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Universaler Hemmstoff

Neues Medikament könnte Erdnussallergie unterdrücken

Lebensmittelallergien könnten in Zukunft durch neue Hemmstoffe langfristig unterdrückt werden. Das sich aktuell in der Entwicklung befindende Medikament für Erdnussallergiker müsste nur ein- bis zweimal monatlich eingenommen werden, um allergische Reaktionen vollständig zu unterbinden. Zuvor sind jedoch weitere Studien nötig, um eventuelle Langzeitfolgen und Nebenwirkungen herauszufinden.

Notre Dame (U.S.A.). Wissenschaftler der University of Notre Dame haben im Fachmagazin PNAS ein Verfahren vorgestellt, das Menschen mit starken Erdnussallergien vor Schocks schützen soll. Derzeit befindet sich der neue Hemmstoff noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Allergiker sollen sich in Zukunft den Hemmstoff regelmäßig injizieren und so Reaktionen des Immunsystems, die normalerweise von Erdnüssen ausgelöst werden, unterdrücken. Sie könnten so ohne Gefahr Speisen essen, die nicht aus ihrer eigenen Zubereitung stammen und die vorher ein großes Risiko für dargestellt haben.

Aktuell wird der Stoff lediglich mit Zellkulturen erprobt. Spätere Testreihen werden dann zeigen, ob auch ein Medikament für die menschliche Nutzung daraus hergestellt werden kann. Sollte die Arbeit der Wissenschaftler erfolgreich verlaufen, wäre es möglich das Konzept des Medikaments für Erdnussallergiker auch auf andere Lebensmittelallergien zu übertragen.

Hemmstoffe stoppen Antikörperproduktion

Menschen mit Erdnussallergien, bilden selbstständig beim Verzehr der Nüsse eine Reihe verschiedener Antikörper, die dann eine allergische Reaktion auslösen. Der nun entwickelte Hemmstoff soll sich anstelle der Antikörper die allergieauslösenden Stoffe heften. Dies verhindert die Produktion von Antikörpern und somit auch die allergische Reaktion.

Die regelmäßige Einnahme des Hemmstoffs würde dazu führen, dass eine Ablagerung im Körper stattfindet und die allergische Reaktion so dauerhaft unterdrückt werden kann. Bassar Bilgicer, Leiter der Studie geht davon aus, dass „eine Einnahme von ein bis zwei Dosen im Monat ausreichen würde.“ Unklar ist bisher, ob die Einnahme per Tablette erfolgen kann oder ob zur Verabreichung eine Spritze notwendig ist.

Allergische Reaktion mit mehreren Antikörpern

Bei der Entwicklung des Medikaments ist es problematisch, dass Lebensmittel wie in diesem Fall Erdnüsse typischerweise nicht nur ein Allergen beinhalten. Dies sorgt dafür, dass der Körper nicht nur einen Antikörpertyp bildet, sondern eine Reihe von verschiedenen Antikörpern für jedes Allergen ausstößt. Die Wissenschaftler gingen aus diesem Grund davon aus, dass ein einzelner Hemmstoff nicht ausreichend sei, um eine komplexe allergische Reaktion mit verschiedenen Antikörpern zu unterbinden.

Aus diesem Grund haben die Wissenschaftler Blutproben von 16 Allergikern untersucht, um so Gemeinsamkeiten in den gebildeten Antikörpern zu finden. Bei 14 der 16 Probanden wurden zwei identische Antikörper im Blut gefunden, für die dann ein passender Hemmstoff verabreicht wurde. Obwohl von mehr als einem Dutzend Allergenen nur bei zwei Allergenen durch den Hemmstoff eine Produktion von Antikörpern verhindert wurde, konnte so eine allergische Reaktion trotzdem unterbunden werden.

Sollten weitere Testreihen bestätigen, dass bei nahezu allen Erdnussallergikern die Antikörper vorhanden sind, würde dies bedeuten, dass der im kleinen Rahmen erprobte Hemmstoff sich für die Produktion eines Medikaments eignet. Derzeit fehlen dazu vor allem noch Tests mit Menschen, die eventuelle Nebenwirkungen und Langzeitfolgen aufdecken könnten. Bis das fertige Medikament auf den Markt kommen kann, wird es also noch einige Jahre dauern.

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