Multifunktionale Peptide

Neuer Wundverband tötet resistente Bakterien

Robert Klatt

Ein neuer Wundverband aus Zellulosefasern mit einer Beschichtung aus Peptiden tötet 99,99 aller Wundkeime.

Thun (Schweiz). Verletzungen der Haut, dem natürlichen Schutzschild des Menschen gegen Viren und Bakterien, erleichtern Krankheitserregern das Eindringen in den Körper und können deshalb schwere Wundinfektionen auslösen. Die Medizin sucht deshalb stetig nach neuen Methoden, um Wunden bakterientötend abzudecken und keimfrei zu halten. Dabei wurden unter anderem ein Polymerschaum mit Kurkuma entwickelt, der außerdem die Narbenbildung verhindert sowie ein Wundkleber, der auch stark blutende Verletzungen selbst bei inneren Organen in Sekunden schließt.

Wissenschaftler der Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) haben im Journal Advanced Healthcare Materials nun einen neuen keimtötenden Verband vorgestellt. Laut Leiterin Katharina Maniura „stellt die zunehmende Antibiotikaresistenz auch die Behandlung von Hautwunden vor immer größere Herausforderungen.“ Die Medizin braucht laut Maniura deshalb dringend „antibakterielle Verbände mit Alternativen zu Antibiotika.“

Zellulose mit Beschichtung aus Peptiden

Der neue Wundverband nutzt als Basis Zellulose, aus der Mikrometer dünne Fasern hergestellt werden, die zu einem mehrschichten Gewebe verwoben werden. Zusätzlich werden diese Fasern mit speziellen Peptiden, dies sind kleine Proteinbausteine, beschichtet. Auf der einen Seite besitzen die Peptide Strukturen, die eine Bindung an die Zellulosefasern erlauben, während die andere Seite antimikrobielle Eigenschaften hat.

99,99 Prozent der Wundkeime abgetötet

Maniura erklärt, dass „solche antimikrobiellen Peptide die Bakterien über mehrere Mechanismen beeinträchtigen und somit den Selektionsdruck für eine Resistenz senken.“ Tests haben belegt, dass das mit den bifunktionalen Peptiden versetzte Zellulosegewebe selbst unter den speziellen chemischen Bedingungen einer Wunde seine funktionelle Beschichtung behält und hautverträglich ist.

Typische Wundbakterien tötet der Verband laut den Ergebnissen der Experiemente effektiv ab. Laut Maniura „wurden in Bakterienkulturen über 99,99 Prozent der Keime durch die peptidhaltigen Membranen abgetötet , darunter auch gefürchtete resistente Keime wie Staphylococcus aureus und Pseudomonas aeruginosa.“

In Zukunft soll die antimikrobielle Membran weitere Funktionen erhalten. Wie Maniura erklärt, „könnten die Peptide beispielsweise mit Bindungsstellen funktionalisiert werden, die eine kontrollierte Abgabe von weiteren therapeutischen Wirkstoffen ermöglichen.“

Advanced Healthcare Materials, doi: 10.1002/adhm.201901850

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