Gene

Nanochip kann Gewebe im lebenden Körper umprogrammieren

Robert Klatt

Ein neuer Nanochip kann über elektrische Impulse in Sekundenbruchteilen spezifische Gene übertragen und damit Gewebefunktionen im lebenden Körper umprogrammieren.

Indianapolis (U.S.A.). Wissenschaftler der Indiana University School of Medicine haben einen Nanochip entwickelt, mit dem Gewebe im lebenden Körper umprogrammiert werden kann. Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Nature Protocols kann der Chip unter anderem Hautgewebe in Nervenzellen und Blutgefäße umwandeln.

Die Technologie ist laut ihren Entwicklern vielfältig einsetzbar und könnte zur Behandlung unterschiedlichster Gesundheitsprobleme dienen. Laut den Entwicklern könnte das Siliziumgerät unter anderem Nervenschäden, die durch Diabetes entstehen, verhindern und sogar umkehren. Außerdem ist es denkbar, dass der Nanochip Hirnschäden nach einem Schlaganfall repariert.

Behandlung lebender Körperteiler

„Dieser kleine Siliziumchip ermöglicht Nanotechnologie, die die Funktion von lebenden Körperteilen verändern kann. Wenn zum Beispiel die Blutgefäße einer Person durch einen Verkehrsunfall beschädigt wurden und sie eine Blutversorgung benötigt, können wir uns nicht mehr auf das bereits vorhandene Blutgefäß verlassen, weil es zerquetscht ist, sondern wir können das Hautgewebe in Blutgefäße umwandeln und die gefährdete Gliedmaße retten“, erklärt Chandan Sen, Direktor des Indiana Center for Regenerative Medicine and Engineering.

Das nicht invasive Nano-Chip-Gerät nutzt zur Umprogrammierung der Gewebefunktionen einen harmlosen elektrischen Funken. Dieser kann innerhalb von Sekundenbruchteilen spezifische Gene übertragen. Im Labor konnte die Wissenschaftler so das Hautgewebe eines verletzten Beines einer Maus in Blutgefäße umwandeln und die Wunde damit heilen.

Standardisierte Herstellung

Inzwischen wurde mit der standardisierten Herstellung des Nanochips begonnen. Wie die Forscher erklären, sollen andere Fachleute den Chip dank der veröffentlichten Informationen innerhalb weniger Tage nachbauen können. Dies soll dazu führen, dass die regenerativen Therapiemöglichkeiten des Nanochips global in der Medizin eingesetzt werden können.

Klinische Studien

Derzeit warten die Wissenschaftler noch auf eine Zulassung der Food and Drug Administration (FDA). Sobald diese erteilt wurde, sollen klinische Studien mit Menschen starten.

Nature Protocols, doi: 10.1038/s41596-021-00631-0

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