Autoimmunkrankheiten

Salz stört das Immunsystem des Menschen

Robert Klatt

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Auf den Punkt gebracht
  • Ein hoher Salzkonsum stört die Energieversorgung der regulatorischen T-Zellen des Immunsystems
  • Dies erhöht wahrscheinlich das Risiko für Entzündungen und Autoimmunreaktionen

Eine salzreiche Ernährung stört die Energieversorgung des Immunsystems. Dies fördert wahrscheinlich die Entstehung von Entzündungen und Autoimmunreaktionen.

Berlin (Deutschland). Ein hoher Salzkonsum ist laut unterschiedlichen Studien gesundheitsschädlich, etwa weil es den Blutdruck erhöht und das Herz-Kreislauf-System schädiget. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass ein zu hoher Salzkonsum im Gehirn Ablagerungen verursacht, die Alzheimer auslösen können. 2020 kam eine Studie der Universität Bonn überdies zu dem Ergebnis, dass eine salzreiche Ernährung das Immunsystem schwächt, weil es die Aktivität der Nieren erhöht.

Eine neue Studie des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zeigt nun, dass zu viel Salz auch die Kontrolle des Immunsystems stört.

„Ausgangspunkt waren Beobachtungen bei Autoimmunpatienten und unsere Ergebnisse, nach denen Salz die Funktion der Mitochondrien bei Monozyten und Makrophagen einschränkt. Wir haben wir uns gefragt, ob ähnliche Probleme in den regulatorischen T-Zellen gesunder Menschen auftreten können.“

Regulatorische T-Zellen des Immunsystems

Regulatorische T-Zellen (Tregs) sind ein bedeutender Regulierungsfaktor innerhalb des Immunsystems. Ihre Funktion besteht darin, aggressive Immunzellen, welche gegen den Körper selbst gerichtet sind, zu unterdrücken und somit dafür zu sorgen, dass immunologische Reaktionen nicht außer Kontrolle geraten. Im Falle von gewissen Autoimmunerkrankungen, wie Multipler Sklerose, ist die Wirksamkeit der Tregs eingeschränkt, weshalb Entzündungen und Schäden am körpereigenen Gewebe, die durch das Immunsystem verursacht werden, auftreten können.

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Cell Metabolism haben die Forscher um Erstautorin Beatriz Côrte-Real von der Universität Hasselt analysiert, ob eine Salzüberschuss die regulatorischen T-Zellen des Menschen negativ beeinflussen kann. Sie untersuchten dafür die Genaktivität in Zellkulturen, deren Nährmedium einen erhöhten Salzgehalt hatte, sowie die Funktion der Mitochondrien.

Hohes Salzgehalt beeinflusst Energiestoffwechsel

Dabei beobachteten sie, dass regulatorische T-Zellen bei erhöhter Salzkonzentration eine messbare Verschlechterung ihres Energiestoffwechsels aufweisen. Die Mitochondrien der betroffenen Tregs produzierten weniger chemische Energie, was zu einer Veränderung des Zellstoffwechsels und einer eingeschränkten Funktion der Immunzellen führte. Die regulatorischen T-Zellen, die einem hohen Salzgehalt ausgesetzt waren, wiesen dabei Ähnlichkeiten mit jenen auf, die bei Patienten mit Autoimmunerkrankungen beobachtet werden.

Laut Côrte-Real konnten die Forscher entdecken, wie die Funktion der Mitochondrien durch die hohe Salzaufnahme gehemmt wird.

„Der hohe extrazelluläre Salzgehalt erhöht die Konzentration von Natrium-Ionen in der Zelle. Das hemmt die Atmung der Mitochondrien, weil es ihre Elektronentransportkette stört.“

Die gehemmte Atmung der Mitochondrien führte zu einer Veränderungen der Genexpression und zu einem Energiemangel der. Bereits eine kurzzeitige Unterbrechung der Mitochondrien-Funktion beeinflusste in der Studie die immunregulierende Kapazität der Tregs langfristig.

Autoimmunkrankheiten durch hohen Salzkonsum?

Wie Markus Kleinewietfeld erklärt, liefern die Studiendaten Hinweise darauf, dass ein Salzüberschuss im Körper die regulatorischen T-Zellen des Immunsystems stört und dadurch das Risiko für unterschiedliche Krankheiten erhöht.

„Die Faktoren und die molekularen Mechanismen besser zu verstehen, die zur Fehlfunktion der Tregs bei Autoimmunität beitragen, ist eine zentrale Frage auf diesem Gebiet.“

In Anbetracht der Tatsache, dass regulatorische T-Zellen auch bei Erkrankungen wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen von Bedeutung sind, könnte die Untersuchung der durch Salz induzierten Effekte neue Möglichkeiten aufzeigen, um die Funktion von Tregs bei verschiedenen Krankheitsbildern zu modifizieren.

„Es sind jedoch noch weitere Studien erforderlich, um die molekularen Mechanismen genauer zu verstehen und ihre potenziellen Zusammenhänge mit Krankheiten zu ergründen.“

Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2023.01.009

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