Serotoninspiegel

Natürliche Bremse verhindert bei vielen Menschen Kokainsucht

Robert Klatt

Das Zusammenspiel der stimulierenden Botenstoffe Dopamin und Serotonin im Gehirn beeinflusst, ob ein Mensch eine Kokainsucht entwickelt oder nicht. In Zukunft könnte das neue Wissen bei Therapien helfen.

Genf (Schweiz). Laut klinischen Studien entsteht durch den chronischen Konsum von Kokain nur bei etwa 20 Prozent der Menschen eine Sucht. Wissenschaftler der Universität Genf haben nun anhand von Gehirnen von Mäusen untersucht, welche Mechanismen dafür verantwortlich sind, dass manche Menschen die Kontrolle über die Droge verlieren, während andere keine Kokainsucht entwickeln.

Wie das Team um den Neurowissenschaftler Christian Lüscher im Fachmagazin Science publiziert hat, verabreichten sie dazu Mäusen Kokain. Bei jeder Dosis wurde bei den Tieren überdies ein unangenehmer Reiz ausgelöst. Die meisten Mäuse hörten daraufhin auf, die Droge zu konsumieren. Etwa ein Fünftel der Versuchstiere entwickelte jedoch eine Sucht.

Kokain beeinflusst Dopamin und Serotonin im Gehirn

Es war bereits bekannt, dass Kokain den Recyclingprozess der Botenstoffe Dopamin und Serotonin im Gehirn hemmt. Wird die Droge konsumiert, können die Neurotransmitter der Zellen die stimulierenden Stoffe deutlich schlechter aufnehmen. Ihre Konzentration nimmt daraufhin zu und das Rauschgefühl entsteht.

Bei den Experimenten mit den Mäusen fanden die Forscher heraus, dass beim Kokainkonsum zwei Mechanismen parallel ablaufen. Der höhere Dopaminspielgel fördert die Entstehung der Sucht, während der höhere Serotoninspiegel als natürliche Bremse fungiert.

Serotoninwirkstoff stoppt Kokainsucht

Im Anschluss an diese Entdeckung manipulierten die Forscher die Gene einiger Mäuse so, dass Kokain lediglich den Dopaminspiegel ansteigen lässt. Daraufhin entwickelten 60 Prozent der Tiere eine Kokainsucht.

Wenn die Tiere danach einen Serotoninwirkstoff erhielten, sank die Suchtrate wieder auf die ursprünglichen 20 Prozent. „Kokain hat also eine Art natürliche Bremse, die in vier von fünf Fällen wirksam ist“, erklären die Autoren. Diese Bremse funktioniert jedoch nur, wenn der Botenstoff Serotonin nicht vom Botenstoff Dopamin überholt wird.

Neue Therapieansätze

Das neue Wissen über die Mechanismen im Gehirn, die für die Entstehung einer Kokainsucht verantwortlich sind, haben laut den Wissenschaftlern das Potenzial für neue Therapieansätze.

„In weiteren Forschungsarbeiten gilt es nun zu untersuchen, ob epigenetische Veränderungen dafür verantwortlich sein könnten, dass manche Menschen eine Sucht entwickeln und andere nicht“, erklärte Lüscher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Science, doi: 10.1126/science.abl6285

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