Von: Dennis L.
Überleben in der Arktis

Mutationen im Erbgut der Inuit entdeckt

Biologen haben spezielle Mutationen im Erbgut der Inuit nachgewiesen. Diese steuern den Fettstoffwechsel und ermöglichen so eine fettreiche Ernährung ohne Schäden für die Gesundheit. Zudem verstärken die Mutationen die Produktion von Körperwärme, was bei den eisigen Temperaturen in Grönland überlebenswichtig ist.

Inuit-Famailie im Jahr 1917.
© George R. King / wikipedia.org

Berkely (U.S.A.). Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die in Grönland lebenden Inuit an das extreme Klima und an die sehr spezielle und fettreiche Nahrung angepasst. Wie bereits vermutet, muss diese Anpassung an die rauen Lebensbedingungen genetischer Natur sein, wie nun ein internationales Forscherteam bestätigte. In der DNA der Inuit konnten Biologen eine ganze Gruppe mutierter Gene nachweisen, die bei anderen Völkern auf der Erde nicht vorkommt. Diese Gene regulieren unter anderem die Bildung von eigenen Körperfetten aus Fettsäuren, die in Form von Fischen, Walrossen oder Robben, wesentlicher Bestandteil der Ernährung der Inuit sind. Laut den Forschern ist es aber nicht die überdurchschnittliche Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, welche die Inuit vor gesundheitlichen Schäden schützt, es ist die genetische Anomalie, wie die Forscher im Fachmagazin Science berichten. Das veränderte Fettprofil der Inuit führt zudem zu einer erhöhten Produktion von Körperwärme und könnte zusätzlich die Funktion der Wachstumshormone beeinflussen. Dies würde auch die geringe Körpergröße der Inuit erklären, so die Forscher.

Zusammenspiel von Genen und Ernährung

Dass sich Menschen durch genetische Mutationen ihrer Umgebung anpassen, wurde bereits im Jahr 2013 nachgewiesen. So haben beispielsweise die Menschen im Zentrum des Ganges-Delta eine natürliche Resistenz gegen Cholera entwickelt. Rasmus Nielsen von der University of California in Berkeley meint, dass sich menschliche Populationen darin unterscheiden können, wie sie auf spezielle Ernährungsformen reagieren. Dies bedeutet, dass die Gene darüber entscheiden, welche Nahrung gesund oder schädlich ist. „Wenn jemand beispielsweise seine Ernährung auf Steinzeitkost umstellt, würde es wohl von seinem Genom abhängen, wie sich das gesundheitlich auswirkt“, erklärt Nielsen. Aus diesem Grund hätte es vermutlich schlimme gesundheitliche Folgen, wenn sich ein Europäer wie ein Inuit ernähren würde.

Genetische Mutation ist mindestens 20.000 Jahre alt

Die Biologen des Forscherteams haben für ihre Arbeit das Erbgut von 191 Inuit aus Grönland mit dem von 60 Europäern und dem von 44 Han-Chinesen verglichen. Bei fast allen genetischen Proben der Inuit entdeckten die Forscher die genetische Mutation. Dieselben genetischen Veränderungen fanden sie hingegen nur bei zwei Prozent der Europäer und bei 15 Prozent der Han-Chinesen. Die Forscher schließen daraus, dass die genetische Mutation mindestens 20.000 Jahre alt sein muss. Zu dieser Zeit lebten die Vorfahren der Inuit noch in Sibirien. Die genetischen Veränderungen ermöglichten das Überleben im arktischen Klima bei protein- und fettreicher Ernährung. Die genetisch bedingte Umstellung bei der Verwertung von Nahrungsfetten und der Bildung körpereigener Fettsäuren könnte laut Ansicht der Forscher auch das Körperwachstum begrenzt haben.

Die Forscher fanden noch weitere genetische Mutationen. So beispielsweise ein Genom, welches einen besseren Schutz vor oxidativem Stress bei hohem Fettkonsum bietet oder ein Genom, welches die Entwicklung von Fettleibigkeit und Diabetes verhindert.

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