Psychische Störungen

Mehr Krankenhausaufenthalte wegen Cannabis in Deutschland

Robert Klatt

In Deutschland hat die Anzahl der Krankenhausaufenthalte in Folge von Cannabinoid-assoziierten psychischen Störungen deutlich zugenommen. Die Legalisierung der Droge könnte einen weiteren Anstieg auslösen. 

Ulm (Deutschland). In Deutschland hat die Anzahl der Krankenhausaufenthalte in Folge von Cannabiskonsum laut Behandlungsdaten des Statistischen Bundesamts von 2000 bis 2018 stark zugenommen. Wie die Studienautoren des Universitätsklinikums Ulm erklären, liegen zu den Folgejahren noch keine Daten vor.

Die Analyse zeigt laut der Publikation im European Journal of Public Health, dass sich zwischen 2000 und 2018 die Anzahl der stationären Krankenhausbehandlungen aufgrund psychischer Störungen in Folge von Cannabiskonsum knapp versechsfacht haben. Im Jahr 2000 gab es deutschlandweit 3.400 solcher Behandlungen. Im Jahr 2018 waren es bereits 19.100. Stationäre Behandlungen aufgrund von Schizophrenie oder Alkoholabhängigkeit nahmen in diesem Zeitraum in Deutschland hingegen nicht zu.

Cannabis enthält mehr Tetrahydrocannabinol (THC)

Verantwortlich für diesen rapiden Anstieg der Krankenhausaufenthalte sind laut den Autoren vor allem die bessere Verfügbarkeit der Droge und der zunehmende Konsum in weiten Teilen der Bevölkerung. Außerdem enthält Cannabis deutlich mehr höhere Anteil des psychoaktiven Cannabinoids Tetrahydrocannabinol (THC).

„Wir sehen auch einen zunehmenden Konsum von synthetischem Cannabis und solchen Präparaten, die einen erhöhten THC-Gehalt haben“, erklärt Carlos Schönfeldt-Lecuona. Als besonders problematisch beurteilen die Mediziner synthetisches Cannabis, das deutlich stärker wirkt und schädlicher ist als die natürliche pflanzliche Alternative.

Mehr Krankenhausaufenthalte durch Legalisierung?

Der Arzt Maximilian Gahr befürchtet, dass durch die anstehende Legalisierung noch mehr Menschen in Deutschland Cannabis konsumieren werden. Dies würde sehr wahrscheinlich auch die Anzahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Cannabinoid-assoziierten psychischen Störungen weiter erhöhen. Laut den Autoren besteht deshalb ein klarer Bedarf an Gegenmaßnehmen zur Verhinderung psychischer Störungen durch die Droge.

Positiv auswirken könnte sich hingegen die höhere Qualität. „Eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken in lizenzierten Geschäften würde die Weitergabe verunreinigter Substanzen verhindern und den Jugendschutz gewährleisteten“, heißt es dazu im Koalitionsvertrag.

European Journal of Public Health, doi: 10.1093/eurpub/ckab207

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