechs Schlafzyklen optimal zu erholen. Bei Kindern, deren Schlaf durch starkes Schnarchen gestört ist, berichten Eltern häufiger von Hyperaktivität und mangelnder Konzentration. Dies wirkt sich unter anderem auf die Leistungen in der Schule aus.

Ausgelöst wird starkes Schnarchen meist durch eine Blockade der oberen Atemwege. Mögliche Folgen sind eine Atemnot oder sogar Atempausen, die in der Medizin als obstruktive schlafbezogene Atmungsstörung (obstructive sleep-disordered breathing, kurz oSDB) bezeichnet werden. Dies führt zu Störungen der Schlafzyklen, die Kinder aus dem Schlaf aufschrecken. Außerdem können obstruktive schlafbezogene Atmungsstörungen auch zu einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führen, die langfristig den Aufbau des Denkorgans beeinflusst.

Strukturelle Veränderungen des Gehirns

Wissenschaftler der University of Maryland School of Medicine (UMSOM) haben nun untersucht, wie genau obstruktive schlafbezogene Atmungsstörung das Gehirn von Kindern beeinflussen. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Nature Communications analysierten sie dazu jeweils 10 Bilder aus dem Magnetresonanztomografen (MRT) von 140 Kindern zwischen neun und zehn Jahren, die im Rahmen der Adolescent-Brain-Cognitive-Development-Studie erstellt wurden. Es handelt sich dabei um die größte Langzeitstudie zur Entwicklung der Gesundheit und Gehirnentwicklung von Kindern in den U.S.A.

Graue Hirnsubstanz leidet unter Schnarchen

Dabei entdeckten die Forscher, dass bei Kindern, die laut ihren Eltern dreimal oder öfter pro Woche schnarchen, im Mittel die graue Hirnsubstanz in mehreren Regionen des Frontallappens dünner ist als bei Kindern, die fast nie schnarchen. Es handelt sich dabei um Teile des Gehirns, die für die Impulskontrolle und höhere Denkfähigkeiten verantwortlich sind. Die dokumentierten Veränderungen sind also eine Erklärung dafür, wieso häufiges Schnarchen zu mangelnder Konzentration führt, und Lernstörungen sowie impulsives Verhalten auslösen kann.

„Die Kinder haben einen Verlust der kognitiven Kontrolle, der zusätzlich mit störendem Verhalten verbunden ist“, erklärt Amal Isaiah. Die Symptome sind laut Isaiah vergleichbar mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen. Der Forscher empfiehlt daher Eltern, deren Kinder zweimal oder öfter pro Woche schnarchen einen Arzt zu konsultieren, um das Problem durch eine chirurgische Entfernung der Gaumenmandeln zu beheben.

Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-021-22534-0

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