Lügendetektor

Muskelreaktionen im Gesicht verraten Lügen

Robert Klatt

Eine neue Technologie erkennt Lügen anhand von minimalen Muskelreaktionen im Gesicht. In Zukunft könnten Spezialkameras z.B. in Banken, am Flughafen oder bei Polizeiverhören so Lügner entlarven.

Tel-Aviv (Israel). In der Kriminalistik kommen Methoden wie Polygrafen und Hirnscans zum Einsatz, mit denen Lügen und Falschaussagen identifiziert werden sollen. Diese Methoden können aber getäuscht werden und auch trainierte Beobachter können deshalb nicht immer beurteilen, ob eine Lüge vorliegt. Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben nun eine Alternative zu herkömmlichen Lügendetektoren entdeckt.

Laut ihrer Publikation im Fachmagazin Brain and Behavior basiert die Methode auf subtile Muskelreaktionen im Gesicht, die beim Lügen auftreten. „Der Theorie nach manifestiert sich eine Täuschung durch unwillkürliche Mikro-Mimik, die nur 40 bis 60 Millisekunden anhalten, aber nicht mit den Emotionen übereinstimmen, die die Person durch ihre Lüge übermitteln will“, erklären die Wissenschaftler.

Impulse der Gesichtsmuskeln

Zum Erkennen dieser minimalen Zuckungen haben die Forscher um Anastasia Shuster kleine Elektroden entwickelt, die auf das Gesicht aufgeklebt werden. In Experimenten wurden diese erprobt, indem jeweils zwei Probanden einander gegenübersaßen. Die Menschen hatten dabei Kopfhörer auf, über die sie ein Wort mitgeteilt bekamen. Anschließend sollten sie ihrem Gegenüber, entweder das gehörte Wort mitteilen oder lügen, also ein anderes Wort nennen.

Hohe Genauigkeit des Lügendetektors

Die Probanden konnten bei den Tests in etwa der Hälfte der Fälle erkennen, ob sie angelogen wurden. Der neue Lügendetektor konnte anhand der Muskelreaktionen von Stirn und Wange hingegen bei allen 40 Probanden erkennen, ob diese logen. „Das ist der erste Nachweis einer Lügendetektion durch Oberflächen-EMG in einer solchen Situation“, erklärt Shuster.

Künstliche Intelligenz erkennt Lügen

Anschließend trainierten die Wissenschaftler eine Künstliche Intelligenz (KI) darauf, bestimmte Muskelsignale der Probanden zu erkennen. „Mit dieser Methode erreichten wir eine Trefferquote von 73 Prozent – nicht perfekt, aber immer noch besser als die meiste bisher existierende Technologie“, erklärt Dino Levy. Die Autoren vermuten, dass auch Menschen die unwillkürlichen Muskelreaktionen unbewusst erkennen und so beurteilen, ob ihr Gegenüber lügt.

Komplexe Lügen

„In unserer Studie waren die Lügen sehr simpel. Wenn wir aber im echten Leben lügen, dann erzählen wir oft längere Geschichten, die meist sowohl wahre wie falsche Komponenten enthalten“, erklärt Levy. Die Wissenschaftler wollen deshalb untersuchen, ob die Muskelreaktionen auch bei komplexen Lügen ähnlich ausfallen. Sollte dies der Fall sein, könnte man in Zukunft Lügen besser erkennen.

Statt Elektroden könnte man die Muskelreaktionen auch mit hochauflösenden Kameras erkennen. „Ob in der Bank, bei Polizeiverhören oder am Flughafen könnten dann entsprechende mit einer KI verknüpfte Kameras Wahrheit und Lüge unterschieden. Sobald unsere Technologie perfektioniert ist, die Algorithmen noch besser trainiert und die Elektroden überflüssig, könnte diese Methode zahlreiche Anwendungen finden“, erklärt Levy.

Brain and Behavior, doi: 10.1002/brb3.2386

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