Malaria gehört zu den größten Infektionskillern der Welt, und ausgerechnet gegen die gefährlichsten Formen versagen bewährte Mittel zunehmend. Ein neu entwickelter Wirkstoff hat im Tierversuch selbst arzneimittelresistente Malaria-Erreger mit einer einzigen Dosis abgetötet. Jedes Jahr infizieren sich rund 250 Millionen Menschen, etwa 610.000 sterben daran, die meisten davon Kinder unter fünf Jahren. Bemerkenswert ist, dass die Substanz auch ruhende Erregerformen erwischt und den Parasiten nur wenig Spielraum für Resistenzen lässt. Wie weit der Weg vom Labor bis zur Anwendung noch ist, ordnet die Forschung nüchtern ein.
Malaria wird durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium ausgelöst, die über den Stich infizierter Mücken in den Körper gelangen. Besonders gefürchtet ist Plasmodium falciparum, der Erreger der schweren Verlaufsform. Seit Jahren bereitet die zunehmende Resistenz gegen die derzeit wichtigsten Mittel auf Basis von Artemisinin Sorge, denn sie breitet sich aus und bedroht die Behandlung in vielen Regionen. Damit wächst der Druck, Wirkstoffe mit einem völlig anderen Angriffspunkt zu finden. Genau darauf zielt die neue Entwicklung, die aus einem Suchprogramm nach Molekülen mit hoher Wirksamkeit hervorging. Der Ansatz verbindet schnelle Abtötung der Erreger mit einer möglichst geringen Neigung zur Resistenzbildung, was in der Malariaforschung als besonders wertvolle Kombination gilt.
Der neue Wirkstoff gehört zu einer Substanzklasse mit einem komplexen chemischen Grundgerüst und wurde von einem Team der University of Illinois Chicago vorangetrieben. In den Versuchen heilte er Mäuse, die mit Plasmodium yoelii infiziert waren, einem Parasiten, dessen Verhalten dem menschlichen Malariaverlauf ähnelt. Entscheidend war dabei, dass bereits eine einzige orale Gabe genügte, um die Infektion zu beseitigen. Zusätzlich zeigte sich der Wirkstoff gegen ruhende Erregerformen wirksam, die vielen Standardtherapien entgehen. Solche Dauerformen gelten als ein Grund für Rückfälle, weshalb ihre Bekämpfung als wichtiger Fortschritt gewertet wird. Die Kombination aus Einmalgabe und breiter Wirkung macht die Substanz zu einem vielversprechenden Kandidaten für die weitere Entwicklung.
Der Reiz der Substanz liegt darin, dass sie einen anderen Weg nimmt als die etablierten Mittel. Weil sie nicht auf denselben Mechanismus setzt wie Artemisinin, greifen bestehende Resistenzen der Erreger nicht. Das eröffnet die Chance, gerade dort zu wirken, wo herkömmliche Therapien an Kraft verlieren. Die genauen molekularen Details und die zugrunde liegenden Tests hat das Team in seiner Untersuchung zum neuen antimalarischen Wirkstoff festgehalten. Dass sich die Krankheitslast in der Medizin über die Jahre verschieben kann, zeigt sich auch an anderer Stelle, etwa daran, dass immer weniger Menschen einen Herzinfarkt erleiden.
In den Versuchen entwickelten die Parasiten nur eine geringe Neigung, unempfindlich gegen den Wirkstoff zu werden. Selbst bei wiederholter Belastung verlor die Substanz kaum an Kraft, was auf eine hohe Barriere gegen Resistenz hindeutet. Diese Eigenschaft ist besonders wertvoll, weil neue Malariamittel sonst rasch an Wirkung einbüßen können, sobald sich die Erreger anpassen. Die beteiligte Institution ordnet die Bedeutung des Fortschritts in ihrer Mitteilung zum neuen Malariamittel ein. Ob sich die günstige Kombination aus Wirksamkeit und Resistenzbarriere auch im menschlichen Organismus bestätigt, müssen weitere Studien zeigen.
So ermutigend die Ergebnisse sind, sie stammen aus dem Tierversuch und lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Ein Wirkstoff, der Mäuse zuverlässig heilt, muss in klinischen Prüfungen erst seine Sicherheit und Wirksamkeit beim Menschen belegen. Bis dahin bleibt die Substanz ein vielversprechender Kandidat, aber kein fertiges Medikament. Für die Millionen Betroffenen wäre eine einfache, widerstandsfähige Einmalbehandlung dennoch ein bedeutender Schritt, gerade in Regionen mit begrenzter medizinischer Versorgung. Dass die Medizin auch bei ganz anderen Fragen neue Wege geht, zeigt der Blick darauf, wie ein erstes Medikament für neue Zähne den Test an Patienten startet.
Journal of Medicinal Chemistry, Identification of an Orally Efficacious Imidazo[4,5-c]pyridine-6-Carboxamide Antimalarial with a High Barrier to Resistance; doi:10.1021/acs.jmedchem.6c00461